Fürth/München - Für Fürths Coach Mike Büskens steht ein ganz besonderes Duell an - in mehrfacher Hinsicht. Seine Spielvereinigung hat im Topspiel der 2. Bundesliga am Montagabend gegen Fortuna Düsseldorf die große Chance, Big-Points im Aufstiegsrennen einzufahren und den Gastgebern den Nimbus als Heimmacht zu rauben.

Und er selbst trifft auf das Team, bei dem er einst den Sprung zu den Profis schaffte. Im Interview mit bundesliga.de spricht Büskens über das Topspiel, seine Erinnerungen an die Zeit bei Fortuna und das Frankenderby kurz vor Weihnachten.

bundesliga.de Herr Büskens, am Montagabend treten Sie und Ihre Fürther zum Verfolgerduell bei Fortuna Düsseldorf an. Dort haben Sie viele Jahre lang als Profi gespielt. Inwiefern ist es ein besonderes Spiel für Sie persönlich?

Mike Büskens: Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man in seine Geburtsstadt zurückkommt. Und es ist etwas Besonderes, zu dem Verein zurückzukommen, wo die Profi-Karrierre begonnen hat. Ich hatte wunderschöne Jahre in der Jugend bei der Fortuna. Zudem gibt es immer noch Kontakt zu Leuten, die schon zu meiner aktiven Zeit im Verein waren.

bundesliga.de Welche besonderen Ereignisse verbinden Sie mit Ihrer Zeit als Profi bei der Fortuna?

Büskens: Ein besonderes Ereignis war natürlich mein erstes und einziges Zweitliga-Spiel für die Fortuna gegen Schalke. Aleksandar Ristic hatte mich von den Amateuren zu den Profis geholt und mir diese Chance gegeben. Von dem Spiel weiß ich sonst nicht mehr viel, aufgrund der Anspannung damals. Aber ich weiß noch, wie mein Name auf der Anzeigentafel aufleuchtete...

bundesliga.de In sportlicher Hinsicht geht es am Wochenende ebenfalls um viel, weil Sie auf einen direkten Konkurrenten im Aufstiegsrennen treffen. Welche Bedeutung hat die Partie für das Aufstiegsrennen?

Büskens: Es geht ja verdammt eng zu an der Spitze der 2. Bundesliga. Es sind allerdings auch nach dem Spiel in Düsseldorf erst 16 Spieltage absolviert. In diesem Duell entscheidet sich der Aufstieg nicht. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass es auf die letzten fünf bis sechs Saisonspiele ankommt. Wir wollen dran bleiben und uns in Düsseldorf beweisen. Wir fahren dahin, um etwas mitzunehmen.

bundesliga.de Die Fortuna ist in dieser Saison noch ungeschlagen und gerade zuhause mit sieben Siegen bei sieben Heimspielen eine Macht. Wie wollen Sie das Spiel gegen die Fortuna in taktischer Hinsicht angehen?

Büskens: Wir haben auch eine Serie zu verteidigen, wir sind auswärts noch ungeschlagen. Schon deswegen müssen wir diese Aufgabe mutig angehen und selbst agieren. Wir werden unser Heil nicht in der Defensive suchen, sondern selbst die Initiative ergreifen. Dabei müssen wir auf die Düsseldorfer Offensivkräfte achten und beispielsweise Thomas Bröker oder Maximilian Beister offene Räume nicht nutzen lassen.

bundesliga.de Sie haben zuletzt Kritik an der Einstellung Ihres Teams geübt, sprachen von "Larifari-Training" vor dem Spiel gegen den FSV Frankfurt. In der ersten Hälfte sah die Fürther Leistung auch lange nach "Larifari" aus. Wie wirken Sie Motivationsproblemen entgegen?

Büskens: Nein, das war kein Larifari. Es kommt in jeder Mannschaft immer wieder mal vor, dass in einer Trainingseinheit das letzte Quäntchen Konzentration fehlt. Bei uns war das in einer von sechs Einheiten vor dem letzten Spiel und das haben wir deutlich angesprochen. Und um das mal deutlich zu sagen, auch die erste Halbzeit gegen Frankfurt war kein Larifari. Der FSV stand sehr kompakt, sehr tief und die Abwehr war hochkonzentriert. Wir mussten geduldig sein und haben nicht immer die gewünschte Lösung gefunden. Motivationsprobleme sehe ich nicht. Wir haben eine auch charakterlich einwandfreie Mannschaft, ich kann keinen Schlendrian erkennen.

bundesliga.de Stephan Fürstner hat gegen den FSV nach seiner Knieverletzung die Rückkehr auf den Platz gefeiert. Milorad Pekovic ist nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder spielberechtig. Und Edgar Prib hat zuletzt wieder getroffen. Wer wird auf der Bank sitzen? Und was spricht gegen Düsseldorf für welches Pärchen im defensiven Mittelfeld?

Büskens: Milorad Pekovic konnte nach seinen beiden Länderspielen für Montenegro gegen Tschechien wegen Problemen am Sprunggelenk noch nicht hundertprozentig trainieren. Da müssen wir die Entwicklung in den letzten Trainingseinheiten vor dem Spiel in Düsseldorf abwarten und ihn langsam heranführen. Und dann werden wir sehen, welche Formation aufläuft.

bundesliga.de Die starken Leistungen der Fürther Talente wecken auch diese Saison wieder Begehrlichkeiten. Beispielsweise soll der FC Bayern angeblich Sercan Sararer beobachten. Befürchten Sie, dass es bei der SpVgg bald erneut einen Aderlass geben wird, weil viele der Leistungsträger abgeworben werden?

Büskens: Das angebliche Interesse von Bundesligisten an unseren jungen, talentierten Spielern ehrt uns und ist ein Beweis, für die gute Ausbildung, die hier bei der SpVgg schon seit vielen Jahren auch ein wichtiger Teil der Philosophie des Vereins ist. Ich glaube, dass unsere Spieler schon wissen, was sie hier haben: Nämlich die Möglichkeit, sich in einem vergleichsweise ruhigen und vor allem familiären Umfeld zu entwickeln. Wir sehen das sehr gelassen, denn Leistungsträger wie Stephan Fürstner oder Eddy Prib haben erst kürzlich ihre Verträge langfristig verlängert. Wir wissen allerdings auch um unsere Position, wenn ein großer Erstligist winkt. Aber das gehört dazu, wie die Beispiele von Marco Caligiuri, Sami Allagui oder Nicolai Müller in der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben. Solche Abgänge sind schmerzvoll, aber es ergibt sich dann auch wieder eine neue Chance für eines unserer zahlreichen Nachwuchs-Talente.

bundesliga.de Mit dem Derby gegen den "Club" im Pokal steht kurz vor Weihnachten ein prestigeträchtiges Duell an. Karten waren binnen kürzester Zeit vergriffen. Klar hat die 2. Bundesliga im Moment Priorität, aber fiebern Sie und Ihre Mannschaft diesem Spiel trotzdem besonders entgegen?

Büskens: Wir freuen uns auf dieses Spiel. Ich habe schon viel von diesem Derby gehört, jetzt darf ich auch eines erleben. Im Moment ist ganz Franken gespannt auf den Vergleich. Wir haben bis dahin noch schwere Liga-Spiele zu bestreiten und gehen dann fokussiert die letzte große Aufgabe des Jahres an. Derzeit begleitet uns das am Rande, aber natürlich holen wir schon Informationen über die Spielweise des Pokal-Gegners ein.

bundesliga.de Wie zuversichtlich sind Sie, dass es in der kommenden Saison auch ein Frankenderby in der Meisterschaft geben wird?

Büskens: Wir gehören zu Recht zu den vier oder fünf Mannschaften, die wohl den Aufstieg unter sich ausmachen. Aber es ist noch ein langer Weg, wir müssen hart dafür arbeiten und immer ans Limit gehen. Ich bin überzeugt, dass wir die Chance haben, den großen Traum der Fürther zu erfüllen. Und dann werden wir sehen, ob es in der nächsten Saison zwei Derbys gibt.

Die Fragen stellte Andreas Messmer