Der FC Ingolstadt musste sich den Heimspiel-Sieg in der Relegation gegen Hansa Rostock hart erkämpfen. Trainer Michael Wiesinger war nach dem Spiel immer noch recht aufgelöst. Mit bundesliga.de sprach er über Emotionen, junge Spieler und das taktische Vorgehen beim Rückspiel in Rostock.

bundesliga.de: Herr Wiesinger, ein 1:0 im Hinspiel gegen Hansa Rostock, hätten Sie das Ergebnis vor dem Spiel unterschrieben?

Michael Wiesinger: Auf jeden Fall. Ich habe vorher schon gesagt, ein zu Null ist immer gut. Dass wir nicht so viele Chancen bekommen würden, war mir klar. Es wäre mir natürlich lieber gewesen, wir hätten diesen Konter über Fabian Gerber noch erfolgreich abgeschlossen. Das war eine Riesenchance, aber da hat Alexander Walke auch gut gehalten. Doch so ein 1:0 muss man auch erst einmal über die Bühne kriegen. Das ist ein schmaler Grat, dieses Umschalten zwischen Offensive und Defensive in so einem Spiel, das haben wir heute gut umgesetzt.

bundesliga.de: Es war ein Spiel mit vielen Emotionen. Das sieht man an den vielen Gelben Karten, aber auch daran, dass Sie selbst nach einer guten Stunde eine Getränkeflasche in Richtung Kabine geworfen haben...

Wiesinger: Ich habe mich in dem Moment sehr geärgert. Natürlich muss man ab und zu seinen Gefühlen freien Lauf lassen, aber so etwas darf mir eigentlich nicht passieren. In der Situation ging es um Malte Metzelder...

bundesliga.de: ...den Sie nach dem Spiel hervorgehoben haben...

Wiesinger: ...das stimmt. In dieser Situation habe ich mich zwar geärgert. Aber Malte ist ein Spieler, der die Leidenschaft lebt. Bei ihm ist nicht immer alles filigran, aber mit so einem gewinnst du die wichtigen Schlachten. Der denkt nie an sich, nur an die Mannschaft. Das war so ein Tag, an dem man ihn gut einmal herausstellen konnte.

bundesliga.de: Trotz des Siegtores - Rostock hatte nach der Pause mehr vom Spiel. Woran lag das?

Wiesinger: Es war so ein Spiel mit verschiedenen Halbzeiten. Zunächst waren wir besser, dann war es eine Weile ausgeglichen, dann fand Rostock immer besser hinein - warum, muss ich mir erst noch einmal genau anschauen. In der Phase haben wir schon auch ein bisschen Glück gehabt. Aber es ist auch ein Zeichen von Qualität, genau dann zurück zu schlagen und das Tor zu machen.

bundesliga.de: Aber auch nach dem Tor haben Sie das Spiel nicht mehr so richtig in den Griff bekommen und nur noch gekontert.

Wiesinger: In der ersten Halbzeit hatten wir Rostock gut im Griff. Aber man muss sehen: Das war ein Spiel, in dem es auch um ein bisschen etwas geht. Wir haben einige jüngere Kerle in der Mannschaft, in der Innenverteidigung zum Beispiel. Die haben noch nicht sehr viel Erfahrung und dafür haben sie ihre Sache wirklich gut gemacht. Das war für den einen oder anderen womöglich ein großer Schritt in der Karriere. Und jetzt kommt in Rostock die nächste Herausforderung.

bundesliga.de: In Rostock können Sie ja den Gegner erst einmal kommen lassen, oder wollen Sie dort anders vorgehen?

Wiesinger: Das Wichtigste ist: Wir dürfen nicht emotional reagieren, sondern müssen einfach unseren Job machen. Wir haben ja eine Mannschaft, die selber gerne macht und tut. Deshalb müssen wir in den nächsten Tagen daran arbeiten, gut zu stehen, gut zu verschieben - solche Sachen. Wir haben auch bisher nur Auswärtsspiele von Rostock analysiert, jetzt kommen die Heimspiele dran. Psychologisch wird das auf jeden Fall nicht leicht. Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass es dort ein Hexenkessel wird. Eine ganze Region wird sich für den Verein noch einmal ins Zeug legen.

bundesliga.de: Also auch keine Flasche mehr schmeißen...

Wiesinger: Nee, das sowieso nicht.

bundesliga.de: Apropos Hexenkessel, wie fanden Sie die Stimmung im eigenen Stadion?

Wiesinger: Da sind wir auch auf einem guten Weg. Viele haben es gespürt, wenn die Mannschaft Unterstützung braucht, das hat mir gut gefallen.

bundesliga.de: Es war ja das letzte Spiel in diesem Stadion. Der Umzug ins neue Stadion nach dem Aufstieg, das würde Ihnen sicher gut passen...

Wiesinger: Auf jeden Fall. Da sind wir jetzt nah dran, aber wir haben jetzt einen zweiten, schweren Schritt zu machen - und zwar nicht im eigenen Stadion.

Das Gespräch führte Christoph Leischwitz