Nürnberg - Patrick Rakovsky ist die Positiv-Überraschung im Kader des 1. FC Nürnberg. Seit Ende September ist er die neue Nummer eins im Tor - der Mann mit der interessanten Vita dürfte seinen Stammplatz so schnell nicht mehr hergeben.

In der 52. Minute des Frankenderbys zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth wurde Stephan Schröck vom Platz gestellt. Doch für die 40.000 Nürnberger Fans unter den 45.000 Zuschauern im Grundig-Stadion war der Blickfang nicht der Fürther Rechtsverteidiger, der mit gesenktem Blick vom Platz schlich.

Motivator und Führungsspieler

Es war der eigene Mann mit der Rückennummer 22: Nürnbergs Keeper Patrick Rakovsky rannte zeitgleich aus seinem Kasten, klatschte die Mitspieler ab und forderte auch das Publikum mit kreisenden Armbewegungen dazu auf, noch einmal alles zu geben. Mit anderen Worten: Patrick Rakovsky verhielt sich so, wie sich ein gewisser Raphael Schäfer verhalten hätte, wenn er mitgespielt hätte. Er verhielt sich wie ein Führungsspieler.

Seine Topfakten:

  • Patrick Rakovsky wehrte 77 Prozent der Bälle, die auf sein Tor flogen, ab (Top fünf der Liga).

  • Sein Vorgänger Raphael Schäfer wehrte in fünf Spielen nur 38 Prozent der Bälle auf seinen Kasten ab.

  • Mit Raphael Schäfer holte der Club 0,6 Punkte pro Spiel, mit Patrick Rakovsky 1,7.

 

Rakovsky scharrte mit den Hufen

Raphael Schäfer, mit einem Jahr Unterbrechung seit 2001 beim Club, ist der Name des Torwarts, dessen Erbe Rakovsky am 29. September antrat. Damals beorderte der ehemalige Trainer Valérien Ismaël den Nachwuchsmann Rakovsky ins Club-Tor und versetzte Schäfer auf die Tribüne. Ismaël setzte damit auf einen Torwart, der bereits lange als großes Talent galt, als einer, dessen Zeit noch kommen würde. Und auf einen, der zuvor sehr vernehmlich mit den Hufen gescharrt hatte.

In einem Interview mit dem "kicker" hatte Rakovsky angedeutet, dass er den Verein verlassen könnte, wenn er nicht bald eine Perspektive aufgezeigt bekomme. Beim 3:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern avancierte Rakovsky prompt zum sicheren Rückhalt, beim 2:1-Sieg gegen Ingolstadt – nun schon unter René Weiler - war er bester Spieler auf dem Platz und hielt mit tollen Paraden den Sieg fest. Vergessen waren damit die zwei, drei Wackler, die er - beispielsweise gegen den FSV Frankfurt -  ebenfalls gezeigt hatte.

Unterm Strich hat der 21-Jährige eine tolle Vorrunde gespielt, den Platz im Nürnberger Tor dürfte er so schnell nicht mehr räumen müssen. Dabei hatte Rakovsky bereits in der vergangenen Saison Erstligaluft geschnuppert, zwei Spiele gegen Borussia Dortmund und den VfL Wolfsburg stehen zu Buche. Im Signal-Iduna-Park debütierte Rakovsky gar als drittjüngster Torwart, der jemals in der Bundesliga-Geschichte ran durfte - hinter Frank Kirn (Düsseldorf) und Eike Immel (Dortmund). Und das ist bei weitem nicht das interessanteste an seiner Biographie.

Umzug nach Tschechien

Der 21-Jährige wurde am 2. Juni 1993 im sauerländischen Olpe geboren und zog als Fünfjähriger mit seiner Familie in die tschechische Heimat seines Vaters. Dort, in Prag, spielte Rakovsky in den Jugendmannschaften der drei größten Prager Clubs (Dukla, Slavia und gleich zweimal für Sparta Prag) und trainierte auf eigene Rechnung zusammen mit Zdenek Hruska, einem tschechischen WM-Teilnehmer von 1982.

Nach vier Jahren im Schalker Jugendinternat erfolgte dann 2011 der Wechsel zum "Club". Der "Prager Zeitung" erklärte Rakovsky, warum sein Landsmann Petr Cech noch heute sein Vorbild ist, obwohl er sich selbst als Vertreter einer moderneren Torwartschule  sieht: "Seine Ausstrahlung, seine Abschläge und Reflexe - man kann sich eigentlich alles von ihm abgucken. Auch wenn sich mein Stil zuletzt etwas geändert hat, mehr hin zu einem mitspielenden Torwart wie Manuel Neuer oder Iker Casillas."

Das Verhältnis zu "Club"-Ikone Schäfer hat unter der Wachablösung im Tor übrigens nicht gelitten, betont der Youngster: "Wir verstehen uns gut. Wir hatten drei Jahre lang ein super Verhältnis und aus meiner Sicht wird das auch in Zukunft so bleiben."

Christoph Ruf