Lissabon - Im Sommer wechselte Timo Hildebrand nach Portugal zu Sporting Lissabon. Durchsetzen konnte sich der ehemalige Torhüter des VfB Stuttgart dort aber nicht, sein Trainer Paulo Sergio setzt auf Eigengewächs Rui Patricio.

Liebend gerne hätte Hildebrand zwar am Donnerstag (ab 18:45 im Live-Ticker) dem Auftritt der Schwaben beim Lokalrivalen beigewohnt, Sporting aber spielt fast zeitgleich ebenfalls in der Europa League bei den Glasgow Rangers.

Vor dem Hinspiel der Stuttgarter in Portugal nahm er sich aber Zeit, um mit bundesliga.de auf das Spiel im Estadio da Luz vorauszuschauen.

bundesliga.de: Herr Hildebrand, Sie sind bei Sporting nur die Nummer 2. Damit dürften Sie nicht zufrieden sein.

Timo Hildebrand: Die Situation ist gerade nicht optimal. Ich muss mich hinten anstellen und warten. Ich trainiere viel und absolviere, um fit zu bleiben, viele Sonderschichten. Richtig glücklich bin ich, wenn ich Fußball spielen darf. Aber ich versuche, dass Beste daraus zu machen.

bundesliga.de: Ihr Ex-Club Stuttgart spielt am Donnerstag gegen Benfica. Was fällt Ihnen zum großen Lokalrivalen von Sporting ein?

Hildebrand: Benfica ist momentan richtig gut drauf. Sie spielen einen tollen Fußball. Im Pokal haben sie zuletzt auch gegen Tabellenführer Porto gewonnen. Sie tanzen also noch auf allen Hochzeiten mit, auch wenn sie in der Liga ein bisschen hinter Porto anstehen.

bundesliga.de: Was macht Benfica so stark?

Hildebrand: Das Niveau in Portugal ist in der Breite nicht so hoch wie in der Bundesliga. Die Schwierigkeit ist es daher, Spieltag für Spieltag die Top-Leistung abzurufen. Und das bekommt Benfica derzeit hin, weil sie über einen qualitativ gut besetzten Kader verfügen.

bundesliga.de: Auf welche Spieler müssen die Stuttgarter besonders aufpassen?

Hildebrand: Benfica kommt vor allem über die spielerische Komponente. Im Hinspiel waren sie gegen uns schon dominant und auch die bessere Mannschaft. Saviola, Cardozo und Aimar aus dem Mittelfeld - da muss der VfB höllisch aufpassen. Vor allem auch auf Fabio Coentrao, einem der besten Linksverteidiger weltweit, der sich immer wieder in den Angriff mit einschaltet.

bundesliga.de: Wie kann der VfB die Hausherren knacken?

Hildebrand: Ein Geheimrezept gibt es nicht. Aber gegen solche Spitzenmannschaften zählt vor allem eine geschlossene Mannschaftsleistung, um erfolgreich zu sein.

bundesliga.de: Welche Stimmung erwartet die Stuttgarter im Estadio da Luz?

Hildebrand: Die Kulisse ist nicht anders als in den anderen großen Stadien Europas. Aber es macht schon richtig Spaß, im Estadio da Luz zu spielen.

bundesliga.de: Beim VfB läuft es in der Bundesliga gar nicht rund, die Mannschaft muss um den Klassenerhalt bangen. Wo sehen Sie die Gründe für die Misere in Stuttgart?

Hildebrand: Da möchte ich mir aus der Ferne kein Urteil erlauben. Ich wünsche mir aber sehr, dass der VfB den Klassenerhalt schafft.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für das Spiel?

Hildebrand: Ein Unentschieden wäre für Stuttgart ein gutes Ergebnis - also tippe ich auf ein 1:1. Ich drücke dem VfB auf jeden Fall die Daumen.

Aus Lissabon berichtet Michael Reis