Auch in dieser Spielzeit ist die 2. Bundesliga nichts für schwache Nerven. Schon jetzt deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mehrerer Mannschaften um die begehrten Aufstiegsränge und den Relegationsplatz bis zur letzten Minute der Saison an. Ganz vorn mit dabei: die SpVgg Greuther Fürth.

Seit sechs Spielen sind die Franken ungeschlagen und stehen folgerichtig auf dem 2. Platz. Die Hoffnung, dass das Team in dieser Saison bis zum Schluss oben mitspielen wird, trägt einen Namen. Benno Möhlmann.

Bereits zum dritten Mal ist der 54-Jährige Trainer der Fürther. Nach Amtszeiten von Oktober 1997 bis Oktober 2000 und von Februar 2004 bis Saisonende 2007 kehrte Möhlmann nach einjähriger "Abstinenz" im Sommer zu den "Kleeblättern" zurück.

Im Gespräch mit bundesliga.de erklärt der Trainer, was ihn zu seiner Rückkehr nach Fürth bewogen hat und was sich im Vergleich zu früheren Amtszeiten beim Verein verändert hat. Weiterhin spricht Möhlmann über das Aufstiegsrennen in der 2. Bundesliga und welche Rolle seine Elf dabei spielen will.

bundesliga.de: Herr Möhlmann, herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Rückrundenstart. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit des Fußballjahres 2009 aus?

Benno Möhlmann: Wir sind gut reingekommen mit dem Sieg gegen Ingolstadt. Die gute Leistung konnten wir dann beim Auswärtsspiel in St. Pauli bestätigen. Die Frankfurter waren zuletzt der erwartet schwere Gegner. Sieben Punkte aus drei Spielen bewerte ich als guten Start in die Rückserie.

bundesliga.de: Wie werten Sie das 0:0 daheim gegen Frankfurt: ein gewonnener Punkt oder zwei verschenkte Zähler?

Möhlmann: Ich habe uns in der ersten Halbzeit nicht so gut gesehen. Der zweite Durchgang war besser. Allerdings mussten wir ab der 51. Minute mit zehn Mann auskommen. Wir hatten einige Chancen, das Tor zu erzielen. Unterm Strich aber ein gerechtes Unentschieden.

bundesliga.de: Die kommenden beiden Partien bestreitet Ihr Team auswärts. Zuerst geht es nach Koblenz. Die TuS hat Ihrer Elf im Hinspiel alles abverlangt. Was erwarten Sie vom Rückspiel und wie muss Ihr Team auftreten, um zu gewinnen?

Möhlmann: Die Mannschaft von Uwe Rapolder ist eine spiel- und vor allem kampfstarke Mannschaft. Wir müssen von Anfang an hochkonzentriert sein und engagiert in die Partie gehen. Wenn wir die Zweikämpfe annehmen, sehe ich gute Chancen, die Partie zu gewinnen.

bundesliga.de: Anschließend steht ein echtes Gipfeltreffen auf dem Betzenberg an. Ist das Gastspiel beim daheim ungeschlagenen 1. FC Kaiserslautern eine echte Standortbestimmung?

Möhlmann: Wir konzentrieren uns auf Koblenz, dann machen wir uns Gedanken über Kaiserslautern. Wir freuen uns auf die gute Atmosphäre auf dem Betzenberg. Und jede Serie kann mal reißen.

bundesliga.de: Der SpVgg Greuther Fürth wird nachgesagt, dass ihr gegen Ende einer Saison die Puste ausgeht. Schon oft verpasste der Verein den Aufstieg nur knapp. Woran lag das in der Vergangenheit und was ist diesmal anders?

Möhlmann: Ich blicke nicht zurück. Tatsache ist aber, dass unser Kader insgesamt in der Breite stark aufgestellt ist. Wir haben eine gute Mischung zwischen Alt und Jung gefunden, die Kameradschaft passt, der Konkurrenzkampf wird fair geführt.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft stellt den gefährlichsten Angriff und den besten Angreifer der 2. Bundesliga. Sami Allagui traf bereits 13 Mal in dieser Saison. Wie wichtig ist er für die Mannschaft und wie viel Potenzial sehen Sie in ihm?

Möhlmann: Sami ist ein guter Junge. Er hat unsere Spielweise schnell angenommen, spielt mannschaftsdienlich und bildet mit Stefan Reisinger ein klasse Angriffsduo.

bundesliga.de: Aber auch die Abwehr der Fürther kann sich sehen lassen. In den vergangenen fünf Partien gab es nur ein Gegentor. Kann die verbesserte Defensivarbeit den Unterschied zu den vergangenen Jahren ausmachen?

Möhlmann: Die Mannschaft arbeitet insgesamt sehr gut gegen den Ball, schaltet schnell von Angriff auf Abwehr um. Wir arbeiten ständig hart daran, uns in allen Mannschaftsteilen zu verbessern. Dass wir vier gute Innenverteidiger haben und mit Christian Rahn noch einen erfahrenen Spieler für die linke Abwehrseite verpflichten konnten, macht uns stabiler.

bundesliga.de: Alle guten Dinge sind drei. Sie sind bereits zum dritten Mal Trainer der SpVgg Greuther Fürth. Worin bestand der Reiz, nochmal zurück zu kehren zu den Franken?

Möhlmann: Der Reiz besteht darin, die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortzuführen. Die SpVgg ist jetzt in der zwölften Saison in der 2. Bundesliga, mehr als die Hälfte der Zeit war ich hier doch recht erfolgreich als Trainer tätig. Ich kenne das Umfeld, der Verein hat sich auch in der letzten Saison weiter entwickelt. Es macht einfach Spaß, hier zu arbeiten und Teil dieser Entwicklung zu sein.

bundesliga.de: Was hat sich im Vergleich zu ihren vorherigen beiden Amtszeiten im und rund um den Verein verändert? Und wie haben Sie sich im Vergleich zu früher verändert?

Möhlmann: Unter den gegebenen Voraussetzungen wird hier immer wieder Höchstleistung gebracht. In allen Bereichen geht es höchst professionell zu. Die Fans auf der nun überdachten Nord-Tribüne unterstützen uns in jedem Spiel über 90 Minuten, mit "VIP-Nord" hat man innerhalb kürzester Zeit ein Schmuckkästchen gebaut, in dem auch die Verwaltung der Lizenzmannschaft ganz nah an uns gerückt ist. Wir haben nun einen großen und bestens ausgestatteten Fitness-Raum, in dem die Spieler individuell trainieren können und Reha-Maßnahmen durchgeführt werden. Ich persönlich, glaube ich, habe mich nicht verändert. Allerdings sagen manche, ich sei gelassener als früher.

bundesliga.de: Mindestens fünf Teams befinden sich im Aufstiegsrennen. Aber auch dahinter schielen einige Clubs noch nach oben. Wie eng geht es Ihrer Meinung nach im Vergleich zu früheren Jahren zu in der 2. Bundesliga?

Möhlmann: Es gibt in diesem Jahr - außer den selbsternannten - keinen absoluten Aufstiegsfavoriten. Kein Team marschiert bis jetzt uneinholbar vorne weg. Das Rennen wird wohl erst an den letzten Spieltagen entschieden. Und da wollen wir ein gehöriges Wörtchen mitreden.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz