Seit fünf Spielen ist der SC Freiburg unbesiegt. Von Beginn der Saison war der Club immer unter den besten drei Teams der 2. Bundesliga zu finden. Die Chance, auf einem Aufstiegsplatz zu überwintern, ist groß.

Doch am letzten Spieltag der Hinrunde wartet ein echter Brocken auf die Breisgauer. Es geht zum direkten Konkurrenten 1. FC Kaiserslautern (ab 20 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio).

Vor dem heutigen Topspiel äußert sich Heiko Butscher zum vergangenen Spiel des SCF und dem Duell gegen die "Roten Teufel". Außerdem spricht Freiburgs Kapitän über das Thema Aufstieg.

bundesliga.de: Heiko Butscher, Gratulation zum Heimsieg gegen RWO und Platz 2. Ein unerwartet hartes Stück Arbeit?

Heiko Butscher: Ja, es ist halt schwer, so ein Spiel zu bestreiten, wenn du klarer Favorit bist und jeder den Heimsieg schon einplant. Da bekommst du schon mit, wie im Umfeld nur noch darüber spekuliert wird, wie hoch der Sieg ausfällt. Das setzt sich vielleicht etwas im Kopf ab. Dann geht man ins Spiel und sieht, dass Oberhausen auch gut Fußball spielen kann, speziell in der ersten Halbzeit. Aber wir haben dann eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt.

bundesliga.de: Zu Beginn der Partie hatte man das Gefühl, dass Freiburg ein wenig die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im eigenen Spiel fehlt.

Butscher: Oberhausen hat uns wohl einfach auch ein bisschen überrascht, weil sie wirklich gut mitgespielt haben. Gegen solche Gegner musst du eben erst einmal 100 Prozent Einsatz bringen, Aggressivität und Leidenschaft. Dann kann man ab der 60. Minute auch davon profitieren. Und das haben wir in der 2. Halbzeit auch sehr gut gemacht.

bundesliga.de: Der SC hat das Spiel noch komplett gedreht. Wurde es in der Halbzeitpause auch mal laut in der Kabine?

Butscher: Es war schon so, dass wir in der Kabine einiges korrigieren mussten. Unser Trainer hat uns dann ermuntert weiter Power zu geben und nach vorne zu spielen. Wir haben dann auch weiter vorne angegriffen. In der Pause wird es dann natürlich schon mal lauter, aber das betrifft die ganze Mannschaft, nicht nur das Trainerteam. Da diskutiert man mal ein paar Minuten, dann kommt die Ansprache vom Trainer und danach schwört man sich noch mal ein. Wir haben ganz klar gesagt: ‚Jungs, das Spiel müssen wir drehen!  Denn wir haben ja eine gute Mannschaft und einen super Teamgeist. Wenn man so ein Spiel dann dreht, dann gibt das noch mal eine Extraportion Selbstvertrauen.

bundesliga.de: Wächst dennoch langsam der Aufstiegsdruck?

Butscher: Den Druck haben wir uns ja selbst auferlegt und den haben wir von Anfang an. Zu Beginn wussten wir eben noch nicht so genau, wo wir stehen. Aber jetzt sind wir oben dabei, wo die Musik spielt. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns jetzt eine gute Ausgangsposition verschaffen, auch mit Hinblick auf das Montagsspiel, um Kaiserslautern auf Abstand zu halten und dann selbstbewusst in die Rückrunde zu starten.

bundesliga.de: Da hilft es nicht wirklich, wenn auf der Haupttribüne gepfiffen wird, wie zuletzt gegen Oberhausen. Wie sehr nervt das? Robin Dutt hat sich ja die Finger in die Ohren gesteckt, um Euch auf dem Platz ein klares Signal zu geben.

