Köln - Bei den Heimspielen des 1. FC Köln ist weiterhin der Wurm drin. Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung gegenüber der Nullnummer gegen Stuttgart vom Mittwoch reichte es auch gegen den SC Paderborn 07 nur zu einem erneuten 0:0-Unentschieden. Unzufrieden waren die Kölner dennoch nicht.

"Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Im Gegensatz zu Mittwoch hatten wir gegen Paderborn sehr viele klare Chancen", freute sich FC-Spielmacher Matthias Lehmann. "Das Einzige was gefehlt hat, war ein Tor. Ansonsten war es für das dritte Spiel in sieben Tagen eine richtig gute Leistung." Wäre es nicht bereits das fünfte torlose Remis in zehn Heimspielen und der Gegner nicht die zuvor aktuelle Schießbude der Rückrunde gewesen, man hätte dem Kölner Kapitän zustimmen können.

Laufbereitschaft, Engagement, Defensivverhalten, alles war gut. Selbst im Spiel nach vorne zeigten sich die daheim mit Toren geizenden Geißböcke (erst vier Treffer in zehn Partien) verbessert. Doch wieder wollte die Kugel nicht über die Linie gehen. Die beste Chance vergab wie schon vor drei Tagen Bard Finne, der völlig freistehend vor dem Paderborner Keeper Lukas Kruse auftauchte, den Ball aber nicht versenken konnte. Mit seiner wuseligen Art verströmt er durchaus Gefahr. Ein geborener Torjäger ist der Teenager aber nicht.

Stöger: "Leben von unserer Kompaktheit"

"Wenn wir nicht gut genug sind, ein Tor zu erzielen, weil wir zu wenig Kreativität bringen und wir unsere Möglichkeiten nicht verwerten, dann leben wir von unserer Kompaktheit und unserer Entschlossenheit im Defensivbereich", sieht es FC-Trainer Peter Stöger pragmatisch. Wer kein Tor schießt, kann nicht gewinnen, wer aber auch keins kassiert, holt zumindest einen Punkt.

Die Stärke dieses 1. FC Köln ist, dass er abgesehen von den Bayern wie kein zweiter Bundesligist derzeit zu null spielen kann. Bereits zum neunten Mal in dieser Saison hielt Timo Horn seinen Kasten sauber. Das ist ein sensationell guter Wert für einen Aufsteiger. Deshalb steht der FC auf Platz 10, deshalb haben die Domstädter ihren Vorsprung auf den Relegationsplatz im Jahr 2015 von zwei auf fünf Punkten ausgebaut.

Vorfreunde aufs Derby gegen Gladbach

Solange die Defensive stabil bleibt, kann der Aufsteiger trotz seiner Offensivschwäche über die Runden kommen. Zumal die beiden eingewechselten Japaner Yuya Osako und vor allem Kazuki Nagasawa andeuteten, dass sie schon bald eine echte Alternative im Angriff werden könnten. Sie belebten das Kölner Offensivspiel spürbar, auch wenn sie im Abschluss ebenfalls harmlos blieben. "Ab der 60. Minute haben wir noch einmal gut zugelegt, der Trainer hat frische Kräfte gebracht, die das Spiel noch einmal belebt haben“, lobte Timo Horn die beiden Joker. "Leider ist uns der Lucky Punch aber nicht gelungen."

Fünf Punkte hat der 1. FC Köln aus der englischen Woche geholt, kein Gegentor kassiert, den Hamburger SV geschlagen, Stuttgart und Paderborn auf Distanz gehalten. Jetzt heißt es durchschnaufen und dann mit voller Konzentration die nächste Aufgabe angehen. Die ist besonders delikat. Denn der FC gastiert am Karnevalssamstag zum rheinischen Derby bei Borussia Mönchengladbach.

"Alle fiebern auf das Derby hin", freut sich Daniel Halfar. "Gladbach ist der haushohe Favorit. Aber wir wollen an die Auswärtsleistungen der ganzen Saison anknüpfen. Dann gucken wir, ob wir für eine Überraschung sorgen können." Angst und Schrecken verbreiteten die Borussen in der Rückrunde mit zwei Toren in drei Spielen noch nicht. Allerdings holten die Fohlen damit sechs Punkte. Das Hinspiel der beiden Minimalisten des Jahres 2015 endete 0:0. Eine Wiederholung wäre wohl keine ganz große Überraschung.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski