Cottbus - Rudi Bommer ist wieder da. Drei Jahre nach seinem letzten Engagement in der 2. Bundesliga beim MSV Duisburg ist der 54-Jährige nun seit Jahresbeginn Trainer beim FC Energie Cottbus. Wie seine Pläne mit den Lausitzern aussehen, berichtete er bundesliga.de im exklusiven Gespräch.

bundesliga.de: Herr Bommer, Sie sind seit Jahresbeginn neuer Trainer bei Energie Cottbus und haben die Truppe nun vier Wochen trainiert. Wie ist Ihr Eindruck von Ihrer Mannschaft und dem ganzen Verein?

Rudi Bommer: Mir hatten im Vorfeld meiner Zusage viele Leute zum Engagement beim FC Energie Cottbus geraten und gratuliert. Die positive Wahrnehmung, die der FCE außerhalb der Lausitz wohl sogar stärker genießt als direkt in der Stadt, hat sich bestätigt. Der Verein ist seriös aufgestellt, arbeitet professionell und ist dennoch familiär. Und die Mannschaft hat Qualität. Gemeinsam wollen wir nun dafür sorgen, dass diese auf dem Platz sichtbar ist und sich in Resultaten niederschlägt.

bundesliga.de: Energie ist sehr gut in die Saison gestartet, hat dann aber auch stark abgebaut und ist ins Mittelfeld abgerutscht. Wie wollen Sie die Mannschaft wieder zurück in die Erfolgsspur bringen?

Bommer: Dafür gibt es kein Patentrezept und wir werden auch den Fußball nicht neu erfinden. Wichtig sind in dieser Phase einige grundsätzliche Parameter. Das Team schluckte zu viele Gegentore und muss defensiv stabiler werden. Die erzielten Treffer waren auch nicht gerade Liga-Spitze. An beiden Aspekten haben wir intensiv gefeilt und taktisch an Stellschrauben gedreht. Am wichtigsten ist jedoch der Truppe das Selbstwertgefühl zu vermitteln, das vor allem im eigenen Stadion für erfolgreiche Spiele unabdingbar ist.

bundesliga.de: Was ist das Reizvolle an der Aufgabe?

Bommer: Der FC Energie hat Potential und Ambitionen. Mit kontinuierlicher Arbeit auf hohem Niveau gehört der Verein seit 14 Jahren ununterbrochen zum Profifußball der beiden höchsten deutschen Ligen. Zudem ist der FCE schuldenfrei, hat nie Lizenzschwierigkeiten und nun sogar das Stadion erworben. Das ist eine Basis, die nicht sehr viele Zweitligisten haben. Nun will ich meinen Beitrag leisten, künftig wieder in der Spitzengruppe anzuklopfen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

bundesliga.de: Der Verein hat sich von Spielern wie Mustafa Kucukovic und Charles Nwaogu getrennt. Eigentlich freut sich doch ein Trainer über so viele Alternativen im Kader wie möglich. Warum wurden die Verträge aufgelöst?

Bommer: Ich bevorzuge es, mit einem schlagkräftigen Kader von etwa 24 Spielern zu arbeiten. In der Winterpause haben wir den Kader gemeinsam deutlich reduziert. Den Spielern, die uns nun verlassen haben, sagten wir offen und ehrlich: Es reicht derzeit nicht.

bundesliga.de: Wie gut gerüstet ist Energie vor dem Rückrundenstart?

Bommer: Das werden die ersten Meisterschaftsspiele zeigen. Was nützt eine optimale Vorbereitung, wenn die ersten Spiele verloren werden? Oder umgekehrt. Wir haben auf jeden Fall sehr intensiv gearbeitet, mit der Bereitschaft der Mannschaft und den Resultaten des Trainings bin ich zufrieden. Doch jetzt gilt es auf dem Platz.

bundesliga.de: Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Rückrunde gesteckt?

Bommer: In erster Linie wollen wir zuhause wieder eine Macht werden. Das Stadion der Freundschaft ist unser "Wohnzimmer". Hier müssen die Trauben für jeden Gegner extrem hoch hängen. Tabellarisch gilt es, den Abstand nach unten im Auge zu behalten. Ansonsten sind wir bestrebt, als Team stabil und konstant aufzutreten mit der nötigen Mischung aus disziplinierter Konzentration und Spaß am Spiel nach vorn.

bundesliga.de: Im Angriff spielte Dimitar Rangelov oft den Alleinunterhalter. Mit seinen acht Toren ist er bester Torschütze des FC Energie. Wie abhängig ist der Verein von seinen Toren?

Bommer: Ohne seine Treffer wäre die Ausgangssituation zweifellos schwieriger. Und natürlich hoffen wir, dass Rangelov gesund bleibt und trifft. Um weniger ausrechenbar zu sein brauchen wir aber Torgefahr aus allen Mannschaftsteilen. Dazu gehört Mut zum Abschluss.

bundesliga.de: Wie weit sind die weiteren Stürmer Dennis Sörensen oder Martin Kobylanski. Ist ein System mit zwei Spitzen denkbar?

Bommer: Denkbar ist alles. Die Diskussion um zwei Spitzen ist aber doch nur theoretischer Natur. Was nützen mir zwei Stürmer, die sich gegenseitig auf den Füßen stehen. Wichtig ist, dass die Räume belaufen werden und besetzt sind. Jeder hat Aufgaben, die müssen erfüllt werden. Ob das dann zwei Spitzen sind oder ein Drumherumspieler oder ein offensiver Mittelfeldspieler hinter der Spitze - das sind nur Bezeichnungen, die auf dem Spielfeld völlig unerheblich sind. Dennis Sörensen und Martin Kobylanski haben Zug zum Tor. Deshalb sind sie wichtig für uns.

bundesliga.de: Erster Gegner des FC Energie im neuen Jahr ist 1860 München, bei dem Sie selbst einmal Trainer waren. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrem Engagement bei den "Löwen"?

Bommer: Gute und weniger schöne, wie mit jeder anderen Station auch.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie den Gegner ein, was ist für Energie drin?

Bommer: 1860 ist speziell zuhause stark mit vielen spielerisch guten Momenten und beweglichen Spielern. Unser Anspruch muss es trotzdem sein, bei jedem Gegner bestehen und gewinnen zu können.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski