Karlsruhe - Hiroki Yamada kam mit viel Vorschusslorbeeren zum KSC. Nach wenigen Wochen der Eingewöhnung ist der Mittelfeldspieler voll da. Seine Spielintelligenz und seine Treffsicherheit tun dem derzeitigen Tabellenzweiten gut - eine Bestätigung für Manager Todt, der den Japaner nach Deutschland lotste.

Als Hiroki Yamada in Karlsruhe aufschlug, waren die Erwartungen hoch. Vielleicht sogar etwas zu hoch, wie man im Nachhinein sagen muss. Der KSC hatte eine überraschend starke Saison in der Zweiten Liga hinter sich, die man auf Rang 5 abschloss - eine überragende Position für einen Aufsteiger.

Die Fans sahen allerdings auch, wo es noch Defizite im Karlsruher Spiel gab: vor allem im kreativen Bereich hakte es zuweilen ein wenig, mancher Akteur war noch dem von Kampf und langen Bällen geprägten Spiel in der Dritten Liga verhaftet, so dass technisch strake Spieler wie Selcuk Alibaz oder Gaetan Krebs mit ihren Ideen oft ein wenig isoliert wirkten. Und nun war Yamada da, der Mann, der das kreative Potenzial erhöhen sollte. Und zwar am besten sofort, wenn es nach dem Willen manches Fans gegangen wäre.

Mit tollen Referenzen gekommen

Doch der Mann, der kurz nach Weihnachten seinen 26. Geburtstag feiert und mit der Empfehlung von 30 Toren und 25 Assists in 129 Spielen von Jubilo Iwata kam, brauchte ein paar Wochen um sich einzugewöhnen. In seinen ersten Spielen - gegen Union Berlin, den FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf - wurde er jeweils in der Schlussphase ausgewechselt. Enttäuscht hatte er auch da nicht, aber geglänzt eben auch nicht. Aber seine Laufleistung war schon damals exorbitant: Im Schnitt läuft Yamada um die 12 Kilometer pro Spiel. Solche Spieler stehen jedem Team gut zu Gesicht.

Zumal es nichts Normaleres gibt, als dass ein Spieler ein paar Wochen zur Akklimatisation braucht. "Das ist ein ganz normaler Prozess", sagte dann auch Trainer Markus Kauczinski und prophezeite, dass der KSC noch viel Freude am quirligen Mittelfeldmann haben würde. Yamada selbst stieß ins selbe Horn: "Der Fußball hier ist sehr viel physischer als in Japan. Daran muss ich mich wohl erst gewöhnen." Das tat er dann auch. Und das innerhalb weniger Wochen.

 

 

 

 

Sein Topfakt:

  • Hiroki Yamada ist Karlsruhes Topscorer (gemeinsam mit Rouwen Hennings) und erfolgreichster Asiate der 2. Bundesliga in dieser Saison.

Längst sind die Kritiker verstummt

Die Kritiker, die Manager Jens Todt bereits einen Fehleinkauf ankreiden wollten, sind längst  verstummt: Nicht weniger als sechs Tore in den bisherigen 19 Spielen trug Yamada bei, dazu vier Assists, gegen Greuther Fürth und FC St. Pauli traf er sogar doppelt - was für Todt durchaus eine Genugtuung sein dürfte. Nach dem 3:2-Sieg in der Allianz-Arena, der dem KSC den Sprung auf einen Aufstiegsplatz bescherte, kamen sie aus dem Schwärmen jedenfalls gar nicht mehr heraus. "Jeder Pass sitzt, er ist geschmeidig und hat eine Top-Leistung abgeliefert", sagte der KSC-Manager.

Tatsächlich war es der Karlsruher Manager, der den Transfer im Sommer hartnäckig und geduldig in die Wege leitete. Von dessen exzellenten Japan-Kontakten profitierte bereits sein ehemaliger Arbeitgeber, der VfL Bochum, der den heutigen Frankfurter Takashi Inui im Kader hatte. Auch von Yamada war der ehemalige Nationalspieler überzeugt: "Dass er bereits als sehr junger Spieler Mannschaftskapitän war, zeigt seinen Stellenwert", betonte er. Dass er sein großes Ziel, die WM-Teilnahme mit Japan, knapp verfehlt hatte, dürfte den Transfer ebenfalls beschleunigt haben, vermutet Todt: "Er wollte jedenfalls unbedingt nach Europa wechseln." Ein Glück, dass Karlsruhe mitten in Europa liegt...

Christoph Ruf