Darmstadt - Die große Sause ist längst beschlossene Sache. Ganz egal, ob Drittligist Darmstadt 98 seine "großartige Saison" mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga krönt - gefeiert wird garantiert. Auf dem Karolinenplatz, am 20. Mai, nur ein Tag nach dem Relegations-Rückspiel gegen Zweitligist Arminia Bielefeld.

"Wir haben schon jetzt etwas erreicht, was keiner erwarten konnte", kommentierte Torhüter Jan Zimmermann den famosen Saisonverlauf, der die Lilien hinter Meister 1. FC Heidenheim und RB Leipzig auf den 3. Platz der 3. Liga gespült hatte. "Für uns ist das keine Bestrafung. Wir müssen nicht in die Relegation - wir dürfen."

Ex-Nationalspieler Schuster Vater des Erfolgs

Nach dem eigentlichen sportlichen Abstieg in der Vorsaison blieben die Hessen nur in der 3. Liga, weil Kickers Offenbach die Lizenz verwehrt worden war. Darmstadt galt fortan als sicherer Absteiger - und träumt etwa ein Jahr später vor dem ersten Relegations-Duell mit den Westfalen am Freitag vom Aufstieg in das Bundesliga-Unterhaus.

"Ich schlafe trotzdem noch ganz gut", sagte Dirk Schuster dem "Hessischen Rundfunk". Der ehemalige Nationalspieler ist als Trainer und Sportdirektor in Personalunion der Vater des unverhofften Erfolgs. Sollte seiner Mannschaft tatsächlich die Überraschung gelingen, dürfte sich der Sportdirektor Schuster über zusätzliche Einnahmen freuen und dem Trainer Schuster für die kommende Saison eine noch schlagkräftigere Truppe zur Verfügung stellen.

Spieler dürfen "machen was sie wollen"

Die Vorbereitung auf die zwei wichtigsten Begegnungen der laufenden Spielzeit will Schuster allein aus diesem Grund aber nicht umstellen. Die Spieler dürften weiterhin "machen, was sie wollen" - würden sich aber "natürlich so vorbereiten, dass sie fit sind, leistungsbereit sind und alles abrufen können", versicherte der Trainer, der Arminia Bielefeld als "Riesenherausforderung" bezeichnet.

"Volles Rohr" sollen seine Jungs in den Spielen daher geben. Das 1:3 am letzten Spieltag gegen Holstein Kiel, bei dem Risiken gescheut und "hier und da mal das Füßchen weggezogen wurde", dürfte Schuster daher überhaupt nicht gefallen haben.

Überflieger Stroh-Engel warnt

Angreifer Dominik Stroh-Engel, als Torschützenkönig mit 27 Ligatreffern der überragende Akteur des Außenseiters, nahm seine Teamkollegen deshalb in die Pflicht. "Wir müssen uns alle hinterfragen. Mit dieser Einstellung wird man nicht als Sieger aus der Relegation gehen", mahnte der 28-Jährige.

Dass Stroh-Engel und Co. nichtsdestotrotz glänzende Aussichten besitzen, liegt auf der Hand. Seit Wiedereinführung der Relegation zur Saison 2008/09 hat sich im vergangenen Jahr Dynamo Dresden als bislang einziger Zweitligist gegen die unterklassige Mannschaft durchgesetzt. Auch auf die tatkräftige Unterstützung der Anhänger - 14 Busse werden am kommenden Montag nach Bielefeld rollen - dürfen die Darmstädter hoffen. Und dann ist da ja noch der psychologische Vorteil.

"Der Zweitligist hat viel mehr zu verlieren, da geht es auch um einige Arbeitsplätze", sagte Innenverteidiger Benjamin Gorka. "Vielleicht war es gar nicht so verkehrt, dass wir gegen Kiel auf die Fresse bekommen haben. Dann gibt jetzt jeder noch mal zehn Prozent mehr."