Köln - Der VfL Bochum galt mal zu Bundesliga-Zeiten als unabsteigbar. Ein ähnlich klingendes Prädikat hat sich die SpVgg Greuther Fürth in vielen Jahren in der 2. Bundesliga erarbeitet: Als die "Unaufsteigbaren" gehen Verein und Fans heute mit großem Selbstbewusstsein und Optimismus mit diesem außergewöhnlichen Image um.

Durch sieben 5. Plätze seit dem Wiederaufstieg 1997 haben sich die Fürther ihre "Unaufsteigbarkeit" redlich verdient - zumal sie oft erst kurz vor Saisonende aus den Aufstiegsplätzen herausgefallen sind.

"Die Unaufsteigbar Tour - wegen des großen Erfolges verlängert"

"Früher haben wirklich viele Leute in Fürth davon gesprochen und daran geglaubt, dass die Spielvereinigung gar nicht aufsteigen will oder darf. Auch deshalb sind viele nicht ins Stadion gegangen, obwohl sie mit Fürth sympathisieren", sagt Nicolas Heckel, Fankoordinator der SpVgg Greuther Fürth.

Den scheinbaren Makel der ewigen Zweitklassigkeit haben die Franken geschickt ins Gegenteil verkehrt. "Die Unaufsteigbar Tour - wegen des großen Erfolges verlängert" steht etwa auf dem offiziellen Flyer, mit dem die Dauerkarten für die Trolli Arena bestellt werden können. Auch auf dem Mannschaftsbus des aktuellen Tabellenführers prangt groß die Schrift "Die Unaufsteigbar Tour 2011/2012".

"Wir werden wieder angreifen"

Tatsächlich klopft die Spielvereinigung immer lauter an die Tür zur Bundesliga. Nicht nur die Fans des dreimaligen Deutschen Meisters sind überzeugt, dass in der vergangenen Saison bei weniger Verletzungspech mehr als Platz 4 drin gewesen wäre. "Wir werden wieder angreifen", hat Trainer Mike Büskens den Fans vor Saisonbeginn sogar schriftlich gegeben.

Die Fans tragen das selbstironische Konzept der "Kleeblätter" mit Überzeugung mit. Und es werden immer mehr. 38 Fanklubs mit etwa 1.600 Mitgliedern zählt die Spielvereinigung heute. "Als ich 2008 in der Fanbetreuung angefangen habe, waren es elf oder zwölf Fanklubs. Fast alle kamen aus Fürth oder näherer Umgebung. Jetzt haben wir Fanklubs am Bodensee, in Berlin und Köln", meint Heckel.

Stimulierender Konkurrenzkampf mit Nürnberg

Die Saison 2008/09 sieht Heckel auch als sehr wichtig für die positive Entwicklung der Fürther Fanszene. In jener Spielzeit war auch der 1. FC Nürnberg Teil der 2. Bundesliga, und der Konkurrenzkampf mit dem großen fränkischen Nachbarn habe der Fürther Fanarbeit einen zusätzlichen Schub gegeben.

"Wir haben heute sehr viele junge Fans im Alter zwischen 14 und 18, 19 Jahren. Und viele, die 35 Jahre und älter sind. Dazwischen fehlen aber diejenigen, die in der Zeit, als Fürth nur Landesliga und Oberliga gespielt hat, ein paar Kilometer weiter nach Nürnberg gefahren sind und Bundesliga gesehen haben", erklärt Heckel die etwas gezackte Altersstruktur in der Fürther Anhängerschaft.

Hohes soziales Engagement der Fürther Fanszene

Ein weiteres besonderes Kennzeichen der Fürther Fanszene sei das hohe soziale Engagement, das auch in der traditionellen Toleranz und Weltoffenheit der Stadt Fürth begründet sei. Auch die Zusammenarbeit mit den Horidos, die sich rund um den Block 12 organisiert haben, läuft reibungslos und mit großem gegenseitigen Vertrauen.

Doch ewig wollen sich die Fans des Traditionsvereins nicht in der 2. Bundesliga einrichten. Die Nachfolge-Parole der Unaufsteigbar-Tour haben die Sportfreunde Ronhof, größte Fangruppierung der Spielvereinigung, schon auf aktuellen T-Shirts der laufenden Saison in breitestem Fränkisch festgelegt: Edzadla bagg mers! Oder auf Hochdeutsch: "Jetzt packen wir's!" Der VfL Bochum ist schließlich auch nicht für immer unabsteigbar geblieben.