Das Millerntor-Stadion auf St. Pauli ist seit Jahren als "Freudenhaus der Liga" bekannt. In dieser Saison passt der Name wieder einmal perfekt zum "Kiezclub". Denn die Hamburger gehören in der 2. Bundesliga zu den positiven Überraschungen im bisherigen Saisonverlauf, belegen nach zwölf Spieltagen den 3. Tabellenplatz.

Und das völlig zu Recht, wie Florian Bruns bundesliga.de erklärt. "Wir wurden bislang nur von Bielefeld und Kaiserslautern geschlagen und die beiden Vereine stehen vor uns. Also ist alles in Ordnung", sagt der Mittelfeldspieler.

Kein Blick in die Zukunft

Rang 3 würde am Ende der Saison für die Relegationsspiele gegen den 16. der Bundesliga reichen. Für die Feierlichkeiten im Mai 2010 zum 100-jährigen Bestehen des Vereins wäre die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse sicherlich die Krönung. Doch so weit planen Bruns und Co. noch nicht im Voraus.

"Wir Spieler denken nicht daran, was passieren könnte, wo wir stehen würden, wenn... Warum das so ist, kann ich ihnen nicht sagen. Aber wir haben einfach immer nur Bock aufs nächste Spiel", erläutert Bruns.

Stanislawski und seine Spielphilosophie

Doch was macht St. Pauli in dieser Saison so stark und vor allem so treffsicher? Mit 28 Toren stellen die Hamburger den besten Sturm der Liga. Trainer Holger Stanislawski erklärt das Erfolgsrezept kurz und knapp: "Wir haben in den entscheidenden Momenten einfach die Torgeilheit."

Stanislawski stellt seinen eigenen Anteil am Erfolg des FC St. Pauli damit aber hinten an. Schließlich hat er seit seiner Amtsübernahme mit kleinen Schritten die offensive Spielphilosophie seines Teams geformt und entwickelt. Die Früchte seiner Arbeit erntet er nun in Mengen.

Und wie sehr "Stani" sein System durchzieht, macht sich besonders bei seinen Einwechslungen bemerkbar. Rouwen Hennings, Morike Sako und Max Kruse: Es sind fast immer die gleichen Namen, und vor allem die gleichen Offensivspieler, die von der Bank ins Spiel kommen. Der Zwischenstand auf dem Feld ist dabei kaum von Bedeutung.

Auf Wiedersehen, Haupttribüne!

Gegen Düsseldorf war es beim Stande von 1:1 dann auch der eingewechselte Hennings, der mit seinem Siegtreffer am Ende doch noch für grenzenlosen Jubel auf den Rängen sorgte. Der ein oder andere Fan nahm diese Euphorie aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis.

Denn die Stadionkapazität am Millerntor wird vorerst kleiner. Die Haupttribüne hat gegen Düsseldorf zum letzten Mal ihren Dienst getan. Am Donnerstag wird sie abgerissen, eine neue, moderne soll bis zum Frühjahr 2010 fertiggestellt sein. Passend als Geburtstagsgeschenk zum 100. des Vereins - und vielleicht ja auch passend zum Aufstieg.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis