Regensburg - "Er" ist über 100 Jahre alt. Genau ein deutscher Nationalspieler trug jemals sein Trikot. Er war seit Gründung der Bundesliga gerade einmal drei Jahre zweitklassig und sein aktuell bekanntester Spieler ist ein echter "Schweini". "Er" ist der SSV Jahn Regensburg.

Am Freitag, den 11. Mai und am Montag, den 14. Mai spielt der Tabellen-Dritte der 3. Liga gegen den Tabellen-Sechzehnte der 2. Bundesliga in der Relegation. Dabei trifft der SSV Jahn Regensburg auf den Karlsruher SC. Doch was wissen Sie eigentlich über den SSV? bundesliga.de frischt Ihr Wissen ein wenig auf.

Die Geschichte: Ein echter Traditionsclub



Bereits seit über 100 Jahren wird beim SSV Jahn Regensburg Fußball gespielt. Gegründet wurde der Verein am 4. Oktober 1907 als Teil des 1889 entstandenen Turnerbund Jahn Regensburg. Am 24. Mai 1934 fusionierte man mit dem SV 1889 Regensburg und nannte sich Sport- und Schwimmverein Jahn 1889 Regensburg.

Fast auf den Tag genau 66 Jahre später - nämlich am 26. Mai 2000 - gründete die Fußballabteilung schließlich den SSV Jahn 2000 Regensburg e. V. Seit 1926 trägt der SSV seine Heimspiele im Jahnstadion aus. Hier passen 11.800 Zuschauer hinein. Pläne für ein neues Stadion gab es immer wieder, doch wurden diese auch immer wieder ad acta gelegt. Nun soll sie aber doch kommen, die neue Heimspielstätte. Fertiggestellt wird diese aber nicht vor 2014.

Hans Jakob: Die Legende zwischen den Pfosten



Was einem in Regensburg quasi mit in die Wiege gelegt wird, wissen die meisten Nicht-Regensburger gar nicht: Der SSV hatte einen einzigen deutschen Nationalspieler: Torhüter Hans Jakob.

1930 entdeckte ihn der damalige Bundestrainer Otto Nerz beim Trostrundenspiel der Deutschen Meisterschaft zwischen Regensburg und dem 1. FC Nürnberg. Jakob hielt seinen Kasten sauber (3:0) und trug fortan neben dem Trikot des Jahn auch das Jersey mit dem Bundesadler auf der Brust.

Zwischen 1930 und 1939 bestritt er 38 Spiele im deutschen Tor und wurde 1934 Weltmeisterschafts-Dritter. Nach seiner aktiven Karriere lebte Jakob unweit des Jahnstadions. Dem SSV blieb der Mann, der 1949 sein Buch "Durch ganz Europa - Von Tor zu Tor" herausbrachte, immer treu. Als Vereinsoffizieller und Trainer der Amateurmannschaft war er noch viele Jahre tätig.

2. Bundesliga: Zwei kurze Abstecher



Nach der Gründung der Bundesliga zur Saison 1963/64 und der damit verbundenen Umstrukturierung des Liga-Unterbaus spielte der SSV lediglich drei Jahre in der 2. Bundesliga. Nach dem Aufstieg 1975 konnte Regensburg ein Mal die Klasse halten, ehe 1977 der Abstieg folgte.

Es dauerte 26 Jahre, bis die Bayern wieder Zweitligaluft schnuppern durften. 2003/04 spielte der SSV nochmals in der 2. Bundesliga. Nach dem Abstieg in die viertklassige Bayernliga im Jahr 2006 folgte der direkte Wiederaufstieg in die Regionalliga Süd. Ein Jahr später qualifizierte sich der SSV für die neu gegründete 3. Liga.

Die Saison 2011/12: Ein kurzer Rückblick



Mit einem 1:1-Untentschieden gegen den FC Carl Zeiss Jena am letzten Spieltag dieser Saison sicherte sich Regensburg den 3. Platz in der 3. Liga und damit die Qualifikation für die Relegation. Der Jahn feierte in dieser Saison die drittmeisten Siege (16) und musste die zweitwenigsten Niederlagen (9) der Liga hinnehmen.

Regensburg schoss die viertmeisten Tore (55) und kassierte die drittwenigsten Gegentore (41). In der Heimtabelle der Saison rangierte der SSV nur auf Platz 10 der 3. Liga. Dabei hatte man nur drei Heimspiele verloren - diese drei Niederlagen setzte es aber in den vergangenen sechs Heimspielen. Jedoch war Regensburg die stärkste Auswärtstruppe der 3. Liga (27 Punkte).

Das Team: "Schweini" ist der Chef auf dem Rasen



Der SSV hat einen echten Schweinsteiger in seinen Reihen: Tobias Schweinsteiger, älterer Bruder von Nationalspieler und Co-Kapitän des FC Bayern München Bastian Schweinsteiger. Tobias ist ebenfalls Kapitän - beim SSV. Zugleich war er mit 14 Treffern bester Torschütze der Regensburger in dieser Saison. Nach der Relegation wechselt er zum FC Bayern, wo er als Führungsspieler der Regionalliga-Elf fungieren soll.

Im Tor baut der Jahn auf den erfahrenen Michael Hofmann. Er bestritt vor seinem Wechsel nach Regensburg im Jahr 2010 ganze 162 Spiele für den TSV 1860 München. In dieser Saison stand er in 37 der 38 Liga-Spiele zwischen den Pfosten des SSV.

Zur drittbesten Defensive der 3. Liga gehört aber nicht nur der Keeper. In der Abwehr der Regensburger glänzten vor allem Ronny Philp und Andre Laurito. Mit jeweils 36 Einsätzen sind sie zwei der Konstanten in der Hintermannschaft. Laurito ist mit sechs Treffern zudem sehr torgefährlich.

Das ist auch Michael Klauß. Der Angreifer, der 2010 vom VfB Stuttgart kam, ist mit neun Toren zweitbester Schütze des SSV. Dazu kommen junge Talente wie Mahmut Temür (25 Spiele, 3 Tore, Mittelfeld, kam 2010 vom 1. FC Köln) oder auch Thiemo-Jerome Kialka (14 Spiele, Sturm, kam in der Winterpause vom 1. FC Köln).

Der Trainer: Kommt der doppelte Aufstieg?



Vater des sportlichen Erfolgs der Regensburger ist Markus Weinzierl. Bis vor wenigen Tagen wussten nur Kenner der 3. Liga von ihm. Doch nach dem Abschied von Jos Luhukay beim FC Augsburg wird vor allem Weinzierl als möglicher Nachfolger in den Gazetten gehandelt.

"So wie die Zeichen stehen, muss man damit rechnen, dass er uns leider verlassen wird", sagte Franz Gerber, sportlicher Leiter des SSV, zu den Gerüchten. Doch wer ist dieser Markus Weinzierl? Als Spieler war er beim 1. FC Passau, bei den Amateuren des FC Bayern, den Stuttgarter Kickers und der SpVgg Unterhaching aktiv.

2002 wechselte er nach Regensburg. Drei Jahre später beendete er dort seine aktive Laufbahn, blieb dem Verein aber treu. Von 2006 bis 2008 fungierte er als Co-Trainer des SSV. Im November 2008 übernahm er schließlich das Amt des Cheftrainers.

Das Duell: Der Jahn und der KSC



Bereits zehn Pflichtspiele haben der SSV Jahn Regensburg und der Karlsruher SC gegeneinander bestritten. Vier Mal hieß der Sieger Regensburg, drei Mal gewann der KSC, drei Partien endeten mit einem Unentschieden.

Allerdings fanden acht dieser Spiele in der Oberliga Süd oder in der Regionalliga Süd statt - und wiederum sechs Begegnungen davon vor der Saison 1971/72. Die jüngsten Duelle gab es in der Spielzeit 2003/04. Damals gewann Regensburg in seiner bislang letzten Saison in der 2. Bundesliga mit 3:0 in Karlsruhe und spielte im Rückspiel 1:1-Unentschieden.

Sebastian Stolz