Fünf Mal ist der VfL Bochum aus der Bundesliga abgestiegen - und jedes Mal sofort wieder zurückgekehrt in die Eliteklasse. Das soll auch nach dem sechsten Abstieg so sein, macht der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer bei bundesliga.de deutlich.

Höhen und Tiefen des VfL kennt der 75-jährige Werner Altegoer nur zu gut. Als Vorstand und Aufsichtsratschef hat er den Club über viele Jahre begleitet. Warum er dieses Mal an eine erfolgreiche Saison samt Aufstieg glaubt, wie sich der Kader verändern soll und welche Rolle die Jugendarbeit beim VfL spielt, darüber spricht Altegoer im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Altegoer, welche Hoffnung verbinden Sie mit der Verpflichtung von Friedhelm Funkel als Trainer?

Werner Altegoer: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir einen Trainer verpflichtet haben, der sich in der Bundesliga und 2. Bundesliga auskennt, der das Geschäft um den Ab- und Aufstieg kennt und der als ehemaliger Spieler auch die Sprache der Profis spricht. Friedhelm Funkel ist als Cheftrainer genau der richtige Mann, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.

bundesliga.de: Also müssen Sie sich nur noch ärgern, dass zusätzlich noch ein paar Trainer auf der Gehaltsliste stehen…

Altegoer: Die Frage verstehe ich nicht ganz. Der Vertrag mit Marcel Koller ist zum 30. Juni ausgelaufen, damit läuft nur noch der von Heiko Herrlich. Die beiden Interimstrainer Frank Heinemann und Dariusz Wosz arbeiten weiterhin für den Verein. Das ist Fakt. Wir können es nun einmal nicht ändern. Punkt und fertig!

bundesliga.de: Der Trainer ist das eine, die Mannschaft ist das andere. Muss sich das Gesicht des Kaders nachhaltig verändern?

Altegoer: Natürlich. In diesem Punkt sind sich alle VfLer einig. Und wir sind bereits dabei, das Gesicht der Mannschaft zu verändern. Wenn ein Profi beispielsweise so weit geht, klipp und klar zu sagen, dass er für Bochum nicht mehr spielen will, dann sollte er auch gehen - sofern die Ablösesumme für uns akzeptabel ist .

bundesliga.de: Sollten nicht auch die Spieler, die den Abstieg mit verschuldet haben, in der neuen Saison die Verantwortung für den Wiederaufstieg tragen?

Altegoer: Wenn sich ein Profi gegen den Verein positioniert, ist das schlecht für das Klima in der Mannschaft. Schließlich gibt es auch genug ehrliche Kerle im Team, die diesen Schaden unbedingt wieder reparieren wollen.

bundesliga.de: Wäre es ein schönes Zeichen, wenn Spieler wie Stanislav Sestak, der mit der Slowakei bei der WM in Südafrika am Ball war, den Weg in die 2. Bundesliga mitgehen?

Altegoer: Allein, dass Stanislav Sestak bekundet hat, dass er sich gut vorstellen kann, auch in der 2. Bundesliga für den VfL zu spielen, ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, wie wohl sich ein gestandener Nationalspieler in Bochum fühlt.

bundesliga.de: Muss man zudem künftig noch mehr auf die Jugendarbeit setzen?

Altegoer: Das tun wir bereits. Aber man darf auch nicht die Augen vor der Realität verschließen. Es gab in der jüngeren Vergangenheit durchaus hoch talentierte Spieler aus unserer eigenen Jugend, die aber lieber gewechselt sind - meist wegen des Geldes. Generell sehe ich uns allerdings auf dem richtigen Weg. In der vergangenen Saison haben wir zwei Nachwuchsleute in den Lizenzspielerkader hochgezogen, in diesem Jahr sind es gar drei.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chancen des VfL in der 2. Bundesliga ein?

Altegoer: Wir wollen wieder aufsteigen! Ganz klar! Nur das kann das Ziel sein. Ob es gelingt, hängt dann von einigen Faktoren ab. Es gibt ja auch genug Gegenbeispiele zum VfL - Vereine, die trotz besserer Voraussetzungen nicht direkt den Wiederaufstieg geschafft haben und für lange Zeit ohne Profifußball gelebt haben und leben müssen. Aber unser Ziel kann nur der Aufstieg sein!

bundesliga.de: Wie schwer würde es für den VfL, wenn man den direkten Wiederaufstieg verpasst?

Altegoer: Ohne Frage schwerer. Aber mit diesem Gedanken befasse ich mich nicht. Wir sind hier beim VfL ein eingeschworenes Team. Vorstand, Trainer, Aufsichtsrat, Mitarbeiter, Mitglieder, Fans - wir haben alle das gleiche Ziel: Wir wollen zurück in die Bundesliga.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte