Berlin - Markus Babbel geht als neuer Hertha-Trainer mit einer festen Zielsetzung in die Saison: den direkten Wiederaufstieg. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der frühere Stuttgart-Coach, wie er sein Team auf die Anforderungen der 2. Bundesliga einstellen will, warum er keine Bedenkzeit für den neuen Job brauchte und was es mit einem speziellen Tattoo auf sich hat.

bundesliga.de: Herr Babbel, Sie arbeiten seit drei Wochen mit Ihrer neuen Mannschaft zusammen. Wie ist der erste Eindruck?

Markus Babbel: Nach etwas holprigem Start sind wir jetzt auf einem guten Weg. Die Jungs ziehen mit, sind willig und arbeiten sehr hart. Das gefällt mir gut und so sollte es auch weitergehen.

bundesliga.de: Mit "holprigem Start" meinen Sie den schlechten Trainingszustand, mit dem einige Ihrer Spieler aus dem Urlaub gekommen sind?

Babbel: Richtig. Das haben sie sich selber eingebrockt. Sie hätten sich sechs, sieben Einheiten sparen können - mussten dann aber natürlich etwas nacharbeiten. Das haben sie ohne Murren und Meckern getan, so dass wir jetzt sehr gut in der Spur sind.

bundesliga.de: Wie lange haben Sie überlegt in Berlin Trainer zu werden, nachdem Hertha BSC auf Sie zugekommen ist?

Babbel: Eigentlich nicht lange. Es war relativ schnell klar, dass ich es machen werde, weil mir die Art und Weise imponiert hat, wie Michael Preetz auf mich zugekommen ist und auch, wie er dabei über meinen Vorgänger gesprochen hat. Auch die klare Zielsetzung, nämlich die sofortige Rückkehr in die Bundesliga, hat mir gefallen. Es gibt kein Rumdrucksen von Seiten des Vereins, sondern das ganz klare Ziel, den Wiederaufstieg zu schaffen. Daran kann ich mich orientieren. Seit ich hier bin, bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass es der richtige Schritt für mich ist.

bundesliga.de: Trotz prominenter Abgänge wie Drobny, Cicero und Friedrich haben Sie einen Kader zusammen, der auf dem ersten Blick durchaus aufstiegsreif erscheint. Waren die Zugänge wie Friend, Aerts oder Lell Voraussetzung, dass Sie den Posten antreten?

Babbel: Nein, das war keine Voraussetzung. Wir sind aber natürlich jede Position durchgegangen. Dabei habe ich meine Vorstellungen geäußert. Alle Spieler, die ich wollte, habe ich bekommen - das hat mir schon imponiert. Alles, was besprochen wurde, ist in die Tat umgesetzt worden.

bundesliga.de: Was macht Sie sicher, dass es mit dem Aufstieg klappt?

Babbel: Ich bin einfach davon überzeugt, dass die Qualität dafür ausreicht. Jetzt arbeiten wir daran, dass auch die passende Mentalität dazu kommt. Und wenn wir beides paaren, dann kann es nur ein Ziel geben - nämlich der direkte Wiederaufstieg. Davon bin ich überzeugt.

bundesliga.de: Wobei sich viele ambitionierte Absteiger, die mit dem Ziel Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga gegangen sind, in der Vergangenheit schwer taten und es nicht im ersten Anlauf schafften. Wie schwören Sie Ihre Spieler auf die Anforderungen der 2. Bundesliga ein?

Babbel: Genau mit diesen Beispielen. Dass es nämlich schon einige Mannschaften gab, die vom Potenzial her den Aufstieg hätten packen müssen, es aber nicht schafften, die Mentalität der 2. Bundesliga anzunehmen. Das muss man sich immer wieder vor Augen halten. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Jungs es verinnerlichen - unabhängig davon, dass wir wissen, welch schwerer und steiniger Weg uns bevorsteht. Es gibt einige Mannschaften, die eine ähnlich große fußballerische Qualität wie wir besitzen. Wir wissen aber auch, dass viele Teams über die Kampfkraft und Laufstärke kommen - und da müssen wir dagegen halten können. Wenn wir das schaffen, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen, davon bin ich felsenfest überzeugt. Daher versuche ich, das in die Trainingsarbeit einfließen zu lassen.

bundesliga.de: Sind die Personalplanungen abgeschlossen oder könnte sich diesbezüglich noch etwas tun?

Babbel: Im Moment haben wir nichts Konkretes vor, aber wir beobachten den Markt ganz genau. Wenn ein Spieler uns "reinläuft" und wir hundertprozentig von ihm überzeugt sind, dann kann es durchaus sein, dass wir noch etwas machen. Es kann aber genauso gut sein, dass wir genau mit diesem Kader in die neue Saison gehen und keinen Spieler mehr holen.

bundesliga.de: Wen betrachten Sie vor allem als Aufstiegskonkurrenten?

Babbel: Es gibt viele Mannschaften, die die 2. Bundesliga gut kennen und eine gewisse Qualität mitbringen. Ich denke da etwa an Augsburg, Bochum, Düsseldorf oder Greuther Fürth. Ich habe aber nicht nur diese Teams im Auge - auch wenn ich sagen muss, dass mich das gar nicht so interessiert. Es geht nur um uns - und darum, wer neben uns aufsteigt.

bundesliga.de: Es wurden bereits über 10.000 Dauerkarten verkauft. Nach dem Abstieg scheint sich also relativ schnell wieder Zuversicht bei den Hertha-Fans breitzumachen. Worin begründen Sie den Zuspruch der Anhänger?

Babbel: Das zeigt mir, dass es ein großer Verein ist, der nicht nur zusammenhält, wenn alles positiv läuft. Hertha hat eine Fankultur, die darauf beruht, dass man auch in schlechteren Zeiten zusammenhält. Das ist für mich und die gesamte Mannschaft Ansporn, dem harten Kern, der uns die Treue hält, mit guten Leistungen zu danken. Meine Antriebsfeder ist es zudem, die ganzen Fans, die jetzt vielleicht noch etwas am Zweifeln sind, zurückzuerobern.

bundesliga.de: In einem Interview haben Sie angekündigt, sich bei einem eventuellen Aufstieg das Hertha-Logo tätowieren zu lassen. Wollen Sie damit Ihren Spielern in Sachen Clubtreue als leuchtendes Beispiel vorangehen?

Babbel: (lacht) Es geht darum, dass mir Tattoos sehr gut gefallen. Wenn wir den Aufstieg schaffen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass noch ein weiteres dazukommt. Ob es dann vielleicht sogar die Hertha-Fahne wird, dass lasse ich mir noch offen.

Das Interview führte Johannes Fischer