Bielefeld - Der Rettung so nah: Nur noch 90 Minuten trennen Arminia Bielefeld vom lang ersehnten Klassenerhalt. Die Ostwestfalen wollen sich für ihren starken Schlussspurt in der 2. Bundesliga belohnen und nach dem 3:1-Sieg aus dem Hinspiel gegen Drittligist Darmstadt 98 vor heimischem Publikum (Montag, ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) alles klar machen.

Endspiele scheinen der Mannschaft von Norbert Meier, die mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen gerade rechtzeitig in Form gekommen ist, zu liegen. Das 4:1 in Bochum am 32. Spieltag, das 3:2 in Dresden am 34. Spieltag und das Hinspiel in Darmstadt sind die besten Beispiele. Bielefeld geht als klarer Favorit ins Rückspiel.

Meier drückt auf die Euphoriebremse

Doch Coach Meier, der vor zwei Jahren als Verantwortlicher von Fortuna Düsseldorf die bereits eine sehr turbulente Relegation erlebt hat, drückte auf die Euphoriebremse: "Wir sollten schön den Kopf klar behalten, schön ruhig bleiben. Es ist erst eine Etappe absolviert und noch nichts entschieden. Wir werden den Teufel tun und uns in Sicherheit wähnen."

Dass Darmstadt bereits aufgegeben hat, glaubt der Bielefeld-Coach auf keinen Fall. "Wir erwarten einen sehr motivierten Gegner. Sie werden noch einmal alles probieren und versuchen den Rückstand aufzuholen", sagte der Fußballlehrer und versicherte: "Alle im Verein konzentrieren sich auf dieses letzte Saisonspiel."

Schuster: "Der Teufel ist ein Eichhörnchen"

Wunder und verrückte Wendungen sind im Fußball nie ganz ausgeschlossen. Das weiß auch der Trainer der Darmstädter, Dirk Schuster, der den Aufstieg noch nicht abgeschrieben hat: "Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Es sind schon ganz wundersame Dinge im Fußball passiert. Ich habe schon einmal ein wichtiges Auswärtsspiel 3:1 gewonnen - und wisst ihr, wie das Rückspiel ausgegangen ist?"

In der Tat lehrt Schusters Vita als Spieler, dass ein 3:1 aus dem Hinspiel kein Ruhekissen für das Rückspiel sein muss. Als Profi verspielte er mit dem Karlsruher SC in der Saison 1996/97 im UEFA-Cup gegen Bröndby IF Kopenhagen einen 3:1-Auswärtssieg durch ein epochales 0:5 im Wildpark. Schuster war allerdings auch drei Jahre zuvor dabei, als in der magischsten Nacht der Karlsruher Vereinsgeschichte ein 1:3 gegen den FC Valencia durch ein 7:0 pulverisiert wurde.

Sailer beschwört "größeres Wunder"

Niemand weiß also besser als der Darmstädter Coach, wie schnell und überraschend sich das Blatt am Montag Bielefeld im Kampf um das letzte Ticket für die kommende Zweitliga-Saison wenden könnte. Zumal er selbst in Spiel eins lediglich "in Sachen Effizienz" einen Klassenunterschied ausgemacht hatte. 

Inwiefern Meier seine Spieler mit seiner Warnung erreicht hat, wird sich erst am Montag zeigen. Schusters Worte jedenfalls scheinen bei seinen Schützlingen angekommen zu sein. Angreifer Marco Sailer, der nach seiner Verletzung im Hinspiel überraschend in der Startelf stand, drückte es so aus: "Wir haben immer von einem Wunder gesprochen, jetzt brauchen wir halt einfach ein etwas größeres Wunder."