Bochum - "Unsere Heimat, unsere Liebe, in den Farben Blau und Weiß! 1848, nur damit es jeder weiß!" Fast trotzig stimmten die Bochumer Anhänger nach dem Abpfiff ihren Gesang an. Und auch ein bisschen stolz. Ihr VfL hat in der Relegation zwei Mal alles gegeben, auch wenn der große Traum am Ende platzte.

Wenige Minuten nach dem Abpfiff, als sich nach dem 1:1-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach der erste große Frust über den verpassten Bundesligaaufstieg gelegt hatte, da suchten die Bochumer Spieler den Weg zu ihren Fans. Geteilter Schmerz ist halber Schmerz. Es war aber auch ein Dankeschön für die Unterstützung, die der VfL Bochum in dieser Form lange nicht mehr erlebt hat.

Führung lässt Stadion beben

90 Minuten zuvor standen fast alle Zuschauer auf den Sitzen, um den VfL zum sechsten Mal in seiner Vereinsgeschichte nach einem Abstieg direkt zum Wiederaufstieg in die Bundesliga zu tragen. Als dann tatsächlich der Führungstreffer fiel und das Eigentor von Gladbachs Nordtveit das Hinspiel-Ergebnis egalisierte, da erbebte das altehrwürdige Stadion in seinen Grundfesten und ganz Bochum träumte schon von Bayern und dem BVB.

"Wir haben gut gespielt, wir sind früh in Führung gegangen - eigentlich lief alles so, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagte Mirkan Aydin. Tatsächlich bestimmte Bochum in der ersten Hälfte das Spiel, stand defensiv wie so häufig in den letzten Monaten sicher und ließ die Gladbacher kaum zur Entfaltung kommen. "Da waren wir klar dominant", meinte auch Marcel Maltritz.

Über 90 Minuten aber konnte der VfL seine Dominanz nicht halten. "Nach der Führung haben wir in der zweiten Hälfte etwas zu vorsichtig agiert und den Gästen dadurch mehr Raum und Spielanteile ermöglicht", haderte Faton Toski. Ein Blick auf die Statistik untermauert das: Am Ende verbuchte Bochum nicht nur weniger Ballbesitz (42 Prozent), sondern gewann auch weniger Zweikämpfe (44 Prozent).

Zu wenig Durchschlagskraft

Als größtes Manko aber erweis sich die mangelnde Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum. Der Lattentreffer von Maltritz schon nach drei Minuten war noch die beste Torchance. Nach 90 Minuten stand für den VfL bei fünf Schussversuchen kein echter Torschuss zu Buche, der auch auf das Gehäuse ging. Und ein erzwungenes Eigentor als maximale Ausbeute aus zwei Partien war letztlich zu wenig, um Gladbach in die 2. Bundesliga zu schießen. "Am Ende", stellte Maltritz mit einem Achselzucken fest, "haben wir das i-Tüpfelchen nicht setzen können."

Dennoch überwog bei Spielern und Trainer trotz aller Enttäuschung die Zufriedenheit, sich Anerkennung erworben und dem etablierten Erstligisten in zwei Partien Paroli geboten zu haben. "Das war über 180 Minuten ein Duell absolut auf Augenhöhe", lobte Friedhelm Funkel seine Spieler. "Natürlich sind die Jungs jetzt auch ein stückweit traurig, aber sie haben sich überhaupt nichts vorzuwerfen."

"Ganz andere Ausgangssituation"

Die Gedanken des Trainers gingen in der Stunde der verpassten Chance auch in die Zukunft. Wenn der VfL im Sommer in der 2. Bundesliga einen neuen Anlauf Richtung Aufstieg nehmen wird, "dann haben wir hier in Bochum eine ganze andere Ausgangssituation als vor einem Jahr", wie Funkel zufrieden feststellte. "Hier ist etwas zusammengewachsen und darauf werden wir aufbauen."

Auch gemeinsam mit den VfL-Anhängern, die die Liebe zu ihrem Verein wieder entdeckt haben und ihre Mannschaft auch in der Stunde der Niederlage mit viel Applaus feierten. "Unsere Fans haben heute ein unglaubliches Gespür für das bewiesen, was die Mannschaft nicht nur in diesen Relegationsspielen, sondern schon in den letzten Monaten geleistet hat", freute sich auch der Bochumer Trainer. Und wie zur Bestätigung war vor dem Stadion "Unsere Heimat, unsere Liebe..." zu hören.

Aus Bochum berichtet Dietmar Nolte

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