Sebastian Schuppan war diese Saison der Dauerbrenner bei Dynamo: Kein anderer Feldspieler stand während der regulären Saison öfter in der Startelf als der Vize-Kapitän der SGD. Nach seiner Gelbsperre im Relegations-Hinspiel kam der Linksverteidiger beim erlösenden 2:0 im Rückspiel überraschend nur zu einem Kurzeinsatz in der Schlussphase.

Trotzdem zeigte der 26-Jährige erneut, dass er auf und neben dem Platz einer der Führungsspieler bei Dynamo ist. Während einige Teamkollegen schon das erste Bier in der Hand hatten, suchte der erfahrene Linksfuß nach Gründen für die, trotz Klassenerhalts, schlecht verkaufene Saison der Dresdner. Mit bundesliga.de sprach Schuppan auch über den immensen Druck, den die Relegation für die Spieler bedeutet hat.

bundesliga.de: Herr Schuppan, Gratulation zum Klassenerhalt! Was geht jetzt in Ihnen vor?

Sebastian Schuppan: Es kribbelt am ganzen Körper. Man sieht in die Gesichter der Leute, die sind überglücklich. Und man weiß, dass sie sich nichts sehnlicher gewünscht haben, als dass Dynamo diese Attraktion in der 2. Liga bleibt. Dass wir es geschafft haben, ist unglaublich - aber hochverdient.

bundesliga.de: Wünschen Sie sich jetzt öfter Osnabrück als Gegner, nachdem es schon 2011 gegen den VfL so gut geklappt hat?

Schuppan: Wenn das bdeutet, dass wir immer gegen Osnabrück gewinnen, von mir aus. Aber bitte nicht in der Relegation. Wenn der VfL nächste Saison aufsteigt, können wir gerne in der 2. Liga wieder gegeneinander spielen. Aber Relegation muss nicht sein. Das ist ja für alle eine riesige Nervensache. Das ist brutal. In unserem Fall müssen wir zwar froh sein, dass es sie gibt, weil wir 16. waren - wir wären abgestiegen. Aber bei allem Jubel: Da muss man auch mal ein bisschen in sich gehen und feststellen, wie bitter das für Osnabrück ist. Die waren in der Saison Dritter mit über 70 Punkten - die hätten es eigentlich verdient aufzusteigen. Es konnte diesmal nur einen gegeben und das waren wir. Aber man denkt schon ein bisschen an die Jungs, denn das ist wirklich hart.

bundesliga.de: Was für Lehren muss man aus einer solchen Saison ziehen, damit die SGD in der nächsten Spielzeit nicht wieder unten drinsteht?

Schuppan: Man hat gegen Osnabrück wieder gesehen, was uns in der ganzen Saison gefehlt hat: Wir haben uns viele Chancen heraus gespielt und hätten viel früher schon den Sack zumachen müssen. Uns fehlte einfach einer, der in der Saison 10, 15 Tore macht. Die Verletzung von Mickael Poté war da natürlich bitter. Aber ich denke, wir haben das trotzdem super kompensiert. Ich glaube nicht, dass das viele erwartet hätten, wenn der Topstürmer in der entscheidenden Saisonphase ausfällt. Wir hatten die Qualität auch diese Saison, den Klassenerhalt schon während der regulären Saison perfekt zu machen. Das ist uns leider nicht gelungen. Jetzt muss ein Prozess stattfinden, in dem wir uns weiterentwickeln und endlich an unserer Auswärtsschwäche arbeiten. Das killt dich natürlich, wenn du auswärts nur einmal gewinnst. Wir können es auch auswärts, wir haben oft genug auf fremdem Platz gut gespielt. Aber da müssen wir einfach auch die Kaltschnäuzigkeit bewahren, das eine oder andere Tor machen und dann ruhiger spielen.

bundesliga.de: Was war außer dem Ausfall von Poté noch aussschlaggebend?

Schuppan: In der Hinrunde ist uns auch die Heimstärke abhanden gekommen. Da haben wir nur zwölf Punkte geholt, das war eindeutig zu wenig. In der Rückserie haben wir gezeigt, dasss wir es können. Seit Februar haben wir außer gegen Köln jedes Spiel gewonnen. Wir hoffen, dass Mickael Poté schnell wieder fit wird und vielleicht noch ein guter Stürmer dazukommt. Ansonsten sind wir gut aufgestellt. Viele Leute haben weiter Vertrag, wir bleiben zusammen. Das muss auch das Ziel sein - und nicht jede Saison zehn neue Leute zu holen und eine neue Mannschaft aufzustellen. Ich denke, das Grundgerüst ist da und die Qualität auch. Wir müssen das jetzt einfach weiterentwickeln, so, wie das andere Mannschaften auch gemacht haben, die sich kontinuierlich weiter oben festgebissen haben. Dann ist vieles möglich, denn die Atmosphäre hier ist ein Unikat in der 2. Liga.

bundesliga.de: Hat sich also in der Rückschau der Trainerwechsel von Ralf Loose zu Peter Pacult bezahlt gemacht?

Schuppan: Na klar, wenn man das Resultat sieht, dann muss man das konstatieren. Wir haben zu unserer Heimstärke zurückgefunden. Die Auswärtsschwäche haben wir zwar noch nicht abgelegt. Aber wir haben es jetzt erstmal geschafft.

bundesliga.de: Also steht die Mannschaft hinter Pacult?

Schuppan: Ja, sicher, was wären wir denn für eine Mannschaft, wenn wir jetzt sagen, wir wollen den Trainer nicht mehr. Aber das ist nicht unsere Entscheidung. Wir werden hier fürs Fußballspielen bezahlt. Ich mache mir da auch gar keine Gedanken. Ich gehe jetzt in Urlaub, und da denke ich gar nicht an Fußball. Danach komme ich wieder mit frischem Elan, und dann geht's los!

Das Gespräch führte André Anchuelo