Karlsruhe - In zehn Tagen empfängt der Karlsruher SC im Topspiel Fortuna Düsseldorf. Der Zweite spielt gegen den Sechsten. Mit einem Erfolg wollen die Badener ihre gute Ausgangsposition zementieren und weiter oben mitmischen.

Vor dem Hit gegen die beste Auswärtsmannschaft der 2. Bundesliga spricht KSC-Abwehrspieler Daniel Gordon im Interview mit bundesliga.de über die Stärke der Mannschaft, die Aufstiegsambitionen und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Daniel Gordon, der Karlsruher SC hat aus den letzten neun Spielen vor der Winterpause 20 Punkte geholt und hatte einen richtig guten Lauf. Kam die Unterbrechung ein bisschen ungelegen?

Daniel Gordon: Prinzipiell möchte man schon gerne sein Ding durchziehen, wenn es gerade gut läuft. Aber wir konnten uns jetzt alle erholen und etwas durchschnaufen. Es war eine anstrengende Serie. Die Pause kam nicht ungelegen. Wir konnten unsere Kräfte sammeln und wollen nun alles in die letzten 15 Spiele reinwerfen.

"Ich bin gierig nach Erfolg"

bundesliga.de: In der Vorbereitung hat der KSC offenbar einfach dort weitergemacht, wo er vor der Pause aufgehört hat und gegen gute Gegner überzeugende Spiele abgeliefert und gute Ergebnisse wie ein 5:0 gegen den SC Freiburg eingefahren. Wie aussagekräftig sind diese Resultate?

Gordon: Natürlich freuen wir uns, wenn wir unsere Testspiele erfolgreich bestreiten können. Aber wir wissen auch, dass sie gar nichts zählen, wenn wir in den Punktspielen keine Ergebnisse einfahren. Es stimmt aber: Unser Plan steht. Wichtig ist, dass wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren. Testspiele sagen nicht so viel aus. Die Gegner testen viel, sind kräftemäßig auf einem anderen Stand. Freiburg war in der Hinsicht schon am Limit. Auch das Spiel gegen Wolfsburg (das 1:2 verloren wurde, Anm. d. Red.) war ein schöner Test. Aber entscheidend ist, was wir im ersten Spiel gegen Düsseldorf zeigen. Wir wollen das Spiel gewinnen und unsere Serie fortsetzen. Aber das wird ein ganz anderes Spiel.

bundesliga.de: Wie macht sich der Neuzugang Ylli Sallahi, der auf dem linken Flügel das KSC-Spiel beleben soll?

Gordon: Er macht sich sehr gut. Er hat sich sofort gut eingefügt. Wir versuchen immer, die Neuzugänge schnell zu integrieren. Das hat geklappt. Er wurde bei den Bayern groß und lange beobachtet, er hat die spielerische Qualität. Technisch ist er sehr versiert. Sein toller linker Fuß wird uns noch viel Spaß machen.

bundesliga.de: Wie sehr kribbelt es bei Ihnen persönlich vor dem Spiel gegen Düsseldorf?

Gordon: Man merkt langsam, dass es Richtung Auftakt geht. Wir werden jetzt noch im Training an der Spritzigkeit arbeiten. Ich freue mich auf den Start. Ich war zuletzt sehr zufrieden mit meinen Leistungen und will daran anknüpfen. Ich bin gierig nach Erfolg und hoffe, dass wir unsere Position halten können.

"Fühlen uns in der Position sehr wohl"

bundesliga.de: Der KSC überwinterte auf Platz 2, auf einem Aufstiegsplatz. Die Mannschaft hat wie schon im Vorjahr überrascht. Was macht die Stärke der Truppe gegenüber finanzkräftigeren Vereinen aus?

Gordon: Unser Trumpf ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Dazu gehören nicht nur die einzelnen Spieler, sondern auch das Trainer- und Funktionsteam. Wir sind eine verschworene Einheit und wissen, dass wir täglich über viel Arbeit zum Erfolg kommen. Unsere defensive Kompaktheit steht im Vordergrund. Außerdem versuchen wir, uns stetig zu verbessern, etwa im Spiel nach vorne. Wir wollen unsere Torchancen besser herausspielen und nutzen. Wenn wir das verbessern können, ist der KSC auf einem sehr guten Weg, um weiter oben mitzumischen.

bundesliga.de: Der Manager Jens Todt hat als Devise ausgegeben: "Alles kann, nichts muss." Sehen Sie das auch so?

Gordon: Selbstverständlich. Wir fühlen uns in der momentanen Position, die wir uns erarbeitet und erspielt haben, sehr wohl. Wir verspüren überhaupt keinen Druck. Wir müssen nichts erzwingen und gehen unseren Weg weiter, so wie wir es in der Vergangenheit auch getan haben. Am Ende werden wir dann sehen, was dabei herausspringt.

bundesliga.de: Nach dem Testspiel in Wolfsburg kritisierte der Trainer ein wenig den fehlenden Mut im Spiel nach vorne. Wird es vor allem im Schlussspurt darauf ankommen, seinen Stil durchzuziehen und im entscheidenden Moment auch mutig zu sein?

Gordon: So weit möchte ich gar nicht vorausschauen. Schon im Spiel gegen Düsseldorf und den weiteren Partien im Februar und März wird sich zeigen, wohin die Richtung geht. Sicherlich muss man dann im Endspurt noch einmal alles geben, um oben mitmischen zu können. Wichtig ist aber erst einmal das nächste Spiel.

"Wir können ein Ausrufezeichen setzen"

bundesliga.de: Bei einer Niederlage gegen die Fortuna würde Düsseldorf am KSC vorbeiziehen. Wie schwer wird das Duell gegen die beste Auswärtsmannschaft der 2. Bundesliga?

Gordon: Das ist schon eine Hausnummer. Ich habe ihr Testspiel gegen Dortmund verfolgt. Auf uns wartet eine ganz harte Nuss. In dem Spiel gegen Dortmund haben sie mit einer Fünferkette gespielt. Es ist schwer, sich auf Fortuna einzustellen. Aber diese Spiele sind unser Maßstab, an denen werden wir gemessen. Für solche Spiele ist man Fußballer geworden. Wir können gegen Düsseldorf bereits ein Ausrufezeichen setzen. Das wäre gut für unser Selbstvertrauen und eine Ansage an die Konkurrenz.

bundesliga.de: Sie haben Borussia Dortmund erwähnt, den Verein, bei dem Sie früher selbst lange in der Jugend und später auch bei den Profis gespielt haben. Wie intensiv verfolgen Sie den BVB und wie groß sind Ihre Sorgen derzeit?

Gordon: Ich bin ein Dortmunder Junge und ab und zu auch in der Heimat. Natürlich werfe ich einen Blick auf die Borussia, deren Spiele in den letzten Jahren immer schön anzusehen waren. Es ist schade, dass sie derzeit eine solche Phase haben. Aber die gibt es im Fußball. Es ist schwierig, sich aus dem Sumpf wieder herauszuziehen, wenn man sich einmal darin befindet. Aber die Qualität wird sich langfristig immer durchsetzen. Deswegen wird es nicht von langer Dauer sein, dass sie unten drinstecken.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski