Zusammenfassung

  • Rückkehrer Simon Terodde sorgt mit seinem Siegtreffer für neue Hoffnung beim FC

  • Jonas Hector freut sich im ersten Spiel nach überstandener Verletzung über einen "Sieg für den Kopf"

  • Trainer Stefan Ruthenbeck blickt bereits auf das nächste Endspiel gegen den Hamburger SV voraus

Köln – Der Jubel kannte im RheinEnergieStadion keine Grenzen mehr: Dank des Last-Minute-Treffers von Simon Terodde, der bei seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr in der 95. Minute zum 2:1 einköpfte, hatte der 1. FC Köln das prestigeträchtige rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach für sich entschieden. Spieler und Fans feierten nach dem Abpfiff zu kölschen Tönen den enorm wichtigen Erfolg, der für die "Geißböcke" als Initialzündung für die Rettung im Abstiegskampf dienen soll.

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"Das fühlt sich sehr, sehr gut an. Die geschundene Seele wurde jetzt etwas befriedigt zum Auftakt in die Rückrunde. So kann es gerne weitergehen", sagte FC-Ersatzkapitän Jonas Hector nach der Partie. In einem intensiven Derby hatte der Nationalspieler nach viermonatiger Verletzungspause sein Comeback gegeben – als einer der Hoffnungsträger in Kölner Reihen sorgte er gegen den rheinischen Rivalen aus Mönchengladbach auf der linken Außenbahn für defensive Stabilität beim FC. Nach 72 Minuten war sein Arbeitstag beendet, so dass Hector von der Bank aus verfolgte, wie der für ihn eingewechselte Konstantin Rausch in letzter Sekunde auf Torjäger Terodde flankte. Der Rest war Ekstase in der Domstadt - "Kölle alaaf" vier Wochen vor dem Start in den Straßenkarneval.

"Wir brauchen jeden Punkt, am besten jedes Wochenende drei." Jonas Hector

"Dieser Sieg ist schon wichtig für den Kopf. Es ist immer gut, nach einer kleinen Pause mit einem Sieg in die Rückrunde zu starten. Es ist immer wichtig, dass man einen gewissen Schwung aufbaut – gerade in unserer Situation. Wir brauchen jeden Punkt, am besten jedes Wochenende drei. Deswegen sind wir sehr froh, dass das diesmal am Ende noch geklappt hat", betonte Hector, der den Kölnern seit dem Europa-League-Auftakt beim FC Arsenal schmerzlich fehlte. In Abwesenheit des spielstarken Linksverteidigers stürzten die "Geißböcke" schier ins Bodenlose, feierten erst am letzten Spieltag der Hinrunde gegen den VfL Wolfsburg den ersten Saisonsieg. Sechs Punkte nach 17 Spieltagen: Der Abstieg für den FC scheint für viele schon zur Halbzeit der Saison besiegelt zu sein.

Aufgegeben hat sich das Team allerdings noch lange nicht, wie das Derby gegen die favorisierte Borussia bewies. Mit Leidenschaft und großem Willen stemmten sich die Kölner gegen die Angriffe der spielerisch starken Gäste – und konnten dann dank Terodde in einer wilden Schlussphase den Lucky Punch setzen. Auch Dominique Heintz schwebte nach dem Sieg gegen den rheinischen Rivalen auf Wolke sieben: "Es fühlt sich richtig gut an. In der letzten Sekunde das Derby zu gewinnen – wie im Drehbuch. Wenn uns das jemand vorher gesagt hätte, hätten wir alle unterschrieben. Diesen Sieg haben wir uns verdient", spielte der Innenverteidiger auf die Negativserie im vergangenen Halbjahr an. Der Erfolg im Derby – ein Befreiungsschlag für die Kölner Mannschaft, vielleicht sogar die Initialzündung für eine historische Aufholjagd.

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Einer, der nach dem emotionalen Ende auf dem Teppich blieb, war FC-Trainer Stefan Ruthenbeck. Vor dem Derby hatte er im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" noch gesagt, er könne kein Ergebnis versprechen, dafür aber Vollgas. Schließlich habe sein Team 17 Endspiele um den Klassenerhalt vor der Brust. Und seine Mannschaft hielt Wort, schmiss alles, was ihr zur Verfügung stand, in die Waagschale und belohnte sich am Ende für einen couragierten Auftritt. "Was die Mannschaft an Leidenschaft und Mentalität herausgehauen hat, war sensationell", lobte Ruthenbeck seine Schützlinge: "Es ist positiv, dass wir das Derby lange offen austragen konnten. Wenn du Endspiele ausrufst und Spiele gewinnen musst, dann ist das genau die Art und Weise, um gegen solche Topmannschaften zu bestehen."

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Eine Leistung, die allerdings nicht nur positive Gefühle im Kölner Trainer hervorrief: "Das erste, was ich nach dem Spiel verspürt habe, war eine Art Bitterkeit, dass diese Mannschaft eigentlich viel mehr Punkte haben müsste, wenn sie so agiert, wenn sie so viel Mumm hat", erklärte Ruthenbeck, der zum Start in die Winterpause vom Interimstrainer zum Kölner Chefcoach befördert wurde. Zwar war der Derbysieg Balsam auf die geschundene FC-Seele, in der Tabelle hat sich dadurch jedoch zunächst wenig verändert. "Es sind nur drei Punkte. Wir haben erst neun Zähler auf dem Konto, das ist immer noch viel zu wenig. Wir haben das erste Endspiel gewonnen und haben nächste Woche den Hamburger SV vor der Brust", blickte Ruthenbeck bereits auf das spannende Aufeinandertreffen in der kommenden Woche.

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"Wir sind alle realistisch. Das waren zwar ganz wichtige drei Punkte, doch erst der erste Schritt auf unserem Weg", weiß auch Heintz die Situation beim Bundesliga-Schlusslicht einzuordnen. Beim Tabellenvorletzten in Hamburg könnte der FC allerdings einen weiteren Schritt machen. "Wir haben über die Winterpause die Köpfe freibekommen und wollen in diesem Jahr etwas Neues starten. Wir wollen das gerade biegen – und das war der Anfang", betont Dominique Heintz. Wer gesehen hat, wie emotional das gesamte Stadion den Last-Minute-Derbysieg dank Simon Terodde bejubelte, könnte glatt daran glauben, dass die "Geißböcke" im Rennen um den Klassenerhalt noch ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen werden. Mit Köpfchen für den Kopf: Der 1. FC Köln lebt wieder!

Aus Köln berichtet Thomas Reinscheid