Köln – Der 1. FC Union Berlin gehört zweifellos zu einer der positiven Erscheinungen dieser Zweitliga-Saison – auch, wenn nach dem Sprung an die Tabellenspitze am 25. Spieltag drei Spiele ohne Sieg folgten. Die Bundesliga ist für die "Eisernen" immer noch in Schlagdistanz. Der Aufstieg wäre die Krönung einer seit Jahren positiven Entwicklung. Daran, dass die Berliner mittlerweile zu den Spitzenclubs der 2. Bundesliga zählen, haben die Fans einen enormen Anteil. In der bewegten Geschichte des Clubs haben sie entscheidend zur finanziellen Rettung beigetragen.

Der 1. FC Union Berlin wurde offiziell am 20. Januar 1966 gegründet, aber der FC Olympia Oberschönefelde, der erste von zahlreichen Vorgängervereinen, wurde bereits im Juni 1906 aus der Taufe gehoben. Ab 1909 hieß der Club nach dem Zusammenschluss mit dem BTuFC Union 1892, der 1905 die Deutsche Meisterschaft gewann, Union Oberschönefelde. 1920 wurde das Stadion an der Alten Försterei mit einem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg eingeweiht. 1923 schaffte es Union bis ins Finale um die Deutsche Meisterschaft, unterlag aber dem Hamburger SV mit 0:3.

Fahrstuhlmannschaft in der DDR

Den größten Erfolg feierte der neugegründete Club dann mit dem Gewinn des DDR-Pokals 1967. Im Ligabetrieb kamen die Berliner hingegen nicht über den Status einer Fahrstuhlmannschaft hinaus. Der 5. Platz aus der Saison 1970/71 blieb die beste Platzierung der "Eisernen" in der DDR-Oberliga. Nach der Wiedervereinigung scheiterte Union in der Relegation für einen der Plätze in der 2. Bundesliga und musste zunächst in Oberliga antreten. In der Folge wurde den Berlinern trotz sportlichem Aufstieg zwei Mal die Lizenz für die 2. Bundesliga verwehrt, da der Club sich in finanzieller Schieflage befand.

2000/01 war es dann endlich soweit und Union stieg erstmals in die 2. Bundesliga auf. Zudem erreichten die Berliner das Pokalfinale, das gegen Schalke 04 verloren ging. Weil die Schalker aber bereits für die Champions League qualifiziert waren, ging Union als Vizepokalsieger 2001/02 im UEFA-Cup an den Start. Nach drei Jahren stiegen die "Eisernen" wieder ab und rutschten in der anschließenden Saison sogar bis in die Oberliga ab.

Blutspenden retten die Lizenz

Finanziell stand der Club vor dem Aus, konnte aber unter anderem durch die Faninitiative "Bluten für Union" gerettet werden. Die Anhänger spendeten zahlreich Blut und gaben das Geld an den Club weiter. Die Talsohle war erreicht und seitdem ging es kontinuierlich bergauf. 2009 kehrte Union in die 2. Bundesliga zurück und hat seit 2012 immer einen einstelligen Tabellenplatz belegt. Als die Haupttribüne der Alten Försterei dringend renoviert werden musste, legten die Anhänger selbst Hand an. Über 2.000 freiwillige Helfer arbeiten mit und entlasteten so das Budget des Clubs.

In dieser Spielzeit könnte die Mannschaft von Jens Keller die Anhänger für ihre Leidenschaft belohnen. Union Berlin in der Bundesliga – es wäre ohne Zweifel eine Bereicherung. Aber auch, wenn es in dieser Spielzeit nicht klappen sollte: Der Liebe seiner Anhänger kann sich Union Berlin sicher sein. In guten wie in schlechten Zeiten.

Florian Reinecke