Im Jahr 2004 kam Tommy Bechmann von Esbjerg FB aus der dänischen Liga nach Deutschland. Dort spielte er für den VfL Bochum bis Sommer 2008, erzielte in 84 Einsätzen in Bundesliga und 2. Bundesliga 13 Tore. Zu Beginn der aktuellen Saison sicherte sich der Sport-Club Freiburg die Dienste des 27-Jährigen.

2006 wurde der sympathische Däne von chronischen Kniebeschwerden zurückgeworfen, fiel lange Zeit aus. Im Gespräch mit bundesliga.de spricht Bechmann neben dem aktuellen Höhenflug des SC Freiburg auch über seine lange Leidenszeit und den viel gelobten Teamgeist in der Freiburger Mannschaft.

bundesliga.de: Tommy Bechmann, wie lebt es sich in der Woche auf dem weichen Sechs-Punkte-Polster an der Tabellenspitze?

Tommy Bechmann: Sehr gut. Aber wir wissen schon auch, dass wir noch ein paar Siege brauchen, um endlich sagen zu können, dass wir aufgestiegen sind. Wir bleiben einfach auf dem Boden und arbeiten hart weiter.

bundesliga.de: Außer gegen Kaiserslautern und in Fürth hat sich Freiburg gegen mögliche Aufstiegskonkurrenten schwer getan. Wie wertvoll war deshalb der Sieg gegen Aachen für das Selbstbewusstsein?

Bechmann: Der war natürlich sehr wichtig. Wir hatten fünf Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenregion oder dem Mittelfeld. Deshalb war es für uns wichtig zu zeigen, dass wir auch gegen die oberen Mannschaften gewinnen können. Hoffentlich klappt das dann auch wieder am Sonntag.

bundesliga.de: Da muss Freiburg beim MSV Duisburg ran. Im Anschluss warten dann auch noch Nürnberg und Mainz. Sind das die Wochen der Entscheidung, eventuell auch der Vorentscheidung?

Bechmann: Tja, das kann natürlich sein, wenn alles gut läuft. Aber es ist schwer vorherzusagen. Es sind noch elf Spiele und in den nächsten vier haben wir drei Spitzenspiele. Wenn wir da gut durchkommen, dann sieht es natürlich nicht schlecht aus.

bundesliga.de: Der SC Freiburg war in der Vergangenheit dafür bekannt, dass er ab und an in Schönheit gestorben ist. Brotlose Kunst. Der SC spielt immer noch einen guten Ball, aber man hat das Gefühl, dass Ihr Spiel jetzt nüchterner, schnörkelloser und dadurch effektiver geworden ist.

Bechmann: Ja, ich sehe es auch so. Wir können beides: schön spielen und gleichzeitig kämpfen. Wir haben da eine gute Mischung gefunden. Es ist ja klar, dass man nur mit schönem Fußball nicht zwangsläufig aufsteigt. Aber wenn man zusätzlich kämpft und viel läuft, dann hat man diese gute Mischung.

bundesliga.de: Freiburg stellt mit einem Altersdurchschnitt von 24,5 Jahren das jüngste Team der 2. Bundesliga. Da ist so ein ausgefuchstes Auftreten doch keine Selbstverständlichkeit.

Bechmann: Nein, aber Freiburg ist ja schon seit langem für seine gute Jugendausbildung bekannt. Und nun sieht man eben das Ergebnis. Man muss nicht immer viel Geld für neue Spieler ausgeben, sondern kann auch welche von den Junioren hochziehen, die dann sofort für die Mannschaft wertvoll werden.

bundesliga.de: Freiburg spielt sehr modern: Defensivspieler wie Heiko Butscher, Daniel Schwaab oder Ömer Toprak haben offensive Qualitäten. Offensivspieler wie Sie, Mo Idrissou oder Yacine Abdessadki arbeiten auch bei Bedarf viel nach hinten. Ist diese Transparenz zwischen den taktischen Positionen eine der Schlüsselqualitäten?

Bechmann: Ja, wir arbeiten alle nach hinten und alle arbeiten auch nach vorne. Es ist sehr wichtig, dass man elf Offensivspieler hat und auch elf Defensivspieler. Wir setzen das momentan sehr gut um. Jeder läuft für den anderen und hilft seinen Mitspielern in Unterzahl.

bundesliga.de: Sie haben eine lange Leidenszeit mit Ihrer Knieverletzung hinter sich, sind schon beim VfL Bochum lange ausgefallen. War das der bisherige Tiefpunkt in Ihrer Laufbahn?

Bechmann: Ja, auf alle Fälle. Verletzungen sind für einen Fußballer das Schlimmste. Bei mir dauerte das damals auch alles ein wenig länger als geplant. Es gab viele Folgeverletzungen, die man eventuell hätte vermeiden können. Aber jetzt bin ich gesund und trainiere jeden Tag ohne Schmerzen. Ich kann mich nur freuen, dass es zurzeit so gut geht.

bundesliga.de: Wie schafft man es, in so einer Situation nicht den Mut zu verlieren?

Bechmann: Man hat ja immer noch die Hoffnung und den Glauben, dass es bald wieder geht. Folgeverletzungen passieren ja immer mal. Mir war klar, dass ich danach Probleme bekommen würde - allerdings nicht so, wie ich sie dann tatsächlich auch bekommen habe.

bundesliga.de: Man weiß ja, was sie als Kreativspieler auf dem Platz können und war deshalb etwas enttäuscht, als es zunächst nicht so lief. Sie hatten beim SCF Startschwierigkeiten.

Bechmann: Ja, das ist kein Geheimnis. Hier wird ja auch anders Fußball gespielt. Man sieht deutlich, wie viel Wert auf das Passspiel gelegt wird. Man ist immer in Bewegung, muss sich ständig anbieten. Wenn man bislang anders Fußball gespielt hat, dann muss man sich erst mal umgewöhnen und auch die Laufwege zunächst kennen lernen. Jetzt haben wir alle das aber gut in den Griff bekommen und profitieren davon.

bundesliga.de: Wie man nicht nur bei Ihrem 2:1-Siegtreffer gegen Aachen miterleben konnte. Sind Sie schon wieder bei 100 Prozent?

Bechmann: Ja, so sehe ich es. Ich habe in der Vorbereitung keine Verletzungen gehabt und bin nun auch bei der Fitness gut dabei.

bundesliga.de: Wie nützlich war es, dass Sie mit Heiko Butscher beim SC bereits auf einen bekannten Kollegen aus gemeinsamer Bochumer Zeit getroffen sind?

Bechmann: Es ist natürlich immer gut, wenn man bei einem neuen Verein schon jemanden kennt, der einen in den Tagesrhythmus und in den Trainingsablauf einführen kann.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt nach Bochum?

Bechmann: Ja, ich war gegen Cottbus im Stadion und habe die alten Teamkollegen besucht. Ich versuche schon, den Kontakt aufrecht zu halten.

bundesliga.de: Was war nach Ihrem Wechsel von Bochum nach Freiburg die größte Umstellung?

Bechmann: Die Art und Weise wie hier Fußball gespielt wird, mit etwas mehr Risiko und mehr Passspiel. In Bochum ging es auch im Training mehr ums Laufen und Kämpfen. Hier machen wir sehr viele Passübungen.

bundesliga.de: Der Schwerpunkt auf Technik kommt Ihnen aber entgegen.

Bechmann: Auf jeden Fall.

bundesliga.de: Kapitän Heiko Butscher meinte bereits in der vergangenen Saison, dass die Stimmung im Team hervorragend sei. Und tatsächlich hat man manchmal das Gefühl, dass da nicht nur Arbeitskollegen sondern fast schon Kumpels auf dem Feld stehen.

Bechmann: Ja, das kann man so sehen. Wir haben eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft. Und es ist ja auch wichtig, dass man sich nicht nur als gute Kollegen sieht, sondern auch als gute Freunde, auf die man sich voll verlassen kann. Das gilt vor allem in Spielen oder Spielsituationen, in denen es für einen selbst nicht so gut läuft. Das klappt nicht, wenn man sich nur als gute Kollegen sieht, sondern auch als einigermaßen gute Freunde.

bundesliga.de: Wie pflegen Sie diese gute Stimmung?

Bechmann: Ich denke, dass Manager und Trainerteam die Spieler nicht nur nach fußballerischen Qualitäten ausgesucht haben, sondern auch nach menschlichen. Da haben sie ein gutes Gespür.

bundesliga.de: Steigt Freiburg auf?

Bechmann: Wenn es so weitergeht, dann ja.

bundesliga.de: Und was machen Sie am 24. Mai?

Bechmann: Ist das der letzte Spieltag?

bundesliga.de: Exakt, Euer Spiel gegen Kaiserslautern.

Bechmann: Dann hoffe ich, dass wir danach auf dem Freiburger Rathausbalkon feiern werden.

Das Gespräch führte Michael Wollny