München - Alemannia Aachen kann doch noch gewinnen. Im zwölften Versuch gelang den Kaiserstädtern mit dem 3:1-Heimerfolg gegen den FC Ingolstadt der erste Saisonsieg.

Damit hat die Alemannia den Anschluss ans untere Mittelfeld hergestellt und liegt nur noch drei Punkte hinter Platz 12. bundesliga.de sprach mit Alemannia-Trainer Friedhelm Funkel, der die Mannschaft seit dem 9. Spieltag betreut.

bundesliga.de: Herr Funkel, am 12. Spieltag konnte die Alemannia ihren ersten Sieg unter Dach und Fach bringen. Wie groß ist Ihre Erleichterung?

Friedhelm Funkel: Die Erleichterung war bei allen hier in Aachen riesengroß, natürlich auch bei mir. Es war wichtig, dass die Mannschaft endlich mal eine Führung über die Zeit rettet und sich mit drei Punkten für ihren nimmermüden Einsatz belohnt.

bundesliga.de: In Dresden stand die Alemannia bereits in der vergangenen Woche kurz vor dem ersten "Dreier". Was hat sie diesmal besser gemacht?

Funkel: In Dresden haben wir dem Gegner mit einem individuellen Fehler zum Ausgleich verholfen. Gegen Ingolstadt stand die Mannschaft bis zur allerletzten Sekunde kompakt in der Defensive, auch wenn ich mit dem Spiel über die gesamten 90 Minuten nicht zufrieden sein konnte. Aber meine Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen. Benny Auer hatte die Entscheidung bei seinem Lattenschuss schon auf dem Fuß, David Odonkor hat in der Nachspielzeit dann für die endgültige Entscheidung gesorgt.

bundesliga.de: Sie sind jetzt seit vier Spielen für die Truppe verantwortlich. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Funkel: Das Wichtigste war, dass die Mannschaft endlich mal wieder ein Spiel gewinnt. Die Spieler hatten ja schon fast vergessen, wie sich das anfühlt. Zum Glück ist uns das jetzt gelungen, aber es war nur ein Sieg, ein kurzes Durchatmen, mehr nicht. Acht Punkte nach zwölf Spieltagen sind immer noch viel zu wenig. Wir haben noch einen langen Weg mit viel Arbeit vor uns.

bundesliga.de: Was war das größte Problem? Wo haben Sie als erstes den Hebel angesetzt? War es die Flaute in der Offensive?

Funkel: Natürlich war die Schwäche im Abschluss ein großes Thema. Aber ich war immer davon überzeugt, dass wir bald wieder Tore erzielen werden. Jetzt sind wir in den letzten drei Begegnungen jeweils in Führung gegangen. Wir haben in allen Bereichen gearbeitet - taktisch, läuferisch, an der Kompaktheit, am Kombinationsspiel. Und wir müssen uns unbedingt weiter verbessern.

bundesliga.de: Der Anschluss ans Mittelfeld ist fast geschafft. Von Platz 12 trennen die Alemannia nur noch drei Punkte. Wie wichtig wäre es, so schnell wie möglich die Abstiegsränge zu verlassen?

Funkel: Wir wollen bis Weihnachten so viele Punkte wie möglich sammeln. Es geht sehr eng zu in der unteren Tabellenhälfte, das ist richtig. Aber niemand sollte glauben, dass wir nach unserem schlechten Saisonstart jetzt auf einmal jede Woche einen Platz gutmachen. Es wird Rückschläge geben.

bundesliga.de: Oder richten Sie sich auf einen langen, nervenzehrenden Abstiegskampf ein? Wie ist die Perspektive der Alemannia?

Funkel: In unserer Lage kann es nur eine Zielsetzung geben: Klassenerhalt. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen werden.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von David Odonkor, der nach seiner langen Verletzungspause langsam wieder Tritt fasst?

Funkel: David ist einer von mehreren Spielern, die lange keine Spielpraxis hatten. Kim Falkenberg und Aimen Demai gehören auch dazu. Für sie ist es einfach wichtig, dass sie jetzt wieder regelmäßig auf dem Platz stehen und sich die nötige Wettkampfhärte zulegen. Jedes Spiel über 90 Minuten bringt sie weiter, das wird uns im Laufe der Saison zugute kommen.

bundesliga.de: Am Freitag gastiert die Alemannia beim VfL Bochum, Ihrem ehemaligen Club. Ist Bochum schon abgehakt und das Thema erledigt oder ist es ein besonderes Spiel für Sie? Was ist drin in Bochum?

Funkel: Natürlich ist das schon ein besonderes Spiel. Es war eine tolle Zusammenarbeit mit der Mannschaft, wir haben in der letzten Saison unheimlich viel erreicht. Aber jetzt bin ich bei der Alemannia, und für uns ist es ein wichtiges Auswärtsspiel. Wir haben den Vorteil, dass wir ausgeruht nach Bochum kommen, während der VfL am Dienstag noch im Pokal ran musste.

bundesliga.de: Abschließend noch eine Frage weg vom sportlichen Tagesgeschäft, nachdem sich in letzter Zeit die Fälle von Burn-out und Depressionen (Miller, Rangnick, Fenin) gehäuft haben. Sie haben sich nach der Entlassung in Bochum keine Auszeit genommen, sondern sofort das Angebot der Alemannia angenommen. Wie stecken Sie den Stress weg, wie gehen Sie damit um?

Funkel: Bis heute bin ich glücklich darüber, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Ich arbeite sehr gerne, bin morgens meist der Erste und abends oft der Letzte im Büro. Aber ich nehme mir auch die Freiheit, andere Sachen zu tun. Mein Leben dreht sich nicht nur um Fußball, ich verschaffe mir Ausgleich, indem ich ins Kino oder Konzert gehe und schalte so vom Bundesliga-Geschäft ab.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski