München - In einem Punkt waren sich die Experten vor Saisonbeginn einig: Der VfL Bochum und Eintracht Frankfurt seien die beiden Topfavoriten auf den Aufstieg in die Bundesliga. Am kommenden Freitag treffen die beiden Teams nun im rewirpowerSTADION aufeinander. Doch anders als erwartet, ist es nicht das Topspiel des 11. Spieltags.

Zwischen den Hessen und den Ruhrpottlern klafft nämlich eine Lücke von elf Plätzen und zwölf Punkten. Doch was sind die Gründe dafür, warum die Frankfurter erwartungsgemäß so weit oben und die Bochumer überraschend so weit unten stehen? bundesliga.de nennt die Ursachen.

Holpriger Saisonstart

Dabei muss man beim VfL Bochum einen Blick auf die vergangene Saison werfen. Am 25. Mai scheiterten sie in der Relegation zum Aufstieg in die Bundesliga nur knapp an Borussia Mönchengladbach (Hinspiel: 0:1, Rückspiel: 1:1). Der damalige Trainer Friedhelm Funkel ging von einer "Jetzt-erst-Recht"-Einstellung seiner Mannschaft aus und blickte nach dem knapp verpassten Aufstieg zuversichtlich in die Zukunft. "Unsere Ausgangslage ist nun eine ganz andere, weil die Stimmungslage eine ganz andere ist. Wir können optimistisch in die neue Saison gehen", sagte Funkel, der "beste Chancen" sah, am Ende auf einem der ersten drei Plätze zu landen.

Die neue Spielzeit ging acht Wochen später bereits wieder los. Zwei Monate Pause waren offenbar zu wenig für die Bochumer Kicker, um den verpassten Aufstieg mental zu verarbeiten. Das Auftaktspiel bei Fortuna Düsseldorf verloren sie mit 0:2. Einem späten Sieg gegen den FSV Frankfurt und einem Remis beim FC Hansa Rostock folgten Niederlagen gegen den FC St. Pauli und Union Berlin.

Nur vier Punkten aus den ersten fünf Partien: Da wurden Erinnerungen wach an die vergangene Spielzeit. 2010/11 hatte der VfL zum gleichen Zeitpunkt lediglich zwei Zähler mehr auf dem Konto. Nach und nach rollte Bochum dann aber das Feld von hinten auf. Und so wollte auch Friedhelm Funkel, dem verletzungsbedingt Leistungsträger wie Chong Tese, Christoph Dabrowski und Mimoun Azaouagh nicht zur Verfügung standen, von einem Fehlstart nichts wissen.

Aufwärtstrend unter Bergmann

"Sicherlich passt bei uns noch nicht alles und wir hätten uns auch den einen oder anderen Punkt mehr erhofft. Wenn wir noch häufiger den Weg in die Spitze finden und dabei vor allem das Tempo erhöhen, wird die Mannschaft für ihren Einsatz wieder belohnt werden", sagte er.

Doch dem war nicht so. Nach weiteren Pleiten gegen die SpVgg Greuther Fürth und Dynamo Dresden trennten sich die Bochumer von Funkel und stellten Andreas Bergmann als Nachfolger vor. Und der hatte sich seinen Einstand als Trainer des VfL Bochum mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Bei der 0:4-Heimpleite gegen den SC Paderborn wurden ihm die Defizite seiner Elf aufgezeigt. Der VfL rutschte auf den letzten Tabellenplatz ab - der Tiefpunkt. "Das war sehr ernüchternd. Da war zu sehen, wie tief die Verunsicherung verwurzelt ist. Es wird eine beinharte Aufgabe, den Hebel umzulegen, ein schwieriger Prozess", meinte der neue Übungsleiter.

Er scheint den richtigen Hebel inzwischen gefunden zu haben, der VfL befindet sich auf dem aufsteigenden Ast. Nach einem Sieg gegen Duisburg folgte beim FC Ingolstadt durch einen "Dreierpack" von Tese ein 5:3-Erfolg nach 1:3-Rückstand zur Halbzeit. Doch noch ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Vor allem in der Defensive fehlt häufig die Zuordnung und die nötige Kompaktheit. Schlussmann Andreas Luthe musste schon 20 Mal hinter sich greifen, in der gesamten Vorsaison kassierte der VfL nur 35 Gegentreffer. Der kommende Gegner aus Frankfurt stellt dagegen mit zehn Gegentoren die viertbeste Abwehr der 2. Bundesliga und steht dort, wo der VfL hin möchte: auf Rang 2, der zum direkten Aufstieg berechtigt.

Frankfurt noch ungeschlagen

Einzig Fürth liegt nach den ersten zehn Spielen noch vor den Hessen. Die Franken sind mit einem Punkt Vorsprung aber noch in Sichtweite. Der Bundesliga-Absteiger brauchte nicht lange, um sich eine Klasse tiefer zu akklimatisieren und ist neben Düsseldorf die einzige Mannschaft, die noch ungeschlagen ist. Kleinere Anlaufprobleme hatte die Elf von Trainer Armin Veh aber dennoch.

Zwar fuhr sie an den ersten sechs Spieltagen drei Siege ein, doch allesamt auf fremden Plätzen. In der heimischen Commerzbank-Arena lief es dagegen nicht rund. Gegen St. Pauli, Fortuna Düsseldorf und Paderborn teilte die Eintracht nur die Punkte. Der Begriff "Heimkomplex" machte die Runde.

Daher legte Frankfurt auf dem Transfermarkt noch einmal nach und verpflichtete Ende August Rob Friend von Hertha BSC sowie Mohamadou Idrissou von Borussia Mönchengladbach. Damit erhielt Veh seine beiden Wunschstürmer.

Bester Angriff der 2. Bundesliga

Die beiden Angreifer schlugen direkt ein und trafen jeweils ein Mal beim 3:3 gegen Energie Cottbus am 7. Spieltag. Es war der letzte Punktverlust der Eintracht. Anschließend gelangen dem Erstliga-Absteiger drei Siege in Folge, davon zwei vor heimischen Publikum gegen Rostock und Union Berlin.

Idrissou stieg schnell zum Publikumsliebling auf, erzielte in vier Partien fünf Tore. Zusammen mit dem Griechen Theofanis Gekas, der vier Tore auf dem Konto hat, bildet er ein Sturmduo, das in der 2. Bundesliga seinesgleichen sucht. Der torgefährlichste Frankfurter ist jedoch im offensiven Mittelfeld zuhause: Alexander Meier netzte bereits sieben Mal ein. Kein Wunder, dass die Eintracht mit insgesamt 26 Treffern den besten Angriff der 2. Bundesliga stellt.

"Wir nehmen die Rolle als Favorit an", sagte Veh vor dem Saisonstart. Gesagt, getan. Die Eintracht wurde ihrer Rolle als heißester Aufstiegsanwärter bislang gerecht. Diese muss sie nun auch bei den aufstrebenden Bochumern unter Beweis stellen.

Robin Schmidt