Berlin - Nein, leicht war es nicht für die Manschaft von Union Berlin. Nach der deftigen 0:4-Packung bei Dynamo Dresden hatten sich erstmals die eigenen Fans, die Treusten der Treuen, gegen die "Eisernen" gewandt.

Ausgerechnet gegen Aufstiegsaspirant VfL Bochum trat das Team von Uwe Neuhaus zum "Unternehmen Wiedergutmachung" an. Es sollte ein verdienter 2:1-Erfolg werden. Unions Mittelfeldmann Michael Parensen erläuterte nach dem Heimsieg: "Unsere Leistung gegen Bochum ist zu einem Gutteil schon durch die 0:4-Niederlage in Dresden am vergangenen Spieltag zu erklären." Der 25-Jährige wusste: "Wir durften auf gar keinen Fall noch einmal eine solche Leistung wie dort abliefern." Das habe man weder den Fans noch sich selbst zumuten dürfen.

Pfertzel gegen seinen Ex-Club

Rechtsverteidiger Marc Pfertzel betonte: "Für uns war es wichtig, etwas mitzunehmen", und freute sich: "Dass es sogar drei Punkte wurden, ist natürlich noch besser." Union habe verdient gewonnen, erklärte der Routinier.

Dabei war es für den Franzosen nicht nur wegen der eigenen Anhänger ein besonderes Spiel. Pfertzel stand von 2007 bis 2010 dreieinhalb Jahre beim Gegner Bochum unter Vertrag. "Es war kein einfaches Spiel, weil Bochum eine sehr starke Mannschaft ist, die auch unter Druck stand", sagte der Defensivmann.

Mit Hilfe der Fans alles gegeben

Allerdings mussten die Hausherren nach gutem Beginn sieben Minuten vor der Pause einen Rückschlag hinnehmen - Bochums Takashi Inui schoss die Gäste in Front. Parensen räumte ein: "Da denkt man für einen ganz kurzen Moment schon, dass man jetzt wieder hinterherläuft." Während des Spiels war er trotz des Rückstands guter Dinge: "Schon in der letzten Saison haben wir gerade zuhause bewiesen, dass wir Rückstände immer umbiegen können, wenn wir mit Hilfe der Zuschauer alles geben."

Und die Unterstützung der Anhänger war nach dem zwischenzeitlichen Liebesentzug wieder voll da. "Die Zuschauer stehen immer hinter uns, wenn wir alles für den Verein und die Fans geben und uns in jedem Spiel reinhauen", freute sich Parensen.

Kämpfen statt Schönspielen

Und wie sich die Köpenicker reingehauen haben. "Wir sind läuferisch und kämpferisch überragend gewesen", stellte FCU-Kapitän Thorsten Mattuschka fest. Der 30-Jährige verriet: "Nach dem 0:4 letzte Woche haben wir mit den Fans gesprochen, die uns gesagt haben, was sie von uns erwarten." Kämpfen hieß die Devise der Anhänger - und fand die Zustimmung des Berliner Spielmachers: "Wir kommen übers Kämpfen, übers Läuferische." Nur so werde man Punkte holen, "nicht mit Schönspielen."

Neben Mattuschka war vor allem John Jairo Mosquera der Matchwinner: Keine Minute nach seiner Einwechslung erzielte der junge Kolumbianer den 2:1-Siegtreffer: "Das ist natürlich wie im Traum, wenn man eingewechselt wird und gleich ein Tor schießt", freute sich der 23-Jährige. "Mein Tor gegen Bochum war besonders wichtig, weil es uns drei Punkte gesichert hat." Zumal Simon Terodde und Markus Karl in den Schlussminuten noch beste Möglichkeiten ungenutzt ließen.

Hoffnung auf den ersten Auswärtssieg

Mit einer Verbesserung der Chancenverwertung könnten die Köpenicker am nächsten Spieltag vielleicht endlich auch auf fremdem Platz bestehen. Der letzte Auswärtssieg gelang der Neuhaus-Elf Anfang April mit 2:0 beim späteren Absteiger Oberhausen.

Mattuschka fordert: "Fakt ist, dass es so weiter gehen muss, dass wir auch mal auswärts so kompakt stehen, so aggressiv und laufintensiv spielen. Wir haben nächste Woche in München eine gute Gelegenheit, das zu zeigen."

Das wird schwer genug: Noch nie konnten die "Eisernen" gegen die "Löwen" einen Pflichtspielsieg einfahren, die letzten drei Vergleiche gewann 1860 allesamt zu Null.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo