Köln - Der 1. FC Heidenheim hält weiterhin engen Kontakt zu den Aufstiegsplätzen in der 2. Bundesliga. Nur drei Punkte trennen die Elf von Frank Schmidt vom Relegationsplatz. Beim klaren 3:0-Sieg zuletzt gegen Union Berlin feierte Tim Kleindienst ein glänzendes Comeback nach siebenwöchiger Verletzungspause. Im Interview mit bundesliga.de spricht der vom SC Freiburg ausgeliehene FCH-Stürmer (vier Saisontore) über die starke Runde von Heidenheim und die kommende Partie bei 1860 München.

bundesliga.de: Tim Kleindienst, Sie fehlten dem 1. FC Heidenheim einige Wochen verletzungsbedingt, feierten am vergangenen Wochenende Ihr Comeback und haben direkt ein Tor erzielt. Wie gut hat das getan? Wie sehr haben Sie die Verletzung noch gespürt?

Tim Kleindienst: Das hat auf jeden Fall gut getan, ich kann mich nicht beklagen. Es hätte schlechter laufen können. Ich hatte, was die Verletzung betrifft, gar keine Probleme mehr. Wir haben dafür auch genug getan, dass alles wieder stabil ist.

bundesliga.de: Wenn man Ihre beiden letzten Partien vor Ihrer Verletzung hinzuzählt, haben Sie nun sogar in drei Spielen in Serie getroffen.

Kleindienst: Ich hoffe, dass ich die Serie im nächsten Spiel gegen 1860 München weiter ausbauen kann.

bundesliga.de: In den sechs Spielen, die Sie gefehlt haben, hat der 1. FC Heidenheim nur sieben Punkte geholt und dreimal verloren. Mit Ihnen gab es in zehn Spielen sechs Siege und 21 Punkte. Sind Sie schon unersetzbar beim FCH?

Kleindienst: Bisher haben wir uns jedenfalls gegenseitig ganz gut getan. (lacht) Vielleicht hat in den Spielen etwas gefehlt, worauf man sich bereits eingestellt hatte. Aber wir haben genug ähnliche Stürmer im Kader. Unersetzbar ist hier niemand. Wenn jemand ausfällt, können wir das kompensieren.

bundesliga.de: Wie gehen Sie mit der aktuellen Tabellensituation und Platz 4 um?

Kleindienst: Die Tabelle sieht sehr positiv aus. Ich sage auch klar, dass wir zurecht da oben stehen und keinesfalls unverdient. Das haben wir uns aber auch erarbeitet. Wir machen auch kaum schlechte Spiele. Andere Mannschaften haben uns vielleicht auch ein bisschen unterschätzt.

bundesliga.de: Heidenheim hat beim VfB Stuttgart gewonnen, gegen Eintracht Braunschweig remis gespielt und gegen Hannover 96 nur knapp 2:3 verloren. Die Ergebnisse gegen die Topteams der 2. Bundesliga untermauern Ihre These. Die Mannschaft scheint auf dem hohen Niveau konkurrenzfähig zu sein.

Kleindienst: Auf jeden Fall. Wenn ich unsere Partien gegen die oben platzierten Mannschaften Revue passieren lasse, haben wir gerade gegen diese Gegner unsere stärksten Spiele absolviert. Solche Teams sind auch besser zu bespielen. Wir haben uns in dieser Saison - egal gegen welchen Gegner - gut aus der Affäre gezogen.

"Müssen gegen jeden Gegner in den Infight gehen"

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bundesliga.de: Vor ein paar Wochen sagte Ihr Teamkollege Marc Schnatterer im Interview mit bundesliga.de, der Mannschaft habe im letzten Jahr nach einem ähnlich guten Auftakt die Konstanz über 34 Spieltage gefehlt. Auch wenn Sie im letzten Jahr noch nicht dabei waren, scheint die Truppe in dieser Spielzeit stabiler zu sein?

Kleindienst: Bis jetzt kann ich das auch nur unterschreiben, auch wenn ich im letzten Jahr noch bei der Konkurrenz gespielt habe. Momentan denke ich schon, dass wir gute Leistungen abliefern. Wir dürfen uns jetzt aber damit nicht zufrieden geben, sondern müssen nach der Winterpause genauso weitermachen und vielleicht sogar noch härter arbeiten, weil das "Beschnuppern" der Mannschaften vorbei ist. Wir müssen nochmal gegen jeden Gegner in den Infight gehen. Es dürfte schwieriger werden. Dennoch denke ich, dass unsere Mannschaft, so wie wir gerade aufgestellt sind, das packen kann.

bundesliga.de: Sie kamen vom SC Freiburg und spielen seit dem Sommer in Heidenheim. Warum haben Sie sich für den Club entschieden?

Kleindienst: Ich hatte von Anfang an gute Gespräche mit dem Trainer. Seine Spielphilosophie hat mir am meisten zugesprochen. Deswegen habe ich nicht lange gezögert und mich für Heidenheim entschieden.

bundesliga.de: Sie haben vorher in Freiburg Christian Streich erlebt und haben nun mit Frank Schmidt wieder einen Coach, der sehr lange im Verein ist. Erleben Sie die in der täglichen Arbeit ein Stück weit gelassener als andere Trainer?

Kleindienst: Von Gelassenheit habe ich bei beiden nicht so viel mitbekommen. (lacht) Natürlich kennen sie die Vereine in- und auswendig. Es war auf jeden Fall super mit Christian Streich zu arbeiten, genauso wie es das jetzt mit Frank Schmidt ist. In Heidenheim macht es mir sehr viel Spaß.

bundesliga.de: Mit Freiburg haben Sie in der letzten Saison den Aufstieg feiern können. Wie haben Sie den erlebt?

Kleindienst: Es war eine schöne Erfahrung, jedoch hätte ich mir am Ende gewünscht, mehr gespielt zu haben. Aber leider stand dem das Verletzungspech deutlich im Weg.

bundesliga.de: Ist auch mit Heidenheim ein Platz unter den ersten Drei drin?

Kleindienst: Ich gebe gar keine Prognosen ab. Man muss sehen, wie wir in die Rückrunde starten. Wenn wir weiter konzentriert arbeiten und uns oben halten können, dann kann man am Ende der Saison schauen, was noch möglich ist.

bundesliga.de: Am Freitag müssen Sie im Hinrunden-Finale bei 1860 München antreten. Die Löwen machen turbulente Zeiten mit. Wie gefährlich ist der Gegner?

Kleindienst: Wir stellen uns auf eine kämpferisch starke Mannschaft ein, die sehr erfahrene Spieler wie Ivica Olic oder Stefan Aigner in ihren Reihen hat. Wir müssen wieder an unsere Leistungsgrenze gehen, um in München etwas mitzunehmen. Wir werden die Löwen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn wir unser Spiel spielen - so wie wir es immer gemacht haben - können wir dort auch wieder drei Punkte mitnehmen. Nach zuletzt drei Auswärtsniederlagen wäre es mal wieder an der Zeit.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski