Cottbus - Dem FC Energie Cottbus ist der perfekte Saisonstart gelungen. Neben Tabellenführer Eintracht Braunschweig konnten die Lausitzer als einziges Team beide Auftaktpartien gewinnen. Die Freude über den guten Start wurde allerdings durch die schwere Verletzung von Innenverteidiger Markus Bzenska getrübt. Im Gespräch mit bundesliga.de zieht Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz eine erste Zwischenbilanz.

bundesliga.de: Herr Wollitz, Sie haben vor der Saison im bundesliga.de-Interview und gesagt: "Wir gehen einer ganz schweren Saison entgegen und wollen so schnell wie möglich 40 Punkte holen." Jetzt gab es zwei Siege zum Saisonstart. Haben Sie ein bisschen sehr tief gestapelt?

Claus-Peter Wollitz: Nein, das habe ich nicht. Und auch zwei Siege zum Auftakt werden mir nicht die Augen verkleistern. Wie schwer diese Liga ist, wie eng es zugehen wird, wie schnell Mannschaften in Schwierigkeiten kommen können, beweisen doch bereits die ersten beiden Spieltage. Duisburg null Punkte, Aachen null Punkte – das sind zwei Mannschaften mit großen Ambitionen. Wir bleiben dabei: die ersten sechs Punkte für den Klassenerhalt kann uns keiner mehr nehmen.

bundesliga.de: Sie meinten auch, dass der Kader in der Breite nicht gut genug aufgestellt war, um im Aufstiegskampf ein Wörtchen mitreden zu können. Schätzen Sie den aktuellen Kader stärker oder schwächer ein als im Vorjahr?

Wollitz: In der Breite haben wir sicher mehr Möglichkeiten als im Vorjahr, darauf haben wir Wert gelegt. Aber wir haben mit Nils Petersen, Emil Jula, Jiayi Shao und nun durch die Verletzung auch Markus Brzenska vier Top-Spieler verloren. Sie zu ersetzen ist beinahe unmöglich. Bei aller Breite geht es auch immer um "Spitze", die zu finden und nach Cottbus zu locken ist schwierig.

bundesliga.de: Wie überrascht sind Sie, dass Energie so gut aus den Startlöchern gekommen ist?

Wollitz: Im Fußball kann mich nur noch wenig überraschen. Und natürlich habe ich meiner Mannschaft die Leistung zugetraut. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, das im Training Erarbeitete dann auch auf den Platz zu transportieren. Was wir bis zur Veretzung von Markus Brzenska in Duisburg abgeliefert haben, war schon fast die hohe Schule.

bundesliga.de: Was hat die Mannschaft in den ersten beiden Saisonspielen gut gemacht und woran muss noch gearbeitet werden?

Wollitz: Unser Augenmerk lag darauf, weniger Gegentore zu kassieren, stabiler zu werden als Team, das Umkehrspiel zu verbessern. Und das, ohne die offensive Ausrichtung zu vernachlässigen. Das ist bis auf die erste Halbzeit gegen Dresden recht ordentlich gelungen. Darauf lässt sich aufbauen. Wichtig ist: die Einstellung war top. Das ist die Basis, das erwarte ich in jedem Spiel.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Offensivabteilung nach dem Abgang des Topduos Petersen/Jula? Wie wichtig ist Dimitar Rangelov?

Wollitz: Dimitar Rangelov ist ein Top-Spieler, der nicht nur fußballerisch sehr gut in diese Mannschaft passt. Seine großen Qualitäten hat er bereits angedeutet. Aber er braucht einen Rhythmus, dabei müssen ihm die Mitspieler helfen. Wichtig ist, dass wir ihn da vorne nicht im Regen stehen lassen und sagen: Nun mach mal. Sondern dass wir Torgefahr aus allen Positionen ausstrahlen und damit die "Last" des Toreschießens auf mehrere Schultern verteilen. Das ist unabdingbar.

bundesliga.de: In Duisburg verletzte sich Energie-Innenverteidiger Markus Brzenska schwer und wird monatelang ausfallen. Wie wollen Sie diesen Verlust auffangen? Müssen Sie noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden?

Wollitz: Ja, wir sondieren den Markt. Markus Brzenska ist mit seiner Zweikampfstärke, seiner Abgeklärtheit, seiner absolut professionellen Einstellung, vor allem aber als Typ an exponierter Stelle in der Hierarchie allerdings kaum zu ersetzen.

bundesliga.de: Am kommenden Samstag gastiert der FC Energie im DFB-Pokal bei Holstein Kiel. Was wissen Sie über den Gegner und mit welchen Erwartungen gehen Sie in den Wettbewerb, in dem Sie im letzten Jahr das Halbfinale erreichten?

Wollitz: Natürlich haben wir Holstein beobachten lassen und nehmen den Gegner sehr ernst. Als ambitionierter Regionalligist trainiert Kiel unter Profibedingungen. Wir müssen hoch konzentriert sein, um unsere Favoritenstellung in einen Sieg umzumünzen. Der finanzielle Aspekt hat den Pokalwettbewerb in den vergangenen Jahren enorm aufgewertet. Ich bin allerdings für die sportliche Komponente zuständig und nicht der Beauftragte für Mehreinnahmen. Wir durften im Vorjahr mit dem Einzug ins Halbfinale erfahren, welche Wertschätzung man sich im DFB-Pokal erarbeiten kann. Das ist der eigentliche Ansporn.

bundesliga.de: Sie gehen in ihr drittes Jahr in Cottbus. Träumen Sie davon, mit Energie einmal in der Bundesliga zu spielen?

Wollitz: Ich bin kein Träumer, eher Realist. Natürlich sind die Planungen in Cottbus so ausgerichtet, um mittelfristig wieder ein Wörtchen mitzureden an der Spitze der 2. Liga. Dafür haben wir Schlüsselspieler perspektivisch an den FC Energie gebunden. Ungeachtet dessen ist es für einen Verein wie Cottbus niemals ein "Muss", in die Bundesliga aufzusteigen. Das passiert angesichts der hiesigen Möglichkeiten nur, wenn bei uns alles passt und bei der finanzstarken Konkurrenz einiges falsch gemacht wird. Unseren Teil dieser These versuchen wir so gut wie möglich zu erfüllen.

bundesliga.de: Seit 1988 wechselt der FC Energie alle drei Jahre die Liga. Geht es nach dem Gesetz dieser Serie, wird der Verein in der kommenden Saison in einer anderen Liga spielen. In welcher?

Wollitz: Wenn der FC Energie Cottbus auch 2012/2013 ein sehr guter Zweitligist ist, haben wir ungeachtet der kuriosen Serie einiges erreicht für den Standort.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski