Der Aufsteiger Eintracht Braunschweig ist stark in die neue Saison gestartet und hat sich im oberen Tabellendrittel der 2. Bundesliga eingenistet.

Vor dem Nordderby gegen den FC St. Pauli am kommenden Sonntag sprach bundesliga.de mit dem Eintracht-Kapitän Dennis Kruppke (31), dem in den ersten fünf Spielen bereits drei Treffer gelangen.

bundesliga.de: Die ersten fünf Spieltage sind gespielt. Inwieweit haben sich Ihre Erwartungen an die 2. Bundesliga erfüllt?

Dennis Kruppke: Wenn uns jemand vorher gesagt hätte, dass wir in den ersten fünf Spielen 10 Punkte holen, hätten wir das dankend angenommen. Obwohl es nach dem Spielverlauf unseres letzten Spiels gegen Aue (1:1, die Red.) auch 12 Punkte hätten sein können. Aber so überraschend kommen die Erfolge auch nicht. Wir arbeiten hart und machen da weiter, wo wir in der 3. Liga aufgehört haben. Wir haben eine intakte Truppe, die viel Spaß miteinander hat und haben dank der Erfolge der ersten Wochen auch viel Selbstvertrauen und eine breite Brust. Das spiegelt sich im Moment in der Tabelle wider.

bundesliga.de: Was hat die Eintracht bislang richtig gut gemacht?

Kruppke: Wir sind in den letzten Jahren vor allem als Mannschaft aufgetreten. Wir haben unsere Erfolge über unseren außergewöhnlichen Teamgeist erzielt. Genauso treten wir auch auf. Wir stehen kompakt, unser Umschaltspiel ist sehr gefährlich. Wir sind auch individuell stark besetzt. Es ist nicht leicht, uns auszurechnen. Es passt alles zusammen.

bundesliga.de: Woran muss noch gearbeitet werden?

Kruppke: Es gibt noch viele Dinge, die wir verbessern können. Das haben die Spiele gegen Mannschaften wie Bayern München oder Eintracht Frankfurt gezeigt (die beide 0:3 verloren gingen, die Red.), die eine Riesenqualität besitzen. Wichtig ist, dass wir kompakt stehen, dass einer weiß, was der andere macht. Wir müssen konzentriert weiterarbeiten.

bundesliga.de: Wie nehmen Sie die Stimmung rund um die Eintracht in Braunschweig wahr?

Kruppke: Dass Braunschweig eine fuballverrückte Stadt ist, wissen wir ja schon lange. Das ist nicht erst seit einem Monat so, sondern gilt für die Vergangenheit und vor allem die letzten zwei Jahre. Es herrscht eine Rieseneuphorie. Und wir genießen das. Am letzten Spieltag hatten wir gegen Aue 19.400 Zuschauer, und das war Minusrekord in dieser Saison. Das ist schon atemberaubend.

bundesliga.de: Muss die Euphorie eher gedämpft werden? Oder saugt man das alles in sich auf und schöpft Kraft daraus?

Kruppke: Die Euphorie muss nicht gedämpft werden. Wir können das alles realistisch einschätzen und wissen um unsere Ziele. Es geht für uns in erster Linie um den Klassenerhalt und darum, auch im nächsten Jahr in der 2. Bundesliga zu spielen. Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen die 40 Punkte so schnell wie möglich voll haben. Wenn wir das geschafft haben, können wir die Ziele eventuell noch verändern.

bundesliga.de: Bei Ihnen persönlich läuft es auch sehr gut. Sie haben die Form und die Torquote mit in die 2. Liga genommen. Was steckt hinter Ihren konstant guten Leistungen? Warum ist Ihnen die Umstellung so gut gelungen?

Kruppke: Ich bin jetzt seit Januar 2008 bei der Eintracht und fühle mich hier mit meiner Familie einfach sehr wohl. Ich wurde damals gut aufgenommen. Wir harmonieren sehr gut, ich bekomme viele Vorlagen. In der Mannschaft passt es wie gesagt ganz einfach.

bundesliga.de: Sie sind aktuell der älteste Stammspieler im Kader und dazu noch Kapitän. Wie viel Spaß macht es mit der jungen Truppe? Oder spielt der Altersunterschied keine Rolle?

Kruppke: Ich habe schon etwas andere Interessen als die jungen Spieler. Ich habe meine Familie. Und ich bin ja nicht ganz der älteste Spieler der Mannschaft. Es macht einen riesigen Spaß. Manchmal ist es etwas ungewohnt, was die jungen Spieler so treiben und welche Musik sie hören.

bundesliga.de: Was hat der Trainer gesagt, was er von Ihnen in dieser Saison erwartet?

Kruppke: So viel hat er mir gar nicht gesagt. Ich weiß aus den vergangenen Jahren, was er von mir erwartet. Ich muss meine Leistung bringen und soll auf und neben dem Platz Führung und Verantwortung übernehmen. Das tue ich.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag tritt die Eintracht gegen den FC St. Pauli im Nordderby an. Wie sehen die Chancen? Besteht die Gefahr, dass es auch der zweite Bundesliga-Absteiger noch eine Nummer zu groß für die Eintracht ist?

Kruppke: Wir wissen, dass wir wieder eine außergewöhnliche Leistung bringen müssen. Wir wissen aber auch, dass wir jeden Gegner schlagen können. Und St. Pauli kann auch mal einen schlechten Tag erwischen. Wir wollten, als wir noch in der 3. Liga spielten, unbedingt aufsteigen, um gegen solche Gegner antreten zu dürfen. Jetzt haben wir die Spiele und freuen uns sehr darauf. Wir bringen dem Gegner den nötigen Respekt entgegen, müssen uns aber auch vor niemand verstecken.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski