München - Der SC Paderborn ist die große Überraschungsmannschaft der 2. Bundesliga. Seit 15 Spielen und damit länger als jede andere Profimannschaft in Deutschland sind die Ostwestfalen unbesiegt. Mit einem 3:2-Erfolg bei Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf verabschiedete sich der aktuelle Tabellen-Fünfte in die Winterpause.

Aus dem vermeintlichen Abstiegskandidaten ist längst ein Geheimtipp für den Aufstieg geworden. Paderborns Mannschaftskapitän Markus Krösche spricht bei bundesliga.de über das Aufstiegsrennen, Wechselgerüchte und das Erfolgsgeheimnis des SCP.

bundesliga.de: Die Fachleute staunen seit Wochen über den SC Paderborn und fragen sich: Was geht da ab?

Markus Krösche: Wir sind momentan in einer sehr guten Verfassung. Wir haben eine relativ gute Qualität in unserem Kader. Es ist ein kleiner, aber sehr gut besetzter Kader. Wir stehen nach den Leistungen der Hinrunde zurecht dort, wo wir stehen. Wir müssen alle in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen. Das haben wir sehr oft geschafft. Und dann ist es schwer, uns zu schlagen.

bundesliga.de: Paderborns nach St. Pauli gewechselter Ex-Trainer Andre Schubert hat den Verein auch deshalb verlassen, weil er meinte, dass er mit Kader den Klassenerhalt nicht garantieren könne. Wie konnte er sich so täuschen?

Krösche: Das war damals seine Einschätzung gewesen. Da kann man heute sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Aber dass die Mannschaft sich so gut entwickelt, war sicherlich nicht vorherzusehen. Andre Schubert meinte sicherlich die Breite des Kaders. Das Grundgerüst der Mannschaft steht seit vier Jahren. Es sind noch zehn Spieler dabei, die damals den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft haben, acht davon sind heute noch Stammspieler.

bundesliga.de: Was zeichnet den SC Paderborn aus?

Krösche: Wir besitzen eine gewachsene Mannschaft und haben in dieser Saison unser Spiel nach vorne weiterentwickelt. Wir hatten schon in den letzten Jahren eine gute Basis durch unsere gute Defensive. Jetzt spielen wir auch besser nach vorne. Das ist etwas, was der neue Trainer Roger Schmidt von uns verlangt. Das schnelle Umschalten funktioniert sehr gut.

bundesliga.de: Inzwischen ist die Truppe seit 15 Punktspielen ungeschlagen. Sie wissen ja bald gar nicht mehr, wie es ist, ein Spiel zu verlieren. Was muss passieren, damit Paderborn in Bedrängnis gerät?

Krösche: Probleme treten dann auf, wenn es uns nicht gelingt, an unsere Grenzen zu gehen. Dann wird es schwer für uns. Das haben wir in den Partien gegen Union Berlin und zweimal gegen Fürth gesehen.

bundesliga.de: Was ist das Erfolgsgeheimnis in dieser Saison?

Krösche: Die Mannschaft harmoniert sehr gut. Dazu haben wir individuell sehr gute Spieler wie unseren Freistoßschützen Alban Meha oder unseren Torjäger Nick Proschwitz, der in 19 Spielen schon zwölf Tore gemacht hat. Diese Spieler profitieren aber auch von der Mannschaft, die einen Riesenlauf hat.

bundesliga.de: Wie gehen Sie mit dem bislang so guten Abschneiden um?

Krösche: Wir genießen den Moment. Dafür arbeiten wir hart und investieren sehr viel. So eine erfolgreiche Phase hat man vielleicht ein oder zwei Mal in seiner Karriere. Es macht sehr viel Spaß. Aber wir wissen, dass es schnell wieder in die andere Richtung gehen kann.

bundesliga.de: Das Saisonziel lautete Klassenerhalt. Der ist schon nach 19 Spieltagen geschafft. Was für Ziele haben Sie sich für die restlichen 15 Partien gesetzt?

Krösche: Bei aller Bescheidenheit stellen wir fest, dass wir nach 19 Spielen 39 Punkte auf dem Konto haben. Da können wir unsere Ziele korrigieren. Das haben wir getan. Wir wollen jetzt unseren aktuellen 5. Platz verteidigen. Vielleicht ist noch ein Platz mehr drin. Aber vom Aufstieg reden wir nicht. Wir wissen, wo wir herkommen. Vereine wie Fortuna Düsseldorf, St. Pauli, Eintracht Frankfurt oder Greuther Fürth sind in der Breite sicherlich besser besetzt als wir. Die werden wahrscheinlich den längeren Atem haben.

bundesliga.de: Sie selbst spielen seit 2001 ununterbrochen in Paderborn. Warum sind Sie nie gewechselt?

Krösche: Für mich war es immer wichtig, dass ich mich wohl fühle. Ich schätze, was ich habe. Ich habe immer abgewogen, was ich hier habe und was ich woanders bekommen könnte. Ich hätte mich nicht deutlich verbessern können. Deshalb bin ich immer in Paderborn geblieben. Außerdem hat sich der Verein immer weiterentwickelt. Ich konnte parallel zum Fußball studieren, habe jetzt mein BWL-Studium an der Wirtschaftsuniversität erfolgreich abgeschlossen und jetzt auch beruflich eine Perspektive. Das war mir wichtig. Ich fühle mich wohl in Paderborn und habe in den elf Jahren hier alles richtig gemacht.

bundesliga.de: Wie groß ist die Fußballeuphorie in Paderborn?

Krösche: Wir haben in Paderborn schon eine kleine Euphorie entfacht. Wir sind die Nummer eins in Ostwestfalen, wir haben einen Zuschauerschnitt zwischen 8.500 und 9.000 Besuchern. Anders als zum Beispiel in einer Stadt wie Köln ist es in Paderborn etwas schwieriger, die Menschen zu euphorisieren. Aber wir haben das ganz gut geschafft.

bundesliga.de: Ein Nebeneffekt des Erfolges ist, dass Transfergerüchte um einzelne Spieler kursieren. Zuletzt hieß es, Torjäger Nick Proschwitz hätte Angebote vorliegen. War das ein Thema in der Mannschaft?

Krösche: Wenn eine Mannschaft Erfolg hat, werden die Spieler interessant. Begehrlichkeiten werden geweckt. Wenn der Nick so eine herausragende Leistung bringt und so viele Tore schießt, ist es klar, dass andere Clubs auf ihn aufmerksam werden. Damit muss der Verein leben und wir als Mannschaft. Aber das wird nicht unsere Leistung beeinträchtigen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski