Seit 17 Heimspielen ist die TuS Koblenz daheim ungeschlagen. Zuletzt mussten die Traditionsvereine 1. FC Kaiserslautern und 1. FC Nürnberg Federn im Stadion Oberwerth lassen. Einer, der das Geheimnis dieser Heimstärke selbst noch nicht ganz ergründet hat, ist Neuzugang Matthew Taylor.

Mit vier Treffern ist der US-Amerikaner der Toptorschütze der TuS in der laufenden Saison - ein echter, wenngleich später Glücksfall für beide Seiten. Denn eigentlich war Taylor von Hollywood nach "Down Under" gegangen, um seiner Karriere neuen Schwung zu geben.

Im Gespräch mit bundesliga.de erklärt der Angreifer, wie es zu jener abenteuerlichen Reise kam und warum nun Koblenz seine neue "Traumfabrik" ist. Außerdem spricht Taylor über den turbulenten Saisonstart der TuS inklusive Punktabzug, seinem Galaauftritt gegen den FCK und das Debakel von Rostock. Zudem gibt er die Marschrichtung fürs Heimspiel gegen Duisburg vor.

bundesliga.de: Herr Taylor, Sie haben in sieben Spielen in der 2. Bundesliga bereits vier Mal getroffen. Sind Sie mit Ihren ersten Erfahrungen in Deutschland zufrieden?

Matthew Taylor: Ich hatte definitiv einen guten Start und habe bislang eine gute Zeit hier. Ich bin zu einer starken Mannschaft gekommen und die TuS ist ein Verein mit tollen Aussichten.

bundesliga.de: Wie kam es zu Ihrem Wechsel aus den USA nach Deutschland?

Taylor: Ich bin von den USA nach Australien gegangen, um dort mein Glück zu probieren. Anthony LaPaglia, ein bekannter Schauspieler (u.a. TV-Serie "Without A Trace"; Anm.d.Red.), ist ein guter Freund von mir, und zugleich Miteigentümer vom Sydney FC. Er wollte mir helfen, dort ein Engagement zu finden. Doch leider hatte der Club keinen Platz mehr für mich. Also versuchte ich mein Glück in Adelaide, wo ein anderer Freund von mir spielt. Der Club ist sehr stark und spielt aktuell im Finale der asiatischen Champions League. Ich blieb dort rund drei Wochen zum Training. Doch auch dort erhielt ich keinen Vertrag. Als ich wieder weg wollte, fragte mich Paul Agostino, der ja zehn Jahre in München bei 1860 gespielt hat, wo ich hinwolle. Er bat mir seine Hilfe an und über einen befreundeten Berater kam ich dann nach Koblenz. Wir waren gemeinsam auf der Suche nach einem Team, bei dem ich von Beginn an viel Einsatzzeit bekommen könnte und es hätte nicht besser laufen können.

bundesliga.de: Welche Perspektiven sehen Sie in Koblenz?

Taylor: Ich würde gern länger hier bleiben. Mein Vertrag geht ja nur bis zum Saisonende, aber ich würde gern noch länger in Europa spielen. Ich genieße die Zeit hier. Ich will mich noch verbessern und hoffentlich eine noch lange und gute Karriere haben.

bundesliga.de: Sie gewannen die Universitätsmeisterschaft und galten als großes Talent. Warum hat es in den USA dennoch nicht zum großen Durchbruch gereicht?

Taylor: Nach meinem Weggang vom College wurde ich an vierter Stelle im MLS Draft (Auswahlverfahren der besten Nachwuchsspieler; Anm.d.Red.) von Kansas City verpflichtet. Das Team war sehr stark, erreichte das Liga-Endspiel und auf meiner Position sehr gut besetzt. Ich habe viel gelernt, kam aber nicht an Stars wie Josh Wolf vorbei. Nach einem Jahr kam ich zu Chivas USA. Dort hatte ich eine schwere Zeit. Im ersten Jahr dort hatten wir drei verschiedene Trainer. Zudem spielten wir im 3-4-3-System, obwohl einige unserer Spieler nicht dafür geeignet waren. Und gegen Ende meiner zweiten Saison mit Chivas habe ich mich erstmals schwerer verletzt. Es folgte eine weitere langwierige Verletzung und anschließend hatte ich es unter dem nächsten Coach wieder schwer, den Anschluss zu finden. Aufgrund der vielen Trainerwechsel und der Verletzungen war ich auf der Suche nach einer Veränderung.

bundesliga.de: Sie sind nun erst seit rund zwei Monaten in Koblenz. Wie wurden Sie aufgenommen und wie gefällt Ihnen Deutschland?

Taylor: Ich wurde hier großartig aufgenommen. Alle hier sind sehr freundlich. Die Kameradschaft hier ist toll. Es macht Spaß, hier Fußball zu spielen.

bundesliga.de: Was gefällt Ihnen an der 2. Bundesliga?

Taylor: Die 2. Bundesliga zeichnet sich durch großen Wettbewerb aus. Hier gibt es viele starke Teams, ganz anders als in der MLS. Einige Dinge hier sind einfach anders als in den USA. Zum Beispiel sind Heimspiele ein ganz anderes Erlebnis als drüben. Die Qualität der Mannschaften und der Spieler ist viel besser. Es hilft mir dabei, mein Spiel zu verbessern.

bundesliga.de: Koblenz hat bereits einen turbulenten Saisonauftakt hinter sich. Punktabzug, tolle Heimserie, Rekordniederlage. Wie zufrieden ist man in Koblenz mit dem Auftakt?

Taylor: Nach zehn Spielen haben wir neun Punkte auf dem Konto. Ohne den Abzug von drei Punkten zu Saisonbeginn würden wir in der sicheren Tabellenmitte stehen. Doch von diesem Punktabzug darf man sich nicht beeinflussen lassen. Aufgrund dieser Situation, der vielen Verletzungen und der vielen neuen Spieler, die sich alle noch finden müssen, ist es ein doch guter Start für uns gewesen. Wir sind immer noch dabei, eine Einheit zu formen. Wir lernen noch immer eine Menge vom anderen und werden uns weiter verbessern.

bundesliga.de: Beim 5:0 gegen Kaiserslautern waren Sie gleich drei Mal erfolgreich. Gehört diese Partie zu den besten in Ihrer Laufbahn?

Taylor: Auf jeden Fall. Das Spiel gegen Kaiserslautern zählt zu den besten Spielen meiner Laufbahn. Das war ein Spaß (lacht).

bundesliga.de: Nur eine Woche später kassierte die TuS die bittere 0:9-Niederlage in Rostock. Haben Sie so etwas jemals zuvor erlebt?

Taylor: Nein, noch nie. Das war ein Schock. So etwas habe ich in all den Jahren, in denen ich Fußball spiele, noch nie erlebt. Es war ein furchtbares Gefühl. Wir waren nie im Spiel und in einigen Belangen fing man an, seine eigenen Fähigkeiten in Frage zu stellen. So zu verlieren, hat einfach nichts Positives.

bundesliga.de: Doch eine Woche später fand Ihr Team eine gute Antwort…

Taylor: Das stimmt, wir haben eine starke Reaktion auf diese Partie gezeigt. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir nach nur anderthalb Minuten auch gegen Nürnberg zurücklagen. Es wäre einfach gewesen, dann aufzugeben und erneut deutlich zu verlieren. Doch wir haben an uns geglaubt und waren unseren Fans diese Leistungssteigerung einfach schuldig. Wir haben ja den Ausgleich geschafft und vor allem in der Defensive sehr gut agiert. Dieses Spiel und die Art und Weise, wie wir uns aus diesem Loch gekämpft haben, hat uns sehr zusammengeschweißt und weitergebracht.

bundesliga.de: Koblenz ist seit nunmehr 17 Heimspielen ungeschlagen. Was ist das Geheimnis der Heimstärke?

Taylor: Ich suche auch noch nach der Antwort. Ich habe noch nie zuvor in meiner Laufbahn einen solchen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen erlebt. Das ist neu für mich. Ich weiß nicht, warum, aber daheim spielen wir einfach unglaublich selbstbewusst und alles scheint leichter von der Hand zu gehen. Auch die Aufstellung oder die Taktik ist bei Auswärtsspielen oft anders als bei Heimspielen. Das kannte ich vorher nicht in diesem Maße. Aber ich werde schon noch hinter dieses Geheimnis kommen.

bundesliga.de: Der nächste Gegner daheim heißt Duisburg. Ein weiterer Prüfstein und harter Brocken. Wie will die TuS gegen den MSV bestehen?

Taylor: Wir spielen daheim. Wir spielen also auf Sieg und auf drei Punkte. Wir können daheim jeden schlagen!

Das Gespräch führte Sebastian Stolz