Mönchengladbach - Der 1. FC Köln bleibt weiter unangefochten die Nummer 1 am Rhein! Die Kölner setzten ihren Höhenflug unbeirrt fort und haben nach dem 2:1-Erfolg im Derby bei Borussia Mönchengladbach bereits neun Punkte Vorsprung auf die Fohlen und sechs auf Bayer 04 Leverkusen.

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Nach dem Schlusspfiff ließen es die Kölner in der Kabine krachen. Kölsche Musik dröhnte bis in die Mixed-Zone, in der die Matchwinner Marcel Risse und Thomas Kessler Rede und Antwort standen und einen Sieg erklärten, den man anhand der Spieldaten nicht für möglich gehalten hätte. Denn die Mönchengladbacher Profis lagen eigentlich in allen Statistiken vorne. Die Borussia kam auf 20:11 Torschüsse, 7:3 Ecken, 60 Prozent Ballbesitz, die Passquote war besser (79 Prozent zu 73), die Zweikampfquote (55,4 Prozent zu 44,6 Prozent). Die Glabdacher begingen weniger Fouls, bekamen weniger gelbe Karten und liefen seltener ins Abseits.

Stöger: "Wir sind sehr, sehr glücklich"

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Doch das alles half ihnen nichts, denn sie trafen nur einmal ins Tor, die Kölner dagegen zweimal. Während Thomas Kessler gleich mehrfach hundertprozentige Chancen der Gastgeber vereitelte, wurde sein Gegenüber Yann Sommer kaum geprüft - aber zweimal überwunden. Effizienter geht es kaum. "Es war für uns ein extrem schweres Spiel gegen eine Mannschaft, die gezeigt hat, welche Qualität sie hat", meinte FC-Trainer Peter Stöger.

"Wir haben alles abgerufen, was man vom 1. FC Köln verlangen kann. Wir haben Leidenschaft gebracht. Wir hatten einen guten Torhüter", lobte der Österreicher. "Ich bin sehr, sehr zufrieden. Nach einem Sonntagsschuss von Marcel Risse, wie er ihm nun schon nach dem Pokalspiel ein zweites Mal gelungen ist, das Spiel zu gewinnen, ist für uns natürlich etwas Außergewöhnliches. Wir sind sehr, sehr glücklich."

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Viel Lob für Horn-Ersatz Kessler

Die Spieler waren es auch. Sie wussten, dass sie nicht ihr bestes Spiel gezeigt hatten. Marco Höger verneinte die Frage, ob der FC schon eine Spitzenmannschaft sei mit dem Hinweis, dass eine Topelf "in der ersten Halbzeit anders aufgetreten wäre. Bei den Auswärtsspielen in Berlin und Frankfurt hätten wir auch einiges besser machen können. Von einer Spitzenmannschaft brauchen wir nicht zu reden." Das Understatement ehrt den Mittelfeldstrategen. Doch zeichnet eine Spitzenmannschaft nicht genau die Fähigkeit aus, auch die Spiele zu gewinnen, in denen sie keine Topleistung abruft?

In Mönchengladbach war die individuelle Klasse des Ersatzkeepers Kessler und der beiden Torschützen matchentscheidend. "Thomas Kessler würde ich heute die Höchstnote geben", urteilte Stöger. "Für ihn als Kölner war es schön, dass er die Möglichkeit bekam, gleich das Derby zu spielen. Wir haben es nach zig Jahren gewonnen und er steht im Tor. Das ist schon so eine eigene Geschichte, die ihm jeder in der Mannschaft auch gönnt."

Modeste weiter Top-Torjäger

Und Anthony Modeste hat die gegnerischen Abwehrreihen in dieser Saison schon dermaßen in Angst und Schrecken versetzt, dass beim Gegenspieler bereits Panik ausbricht, wenn er nur im Sechzehner auftaucht. Nach einer Flanke von Dominique Heintz klärte der Gladbacher Innenverteidiger Jannik Vestergaard in der 59. Minute so ungeschickt, dass er dem Kölner Torjäger den Ball gegen dessen breite Stirn köpfte. Von da aus ging der Ball zum Kölner Ausgleich ins Tor der Borussia. Modeste hatte zum zwölften Mal und damit bereits häufiger als die ganze Gladbacher Mannschaft in dieser Saison zusammen eingenetzt (>>> Zur Torjägerliste). Dass dann in der Nachspielzeit Marcel Risse einen Freistoß aus 34 Metern Entfernung im Kasten der Borussia versenkte, passt auch ins Bild.

Die Freude der Domstädter wurde allerdings durch die Meldung der Verletzung von Kapitän Matthias Lehmann, der sich bei einem Pressschlag einen Innenband-Teilabriss zuzog und mehrere Wochen pausieren muss, etwas getrübt. So langsam wird die Kölner Personaldecke immer dünner. Denn bis zur Winterpause muss Peter Stöger nunmehr auf vier Stammspieler (Timo Horn, Leonardo Bittencourt, Dominic Maroh und Lehmann) verzichten. Aber den selbstbewussten Kölnern ist es derzeit absolut zuzutrauen, dass sie auch diesen weiteren Rückschlag kompensieren können.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski

Video: Fünf Dinge zum Rhein-Derby