Butscher: Ach, das darf uns nicht nerven. Wir haben eben noch eine relativ junge Mannschaft. Da sind es viele eben nicht gewohnt, dass in einem Spiel schon nach einer halben Stunde gepfiffen wird. Robin Dutt wollte wohl zeigen: ‚Hört nicht drauf, spielt Euer Spiel weiter, ich glaube an Euch.  Das war schon ganz wichtig. Aber die älteren Spieler wie ich, Banovic, Türker oder Idrissou können damit schon umgehen. Es ist dennoch umso bemerkenswerter, dass wir das Spiel noch gedreht haben.

bundesliga.de: Und es waren auch nur die Pfiffe einiger unverbesserlicher Ungeduldiger. Denn eigentlich habt Ihr es ja in recht kurzer Zeit geschafft, eine tief gespaltene Fangemeinschaft wieder zu mobilisieren. Der Support auf Nord ist beachtlich, die Unterstützung bei Auswärtsspielen erinnert an längst vergangene Bundesligazeiten.

Butscher: Ja, das stimmt. Ich war zum Beispiel gestern bei der Weihnachtsfeier eines Fanclubs und da wurde genau das Gleiche gesagt, was Sie gerade angesprochen haben. Die Zuschauer merken einfach, dass da eine Einheit auf dem Platz steht. Das ist uns sehr wichtig. Sie spüren, dass wir uns ein Ziel gesetzt haben, dass wir nach oben wollen. Natürlich gibt es spielerisch noch Potenzial nach oben. Und auch wenn es im Spiel mal nicht so läuft, dann holen wir die Punkte, denn der Kampf, die Leidenschaft und der Wille sind auf alle Fälle da. Und das sehen die Fans wohl auch. Es ist für uns natürlich sensationell, wenn du nach Frankfurt fährst und es sind 2.500 Freiburger dort.

bundesliga.de: Bei aller positiven Entwicklung ist eines geblieben: eine gewisse Abschlussschwäche. Ist das Offensivspiel nicht zu sehr von Mo Idrissou und Jonathan Jäger abhängig? Suat Türker sucht ja noch nach alter Klasse.

Butscher: Wir hatten kürzlich eine Besprechung und da hat der Trainer etwas gesagt, das mir noch gar nicht so aufgefallen ist. Vor dem Spiel gegen Oberhausen gab es bei uns zehn verschiedene Torschützen. Das ist natürlich auch eine Qualität, dass wir viele Spieler haben, die Tore machen können. Wir wissen, was wir an Johnny und Mo haben. Aber unsere vielen verschiedenen Torschützen machen uns natürlich auch unberechenbarer.

bundesliga.de: Freiburg könnte bis Februar auf einem Aufstiegsplatz überwintern. Wie wichtig ist so etwas tatsächlich für die Psyche eines Spielers?

Butscher: Für mich persönlich ist es sehr wichtig. Wenn Du über Silvester auf einem Aufstiegsplatz stehst, dann stehst Du da auch erst mal bis Februar. Wenn du dir das anschaust, dann weißt du, ‚Aha, du gehörst zu den Besten, du hast die Qualitäten.' Wir stehen da oben, und das zu Recht. Also mir gibt das Selbstvertrauen.

bundesliga.de: Am Montag besteht eventuell sogar die Chance, zum Jahreswechsel ganz oben zu stehen. Ihnen steht auf dem Betzenberg ein richtiger Kracher bevor. Freiburg ist der Angstgegner des FCK. In welchem Verhältnis stehen Respekt vor dem Gegner und Selbstvertrauen in das eigene Spiel?

Butscher: Respekt ist auf alle Fälle da. Kaiserslautern ist sehr heimstark und sie stehen auch zu Recht da oben. Aber unser Selbstvertrauen ist auch gewachsen. Wir sind seit fünf Spielen ungeschlagen. Die Tabellen-Konstellation ist sehr interessant, man kann sich ein kleines Polster schaffen, du kannst auf einem Aufstiegsplatz überwintern, du spielst vor einer großen Kulisse. Es wird einen Riesenkick geben, dort zu spielen und noch mal alles reinzulegen. Und beim letzten Spiel der Bundesliga und der 2. Bundesliga schauen am Montagabend wahrscheinlich auch einige zu. Wir wollen dem FCK wehtun und irgendwie drei Punkte mitnehmen. Wir spielen auf Sieg.

Das Gespräch führte Michael Wollny