München - Rubin Okotie ist ein wahrer Kämpfer. Aufgeben kommt für ihn niemals infrage. Die Karriere des 27-Jährigen ist alles andere als geradlinig verlaufen. Dass es manchmal einen zweiten Anlauf braucht, um erfolgreich zu sein, beweist der Österreicher aktuell beim TSV 1860 München - seinem zweiten Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen.

Bei den Löwen funktionierte der Stürmer auf Anhieb. Gleich am ersten Spieltag schnürte der 1, 88 Meter große Angreifer beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern einen Doppelpack. Die ersten fünf Pflichtspieltore der Sechziger gingen allesamt auf sein Konto.

"Ich spüre einfach von allen Seiten das Vertrauen", erklärte Okotie im Laufe der Hinrunde seine Leistungsexplosion. Seine Treffer sind für 1860 überlebenswichtig: Mit zwölf Saisontoren in den bisherigen 19 Spielen hat der Toptorjäger der 2. Bundesliga exakt die Hälfte aller Münchner Tore erzielt.

"Vor einem Jahr war ich ganz woanders"

Eine Leistung, mit der sich der Sohn einer Österreicherin und eines Nigerianers wieder in den Fokus der Nationalmannschaft spielte. Zwei Jahre nach seinem letzten Einsatz für die österreichische Nationalmannschaft holte Teamchef Marcel Koller Okotie, der bereits 2008 als 21-Jähriger sein Debüt im ÖFB-Dress gefeiert hatte, zurück.

Das Comeback entwickelte sich zu einer filmreifen Erfolgsstory. In den EM-Qualifikationsspielen gegen Montenegro und Russland schoss Okotie jeweils den entscheidenden 1:0-Siegtreffer. "Im Fußball weiß man nie, was passiert, es ist ein sehr schnelllebiges Geschäft", sagte der doppelte Matchwinner nach dem Spiel gegen Russland. "Ich war vor einem Jahr ganz woanders, als ich es jetzt bin. Aber harte Arbeit wird immer belohnt. Man muss nach Rückschlägen aufstehen, das habe ich gemacht."

 

 

Seine Topfakten:

  • Rubin Okotie ist der Toptorjäger der 2. Liga (zwölf Tore).

  • Er schoss die Hälfte der Tore seines Teams, diese Saison einmalig in den drei Profi-Ligen.

Beispiellose Odyssee in den letzten vier Jahren

Verletzungen warfen ihn in seiner Laufbahn immer wieder zurück und verhinderten, dass er konstant sein volles Leistungsvermögen abrufen konnte. Anfang 2014 landete Okotie schließlich bei SönderjyskE. Der dänische Club war das vorläufige Ende einer beispiellosen Odyssee in den vergangenen vier Jahren. 2010 wagte er den Schritt von Austria Wien in die Bundesliga zum 1. FC Nürnberg. Doch nach für vier Einsätzen folgten Leihgeschäfte nach Belgien, zurück nach Österreich und letztlich nach Dänemark.

Dort, in der dänischen Fußballprovinz fand Okotie seine Treffsicherheit wieder und kämpfte sich mit einer Bilanz von elf Toren in 15 Spielen in der dänischen Superligaen zurück auf die Bildfläche. Auch 1860-Sportdirektor Gerhard Poschner blieben diese Leistungen nicht verborgen, er lotste Okotie im Sommer nach München und stattete ihn mit einem Zweijahresvertrag aus.

Okotie fühlt sich wohl in München

"Rubin weiß, wo das Tor steht", sagt Poschner - den Beweis liefert Okotie Woche für Woche. Bloß wie lange noch? Die Fans der Münchner Löwen fürchten, dass der Wandervogel schon bald wieder weiterziehen könnte. Doch Okotie fühlt sich in der bayerischen Landeshauptstadt sehr wohl.

Einzig die Tabellensituation ist alles andere als zufriedenstellend. Mit 17 Punkten nach 19 Spielen belegen die Löwen nur Platz 15 - statt um den Aufstieg, spielt der Traditionsverein gegen den Abstieg. Doch Okotie sieht das Team auf einem guten Weg, nicht zuletzt wegen seines Treffers im letzten Spiel vor der Winterpause zum 1:1-Endstand bei RB Leipzig. "Es war ganz wichtig, den Punkt mitzunehmen", sagte Okotie. "Jetzt können wir mit einem positiven Gefühl in die Winterpause gehen."

Für den Abstiegskampf sieht der Goalgetter sein Team jedenfalls bestens gerüstet. "Wir haben extremes Potenzial im Team, konnten das aber zu wenig abrufen", meint Okotie, der selbst sein Soll erfüllte. Gelingt ihm dies auch in den restlichen 15 Partien, wäre das für den TSV 1860 wohl mindestens die halbe Miete im Kampf um den Klassenerhalt.

Maximilian Lotz