Belek - Seit Jahren spielt die SpVgg Greuther Fürth in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga mit. Zum Aufstieg hat es bislang aber noch nicht gereicht - in den vergangenen zehn Spielzeiten landeten die "Kleeblätter" alleine sieben Mal auf Platz 5.

Bernd Nehrig, der zu den dienstältesten Spielern bei den Mittelfranken gehört, findet diese Situation generell nicht schlimm, er blickt in dieser Saison aber weiter nach oben. "So wie die Hinrunde verlaufen ist müssen wir einfach den Anspruch haben und darauf drängen, dass wir ganz oben stehen", erklärte der 24-Jährige im bundesliga.de-Interview.

bundesliga.de: Herr Nehrig, wie fällt Ihr Fazit zum Trainingslager in Belek aus?

Bernd Nehrig: Wir haben sehr intensiv und sehr hart trainiert. Das Testspiel gegen Bochum hat gezeigt, dass wir zu den Spitzenmannschaften in der 2. Bundesliga zählen. Das 1:3 gegen den VfB Stuttgart hat uns trotz der Niederlage sehr viel gebracht - da haben wir viel dazu gelernt. Insgesamt können wir mit den Tagen in Belek sehr zufrieden sein.

bundesliga.de: Gegen Stuttgart brach sich Max Grün das Schienbein. Ein Wermutstropfen.

Nehrig: Das ist für uns natürlich ein schwerer Schlag. Zumal die Aktion in einem Testspiel total überflüssig war. Hoffentlich wird Max schnell wieder fit.

bundesliga.de: Mit 30 Punkten ist Fürth nach der Hinrunde wieder einmal vorne mit dabei. Am Ende sprang dann meistens "nur" Rang 5 heraus. Haben Sie Bedenken, dass es auch in dieser Saison wieder so laufen könnte?

Nehrig: Wir Spieler denken da nicht dran. Man darf nicht vergessen, dass Fürth im Vergleich zu anderen Teams nur geringe Mittel zur Verfügung hat. Die Hälfte des Kaders ist unter 22 Jahre alt. Und dass wir in fast jeder Saison oben mit dabei sind, das ist in meinen Augen aller Ehren wert. Wir sind ein Ausbildungsverein und da kommen bei Erfolg natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Clubs auf.

bundesliga.de: Ist die Mannschaft stärker oder schwächer als in den Jahren zuvor?

Nehrig: Die mannschaftliche Geschlossenheit und der Zusammenhalt sind noch ein bisschen größer als damals. In der Breite ist die Qualität des Kaders in meinen Augen auch höher. Und wir arbeiten alle gemeinsam daran, mit Fürth erfolgreichen Fußball zu spielen. Das sieht man Woche für Woche auf dem Platz.

bundesliga.de: Dem jungen Kader fehlt aber sicherlich Erfahrung?

Nehrig: Ja, aber das ist ganz klar. Viele Spieler bestreiten gerade ihre erste oder zweite Profi-Saison. Da mangelt es natürlich an der nötigen Erfahrung. Wir haben aber dennoch eine tolle Hinrunde gespielt - kein Team war uns wirklich überlegen.

bundesliga.de: Was muss die Spielvereinigung in der Rückrunde noch verbessern?

Nehrig: Wir müssen in den entscheidenden Situationen vor dem Tor die Ruhe bewahren, den Kopf hoch nehmen und den richtigen Pass spielen. Dann werden wir auch noch erfolgreicher sein.

bundesliga.de: Fürth hat nach einem Rückstand noch keinen Punkt geholt - woran liegt das?

Nehrig: In den Spielen haben Nuancen über Sieg und Niederlage entschieden. Da wurden Nachlässigkeiten sofort bestraft. Aber wenn wir die Rückrunde insgesamt wieder so konzentriert angehen, dann ist auch eine Niederlage mal zu verkraften. Denn in der 2. Bundesliga wird keine Mannschaft einen Durchmarsch schaffen. Dafür ist die Liga in der Spitze zu ausgeglichen.

bundesliga.de: Aber dennoch haben Sie von den Teams, die in der Tabelle vor Ihnen stehen, nur gegen Augsburg einen Punkt geholt. Ansonsten gab es nur Niederlagen. Könnte das den Ausschlag im Kampf um den Aufstieg ausmachen?

Nehrig: Vielleicht fehlte uns in den Spielen die Überzeugung, dass wir mit uns mit den Teams auf Augenhöhe messen. Für die jungen Spieler ist es natürlich auch schon ein wenig einschüchternd, in Berlin vor 40.000 Zuschauern zu spielen - das ist ja für die auch Neuland. Da passiert es schnell mal, dass man in Rückstand gerät. Aber in dieser Liga muss man gegen jeden Gegner mit 100 Prozent bei der Sache sein. Egal ob es gegen den 17. oder den Spitzenreiter geht.

bundesliga.de: Wären Sie am Ende mit einem erneuten Platz 5 zufrieden?

Nehrig: Mit Platz 5 wäre ich natürlich nicht zufrieden. So wie die Hinrunde verlaufen ist, müssen wir einfach den Anspruch haben und darauf drängen, dass wir ganz oben stehen. Und das ist unser Ziel.

Das Gespräch führte Michael Reis