Cottbus - Der Start in die Rückrunde ist holprig verlaufen für den FC Energie Cottbus. Die Lausitzer hatten nur acht Punkte aus sieben Spielen geholt. Auch im Halbfinale des DFB-Pokals schied der FCE beim MSV Duisburg aus. Kurz: Das Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz schien noch im Winterschlaf zu stecken.

Jedenfalls bis zum vergangenen Wochenende. Da haben die Brandenburger mit einem eindrucksvollen 5:0-Kantersieg beim SC Paderborn beweisen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist.

bundesliga.de hat mit Nils Petersen, der mit einem Hattrick und insgesamt vier Treffern der Mann des Spiels war, nicht nur über die Partie bei den Westfalen, sondern auch über die Pokal-Niederlage bei den "Zebras" gesprochen. Außerdem verrät der Stürmer, warum er vor wenigen Wochen seinen Vertrag beim FC Energie verlängert hat und was für eine Art von Mensch Trainer Claus-Dieter "Pele" Wollitz ist.

bundesliga.de: Herzlichen Glückwunsch zum Sieg in Paderborn und Ihrem "Viererpack"! Wie haben Sie die Partie erlebt?

Nils Petersen: Für uns war es vier Tage nach der bitteren Niederlage im Pokal-Halbfinale eine wahnsinnig wichtige Begegnung, ein Charaktertest für unsere junge Mannschaft. Den haben wir bestanden und die richtige Reaktion gezeigt. Dass ich dazu einen Beitrag leisten konnte, freut mich für das Team.

bundesliga.de: Vier Treffer in einer Partie erzielt man nicht alle Tage. Haben Sie schon vor dem Spiel irgendwie gemerkt: "Mensch, heute ist ein guter Tag!"?

Petersen: Ich nicht, aber offenbar mein Vater. Es ist inzwischen ein Ritual, dass wir vor dem Spiel miteinander telefonieren. Und er sagte mir am Samstag, dass er von einem Hattrick geträumt hat. Das habe ich natürlich für mich behalten. Weil es tatsächlich wahr wurde, konnte ich es dann hinterher schmunzelnd erzählen. Es war nicht das erste Mal, dass Träume meines Vaters Realität wurden.

bundesliga.de: Die Niederlage gegen Duisburg im Halbfinale des DFB-Pokals scheinen Sie und Ihr Team gut verkraftet zu haben.

Petersen: Es ist nicht leicht, solch eine Enttäuschung zu verarbeiten. Welch große Chance wir verpasst haben, werden wir womöglich erst am 21. Mai realisieren. Aber wir haben nicht die Köpfe hängen lassen und uns neue Ziele gesetzt. Jetzt wollen wir in der Liga noch mal angreifen. Das 5:0 in Paderborn war dazu hoffentlich der Startschuss.

bundesliga.de: Wie schmerzlich ist es denn, so kurz vorm Finale - und einem möglichen Pokal-Triumph - auszuscheiden?

Petersen: Das ist mit Worten kaum zu beschreiben. Nach der turbulenten Schlussphase in Duisburg waren wir alle leer, niedergeschlagen, traurig, wütend. Doch Trainer "Pele" Wollitz hat uns noch am gleichen Abend mit auf den Weg gegeben: Wir sind hingefallen, nun müssen wir wieder aufstehen. Das haben wir verinnerlicht.

bundesliga.de: Vor einem Monat, Anfang Februar, haben Sie Ihren Vertrag in Cottbus bis 2014 verlängert, trotz Angebote anderer - hochklassigerer - Vereine. Sie sagten, Cottbus sei "genau das Richtige" für Ihre Entwicklung. Wieso?

Petersen: Ich bin noch nicht am Ende meiner Entwicklung und meiner Möglichkeiten. Beim FC Energie genieße ich das Vertrauen von Trainer und Mannschaft, habe ein intaktes Umfeld und einen Trainer, der mir mit seiner offensiven Spielphilosophie entgegen kommt. Ich fühle mich hier wohl. Das ist die Basis für gute Leistungen.

bundesliga.de: Wie eng ist diese Entscheidung an Claus-Dieter Wollitz geknüpft?

Petersen: Der Trainer steht hinter mir, stellt mich auch nach mehreren Spielen ohne Torerfolg nicht in Frage und verkörpert Angriffsfußball. Als Stürmer profitiere ich von der Ausrichtung der Mannschaft.

bundesliga.de: Im TV erlebt man Ihren Trainer immer als ungemein emotional. Von anderen Quellen hört man jedoch, dass er eher ein ruhiger Mensch sein soll. Wie ist er so als Person?

Petersen: Er hat einen guten und engen Draht zu den Spielern, ist kein Diktator. Die Ansprachen sind ausgewogen, mal emotional, mal sehr sachlich. Also nicht ausrechenbar. Aber ein ruhiger Mensch? Diese Quelle ist wohl eher schlecht informiert …

bundesliga.de: Welche Philosophie hat er, den Fußball betreffend?

Petersen: Wir wollen offensiven, attraktiven Fußball spielen, an dem alle Spieler vom Torwart angefangen beteiligt sind. Und dennoch die Balance finden zwischen dem Erspielen von möglichst vielen Tormöglichkeiten und stabiler Defensive als Team. Mehr Details und Schwerpunkte unseres variablen Systems sollte ich wohl nicht verraten.

bundesliga.de: Von Ende Januar bis Mitte/Ende Februar hatte Energie in der Liga eine leichte Schwächephase und holte nur zwei von zwölf möglichen Punkten. Hat das den möglichen Aufstieg in die Bundesliga gekostet?

Petersen: Es war extrem ärgerlich, so erfolglos aus der kurzen Winterpause gekommen zu sein. Wir waren selten die schlechtere Mannschaft und standen dennoch mit zu wenigen Punkten da. Die Ausgangsposition hat sich dadurch nicht verbessert, klar. Aber noch ist die Saison nicht beendet.

bundesliga.de: Allerdings sind die Chancen bei nur vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ja noch nicht allzu schlecht, oder wie beurteilen Sie die Situation?

Petersen: Wenn wir unsere jüngste Mini-Serie mit sieben Punkten aus drei Spielen fortsetzen und in jedem Spiel unser Potenzial ausschöpfen, ist vielleicht noch etwas möglich.

bundesliga.de: Cottbus trifft noch auf Bochum, Duisburg, Aue und Augsburg. Sind das die Spiele, in denen für Energie der Aufstieg entschieden wird?

Petersen: Nein. In den Partien gegen Spitzenteams haben wir meist gut ausgesehen. Schwer taten wir uns vor allem gegen Teams aus der hinteren Tabellenhälfte, da haben wir im Saisonverlauf zu viel liegen lassen. Das muss anders werden.

bundesliga.de: Kommendes Wochenende kommt mit dem VfL Osnabrück ein Team in die Lausitz, das jeden Zähler gegen den Abstieg benötigt. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Petersen: Wir spielen zuhause und wollen natürlich gewinnen. Die Chancen dazu sind groß.

bundesliga.de: Worauf wird es gegen den VfL ankommen?

Petersen: Auf Geduld, Mut, Spielfreude, Entschlossenheit und das Publikum.

Die Fragen stellte Gregor Nentwig