Zusammenfassung

  • Seit zehn Jahren sorgt Franck Ribéry für Spielwitz bei den Münchnern
  • Der Franzose fühlt sich an der Säbener weiter pudelwohl
  • Ribéry will auch 2017/18 glänzen

München - Noch etwas schüchtern beantwortete Franck Ribéry im Sommer 2007 an der Säbener Straße die Fragen der Medienvertreter und war froh um jede Hilfestellung in der neuen Umgebung. Auf Französisch berichtete der 24-Jährige vom ersten Gastgeschenk seines neuen Arbeitgebers, einem kleinen Buch mit den wichtigsten Fußball-Vokabeln auf Französisch und Deutsch - es sollte ihm die Eingewöhnung erleichtern. Das gelang: Ribéry prägte im Anschluss ein ganzes Jahrzehnt beim FC Bayern München.

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Zehn Jahre nach seiner Ankunft beim Rekordmeister gab es für Ribéry erneut ein besonderes Geschenk: Seine Familie überraschte ihn mit einer Foto-Torte samt Widmungen. Zusammen mit seiner Frau Wahiba und seinen vier Kindern fühlt sich der Jubiliar inzwischen richtig heimisch in der bayrischen Landeshauptstadt. "Dass wir so lange bleiben, hätten wir nicht gedacht, als wir hierhergekommen sind", sagte Ribéry im Interview mit dem Online-Auftritt des FCB. "Inzwischen ist aus Ribéry und Bayern ein Ehepaar geworden."

Auf dem Platz "wie ein Kind"

Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Zwar drohte der 1,70 Meter große Tempodribbler bei seiner ersten Übungseinheit unter dem damaligen Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld in seinem etwas zu großen Trainingsleibchen noch zu versinken, doch die anfängliche Zurückhaltung verschwand rasch. Nur eine Woche nach seinem Debüt im August 2007 ebnete Ribéry mit seinem ersten Bundesliga-Tor den Weg zu einem 4:0-Auswärtssieg in Bremen. Frech wie einst Antonin Panenka lupfte er den Ball über Tim Wiese hinweg ins Tor und lieferte damit eine erste Kostprobe seines Könnens.

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"Wenn ich auf dem Platz bin, mache ich, was mein Gefühl mir sagt", beschreibt Ribéry seinen Spielstil. Auch mit mittlerweile 34 Jahren hat er sich die Schlitzohrigkeit eines Filou bewahrt: "Ich bin wie ein Kind." Dazu gehören manchmal auch seine Launen. Sein Temperament sorgte immer mal wieder für kleinere Aufreger. Eine bittere Rote Karte handelte er sich 2009/10 im Halbfinale der Champions League ein und erlebte dewswegen die spätere Finalniederlage gegen Inter Mailand nur als Zuschauer.

Treueschwur und Traumduo

Dass die Bayern - wenn auch vergeblich - bis vor den CAS zogen, um die Sperre zu reduzieren, imponierte Ribéry so sehr, dass er noch im gleichen Jahr einen richtungsweisenden Treueschwur zum Verein leistete. "Ich habe gemacht fünf Jahre mehr", verkündete er bei der Double-Feier auf dem Münchner Rathausbalkon. Spätestens da sicherte sich Ribéry seinen Platz in den Herzen der Fans und begründete seinen Status als Publikumsliebling.

Zusammen mit Arjen Robben, mit dem er bereits seit 2009 die bei Gegnern gefürchtete Flügelzange "Robbery" bildet, entwickelte sich der Freigeist auf dem linken Flügel immer mehr zum unumstrittenen Spitzenspieler bei den Bayern. Unter Trainer Jupp Heynckes legte Ribéry dann sogar nochmals zu und war in der Triple-Saison 2012/13 einer der Schlüssel des Erfolgs. Folgerichtig wurde er im Jahr seines größten Triumphs zu Europas Fußballer des Jahres gekürt - vor Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.

"Ein Ribéry ist nicht zu ersetzen"

Aufgrund diverser Verletzungen bestritt Ribéry seit 2014 nur 50 von 102 möglichen Bundesliga-Spielen für die Bayern. Angetrieben von seinem unbändigen Ehrgeiz kämpfte sich der in einfachen Verhältnissen in Bologne-sur-Mer groß gewordene Franzose aber immer wieder eindrucksvoll zurück und bewies auch in der vergangenen Saison, dass er von unschätzbarem Wert für den FCB sein kann.

"Ein Franck Ribéry ist nicht zu ersetzen, auch außerhalb des Platzes", sagte Teamkollege David Alaba. Der Linksverteidiger ist auf dem Feld nicht nur Ribérys wichtige defensive Absicherung, sondern auch abseits des Rasens ein guter Kumpel, mit dem er schon den einen oder anderen Streich ausgeheckt hat.

Sofern die Leistung stimmt, weiß auch sein jetziger Coach Carlo Ancelotti die lockere Art Ribérys zu schätzen. "Ich mag es sehr, mit Franck zu scherzen", sagte er im Frühjahr der französischen Zeitung "Journal du Dimanche". "Er spricht auch ein bisschen Italienisch und ist immer gut drauf." Ancelotti verglich seinen Offensivstar mit der Höchstgeschwindigkeit von 34,5 km/h mit einem Ferrari, den man zu ganz besonderen Tagen ausfahre.

Kein Ende in Sicht

Auch bei guter Pflege wird der Flügelflitzer wohl in seiner nun beginnenden elften Bayern-Saison Pausen benötigen, um regelmäßig zu glänzen. In den ersten Trainingseinheiten sprühte Ribéry jedenfalls vor Spiellaune, kein herumliegender Ball war vor seinen Kabinettstückchen sicher. Keine Frage: Seine stolze Bilanz von 75 Treffern und 120 Torbeteiligungen, die ihn schon jetzt zum Rekord-Franzosen in der Geschichte der Bundesliga macht, will er in der neuen Spielzeit weiter aufpolieren.

"Dieser großartige Club und die Stadt sind meine Heimat geworden, sowohl sportlich als auch privat", sagte Ribéry bei seiner bislang letzten Vertragsverlängerung bis 2018 im vergangenen November. "Ich freue mich noch auf viele schöne Momente zusammen mit den Fans des FC Bayern." Die Vorfreude beruht auf Gegenseitigkeit, schließlich hat der Filou längst seine Schüchternheit von damals abgelegt.

Aus München berichtet Maximilian Lotz