Köln - Das war nichts. Bei der 0:1-Niederlage des 1. FC Köln gegen den SC Freiburg wurde offenkundig, dass die Domstädter derzeit noch damit überfordert sind, in der Bundesliga einen defensiv eingestellten Gegner spielerisch zu dominieren. Statt sich mit einem Dreier einen komfortablen Acht-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegsplätze zu verschaffen, müssen die Kölner nun den Blick wieder nach unten richten. Denn Konkurrenten wie Hamburg, Bremen und Freiburg rückten näher heran.

Diesmal ging auch der erneute Griff in die Textil-Trickkiste in die Hose. Hatten die Geißböcke vor dem ersten Heimsieg gegen Borussia Dortmund vor zwei Wochen noch in neuen Schlafanzügen genächtigt, mussten sie diesmal in speziell angefertigten Karnevalstrikots einen unerwarteten Rückschlag einstecken. Neun Tage vor dem Beginn der fünften Jahreszeit verlor der FC verdient gegen die bis dahin sieglosen Gäste aus dem Breisgau. Es war das schlechteste Spiel in dieser Saison (die Stimmen zum Spiel).

Individueller Fehler verhindert Punktgewinn

An den nüchternen Fakten lässt sich das noch nicht einmal ablesen. In den meisten Rubriken lag der FC vorne. 61 Prozent Ballbesitz, 9:8-Torschüsse, 5:2-Ecken, 15:4-Flanken. Doch außer zwei, drei eher harmlosen Halbchancen sprang nicht viel für die Kölner heraus. Freiburg hatte die bessere Spielanlage und größeren Chancen.

An einem glücklicheren Tag hätten die Kölner zumindest ein torloses Unentschieden einfahren können, aber diesmal gelang auch das nicht. Innenverteidiger Mergim Mavraj stellte sich in der 50. Minute bei einer Freiburger Flanke in den Strafraum ungeschickt an und wehrte den Ball mit der Hand ab. Den fälligen Strafstoß verwandelte Vladimir Darida sicher.

Den Kölnern fehlten in der Folgezeit die Mittel, um den Spieß noch einmal umzudrehen. Und das, obwohl immerhin noch 40 Minuten zu spielen waren. "Es war kein gutes Spiel von uns", war Matthias Lehmann nach dem Abpfiff entsprechend enttäuscht. "Es ist bitter, dass wir dem Letzten drei Punkte mitgegeben haben. Wir müssen das Spiel abhaken. Jeder kann jetzt abkotzen. Nicht nur wir Spieler, sondern auch die Zuschauer."

Helmes wird schmerzlich vermisst

Der Aufforderung kam das Publikum zum Glück nicht nach. Stattdessen verließen viele Zuschauer bereits einige Minuten vor Spielende das Stadion. Zum vierten Mal in fünf Heimspielen blieb der 1. FC Köln ohne eigenen Treffer. In der Offensive drückt nach wie vor der Schuh - nur sieben Tore in zehn Bundesliga-Spielen sind eindeutig zu wenig. Der seit Saisonbeginn schmerzlich vermisste Patrick Helmes fehlt an allen Ecken und Enden. Aber nicht nur die Abteilung Attacke blieb gegen Freiburg vieles schuldig.

"Wir wissen, dass wir in der Bundesliga Spiele gewinnen können, aber dazu müssen wir in allen Bereichen ans Maximum gehen. Das war heute nicht der Fall", zog FC-Trainer Peter Stöger ernüchtert sein Fazit. "Die Ideen bei Ballbesitz waren mangelhaft, auch in der Defensive hat nicht alles gestimmt. Die Entschlossenheit war nicht so zu sehen. Der Gegner hat uns das Spiel angeboten und auf unsere Fehler gewartet. Die Fehler haben wir gemacht, deswegen geht die Niederlage in Ordnung."

Die Kölner Mannschaft stößt an ihre Grenzen, wenn sie selbst das Spiel machen und einen defensiv eingestellten Gegner mit fußballerischen Mitteln knacken soll. "Es ist einfach nicht unsere Spielanlage, dass wir das Spiel machen und den Gegner über 90 Minuten dauerhaft bespielen", kennt Innenverteidiger Kevin Wimmer die Defizite nur zu gut.

Schwere Aufgabe in Hoffenheim

"Uns kommt es entgegen, gegen spielstarke Mannschaften zu spielen, gut zu verteidigen, auf Fehler zu warten und dann schnell nach vorne zu spielen." Freiburg tat dem FC bewusst nicht den Gefallen, den offenen Schlagabtausch zu suchen, sondern zog sich zurück und setzte Nadelstiche. Das reichte aus.

Am kommenden Samstag gastiert der 1. FC Köln nun bei der TSG 1899 Hoffenheim, die in Mönchengladbach ihre erste Saisonniederlage kassierte. Auswärts kommt die Stöger-Elf bislang etwas besser zurecht und holte dort sieben ihrer zwölf Punkte. "Hoffenheims Spiel kommt uns ein bisschen mehr entgegen", glaubt FC-Keeper Timo Horn. "Aber sie haben eine Wahnsinnsqualität und bisher eine sehr gute Saison gespielt. Wir sind gewarnt. Wir müssen wieder so verteidigen wie in den letzten Wochen und vielleicht den einen oder anderen Ball vorne reinmachen. Dann wird es hoffentlich positiver ausgehen als gegen Freiburg."

Tobias Gonscherowski