Er ist einer der erfahrensten Spieler im Kader der SpVgg Greuther Fürth, trug bereits das Tirkot der deutschen Nationalmannschaft und hat schon 117 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Bei der 6:2-Niederlage seiner Mannschaft im Pokalviertelfinale beim FC Bayern München wurde Christian Rahn allerdings erst in der 83. Minute eingewechselt - nach seiner sechsmonatigen Knieverletzung kämpft sich der 30-Jährige langsam wieder an die Startelf heran.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Rahn über die Niederlage gegen den Rekordmeister, die verbesserte Stimmung in Fürth und die Zielsetzung für die kommenden Zweitligaspiele.

bundesliga.de: Mit 2:6 beim FC Bayern verloren: Der Blick auf die Anzeigentafel nach Spielende dürfte Ihnen sicherlich nicht gefallen haben, Herr Rahn, oder?

Christian Rahn: Das Ergebnis spiegelt auf jeden Fall nicht den Verlauf des Spiels wider. Bis zum Handelfmeter, der zum 2:2 führt, haben wir sehr gut gespielt und sehr diszipliniert agiert. Gerade in der ersten Halbzeit konnten wir auch immer wieder Nadelstiche nach vorne setzen und sind daher nicht unverdient mit dem 2:1 im Rücken in die Pause gegangen. Aber nach dem Elfmeter und dem kurz darauf folgenden 3:2 wird es dann natürlich ganz schwer. Da sind uns die Kraft und der Glaube an den Sieg verloren gegangen.

bundesliga.de: Ihr Trainer Mike Büskens hatte vor dem Spiel angekündigt, sich nicht verstecken zu wollen. War das im Nachhinein die richtige Taktik?

Rahn: Die Bayern waren in punkto Ballbesitz auch schon in der ersten Halbzeit überlegen. Aber wir haben ihnen immer wieder den Schneid abgekauft, versucht, die Außen nicht ins Spiel kommen zu lassen und bei Ballgewinn schnell nach vorne zu spielen. Das ist uns richtig gut gelungen. Aber als Zweitligist gegen die Bayern zu spielen, ist immer eine schwere Kiste, und natürlich war der Sieg auch verdient.

bundesliga.de: Welche Chancen haben Sie sich im Vorfeld eigentlich ausgerechnet gegen die derzeit so dominanten Bayern?

Rahn: Wichtig war, dass die elf Spieler, die von Anfang an auf dem Platz standen, an die Chance aufs Weiterkommen geglaubt haben. Das hat sich auch daran gezeigt, dass wir nach dem frühen Rückstand nicht aufgegeben haben, sondern sogar mit 2:1 in Führung gegangen sind. Das ist das Positive, was wir aus dieser Begegnung mitnehmen müssen: dass wir uns nicht versteckt haben, dass wir zurückgekommen sind. Am Ende haben uns natürlich etwas die Kraft und die Klasse gefehlt.

bundesliga.de: Nach dem Erfolg im Achtelfinale gegen Stuttgart folgten in der Bundesliga fünf Niederlagen in sieben Spielen. Sind Sie froh, dass Sie sich jetzt komplett auf das Tagesgeschäft konzentrieren können?

Rahn: Das Halbfinale hätten wir schon mitgenommen und unseren Traum gerne weiter geträumt. Aber die kommenden Aufgaben in der Liga haben es auch in sich und wir wollen versuchen, uns im oberen Tabellendrittel festzuspielen.

bundesliga.de: Wie fällt das erste Zwischenfazit nach fünf Partien im neuen Jahr mit drei Siegen und zuletzt zwei Niederlagen aus?

Rahn: Die ersten drei Siege nach der Winterpause waren natürlich sehr gut für unser Selbstvertrauen. Auch gegen Bielefeld haben wir über weite Strecken sehr gut agiert, haben die Arminia fast an die Wand gespielt. Ddort haben wir es ebenfalls versäumt, frühzeitig Treffer nachzulegen. Wir haben dort ja nicht verloren, weil Bielefeld besser war, sondern weil wir uns quasi zwei Tore selbst eingeschenkt haben. Diese positiven Ansätze müssen wir für unsere kommenden Aufgaben mitnehmen.

bundesliga.de: Was ist in der Winterpause passiert, dass die Stimmung in Fürth wieder so gut ist?

Rahn: Wir haben die Vorrunde komplett hinter uns gelassen und mit Mike Büskens zusammen einen Neuanfang gestartet. Unter dem neuen Trainer wollte sich natürlich auch jeder beweisen. Das Trainingslager haben wir sehr gut absolviert, haben dort sehr akribisch gearbeitet. Die ersten drei Siege haben uns bestätigt. Wir dürfen uns von den zwei Niederlagen jetzt nicht zurückwerfen lassen, sondern einfach so weiter spielen und unsere Chance nach vorne suchen.

bundesliga.de: Zu Ihrer ganz persönlichen Situation: Nach langer Verletzungspause wird es schwer für Sie, Kim Falkenberg von der Linksverteidigerposition zu verdrängen, oder?

Rahn: Durch die Verletzung habe ich sechs Monate keinen Fußball gespielt. Ich weiß, dass ich noch ein bisschen Zeit brauche, um wieder bei 100 Prozent zu sein. Die fehlende Spielpraxis kann ich mir nur über die Spiele zurückholen, daher hoffe, ich, dass ich in den kommenden Wochen regelmäßig zum Einsatz komme und dann auch irgendwann wieder Stammspieler bin.

bundesliga.de: Am Sonntag spielen Sie erneut gegen eine Münchener Mannschaft, die "Löwen" von 1860 sind zu Gast in Fürth. Was erwarten Sie von dieser Partie?

Rahn: Wir haben aus dem Hinspiel noch Einiges gut zu machen. Da haben wir sehr schlecht agiert und sind mit 1:3 untergegangen. Die "Sechziger" wiederum haben nach dem 0:1 gegen Ahlen bestimmt Wut im Bauch, von daher wird es ein sehr interessantes Spiel werden.

bundesliga.de: Spekulieren Sie trotz zehn Punkten Rückstand noch darauf, mit der Spielvereinigung im Kampf um den Relegationsplatz mitzumischen?

Rahn: Nach der Hinrunde war es zunächst einmal wichtig, den Abstand auf die Abstiegsränge zu vergrößern. Das haben wir mit den drei Siegen eindrucksvoll geschafft. Jetzt geht es darum, die Saison nicht einfach "plitschi-platschi" ausklingen zu lassen. Für ganz oben wird es sicherlich nicht reichen, dafür sind die Mannschaften im oberen Tabellendrittel zu konstant in diesem Jahr. Wir wollen so viele Punkte wie möglich sammeln. Ob wir nachher Fünfter, Achter oder Zehnter werden, ist dann nebensächlich.

Das Gespräch führte Denis Huber