Über die Lautsprecher lief der Countdown. "Thunderstruck" von AC/DC heizte die Stimmung im TUJA-Stadion an. Und die Fans des FC Ingolstadt hofften vor dem Spiel gegen Alemannia Aachen, dass ihre "Schanzer" endlich wieder den Ball im gegnerischen Netz unterbringen.

Am Ende des Fußball-Abends aber stand, wie schon zum Rückrundenauftakt gegen das "Kleeblatt" aus Fürth, ein torloses Remis auf der Anzeigetafel. Im zweiten Auswärtsspiel des Jahres beim 1. FC Kaiserslautern hatte es eine 0:2-Pleite gesetzt.

Drei Tore in zehn Spielen

Insgesamt schoss der FCI in den vergangenen neunv Spielen gerade einmal drei Tore. Die Folge: Das Team von Trainer Thorsten Fink rutschte in der Tabelle auf den 14. Rang und liegt nur noch drei Punkte vor dem Relegationsplatz.

Doch der Coach glaubt fest an ein baldiges Erfolgserlebnis: "Meine Mannschaft spielt mit viel Leidenschaft und Kampf. Wenn wir so weitermachen, kehrt auch bald wieder das Glück zurück. Dann geht ein abgefälschter Schuss rein und keiner weiß, wie das passiert ist."

1.829 Minuten nichts passiert

Aber hilft den "Schanzern" das Glück allein? Fink hat das Problem im Abschluss natürlich auch erkannt und versucht, es durch gezielte Maßnahmen abzustellen. "Wir haben in der Woche vor dem Spiel gegen Aachen drei Mal speziell den Torschuss trainiert und werden das auch in der kommenden Woche wieder tun", erklärte Fink.

Das Torschuss-Training scheint auch dringend nötig zu sein, denn die Stürmer Vratislav Lokvenc, Ersin Demir und Steffen Wohlfarth warten zusammen seit 1.829 Minuten auf ein Tor. Zuletzt traf Lokvenc am 12. November 2008 zur Führung beim 3:0-Auswärtssieg in Mainz. Seitdem ist irgendwie der Wurm drin.

Hoffnungsträger Santini

Für frischen Wind soll jetzt Ivan Santini sorgen, der ab sofort für den FCI spielberechtigt ist. Trainer Fink ist auf jeden Fall voll des Lobes über den 19-jährigen Kroaten, der zuletzt vereinslos war und davor in der Jugend von Red Bull Salzburg gespielt hatte . "Er hat alles, was ein guter Stürmer braucht. Ich bin froh, dass wir jetzt noch eine Alternative haben. Er macht einen hervorragenden Eindruck", sagt Fink.

Den Vorschusslorbeeren ließ Santini auch gleich Taten folgen. Beim 2:0-Testspielerfolg gegen Jahn Regensburg traf er zum 1:0. Ganz zufrieden war er bei seinem ersten Auftritt im "Schanzer"-Trikot aber noch nicht. "Das war gut fürs Selbstvertrauen. Aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent, vielleicht bei 50 oder 60. Ich kann es viel besser und bin noch nicht ganz fit", erklärte Santini der "tz".

Lokvenc vorerst gesetzt

Ob Santini, der Anfang des Jahres beim 1. FC Köln im Probetraining war, schon am nächsten Spieltag in Osnabrück auf Torejagd gehen wird, ist ungewiss. Lokvenc ist im Sturm vorerst weiter erste Wahl und genießt das Vertrauen von Fink. "Kopfballstärke, Ball halten, Bälle verlängern, Ballsicherheit, Erfahrung, Cleverness. Er hat alles, was man nur haben kann. Über seine Qualitäten brauchen wir nicht sprechen. Er hat genügend Tore gemacht", so Fink.

Und auch bei den anderen Stürmern hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Fink nimmt die mangelhafte Chancenauswertung sogar mit Humor und erinnert sich an einen Spruch von Kölns Trainer Christoph Daum, der mal sagte: "Es ist wie bei den Staubsaugervertretern. Je häufiger ich an den Türen anklopfe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwann auch einen Staubsauger verkaufe." Also Übung macht den Meister!

Michael Reis