Hamburg -Die Lage auf dem Hamburger Kiez bleibt weiterhin sehr bedrohlich. Der FC St. Pauli verpasste am Montagabend den Befreiungsschlag und unterlag Greuther Fürth mit 0:1 (Spielbericht).

Das Team von Ewald Lienen bleibt Tabellenschlusslicht und musste zudem noch eine historische Niederlage hinnehmen. Für die Hamburger war die 200. Pleite in der Zweitliga-Geschichte des Vereins. Am kommenden Samstag treten die Kiezkicker dann beim ebenfalls abstiegsbedrohten Traditionsclub 1860 München an.

"Einfach mal die Dinger reinmachen"

Wenn man dem Team vom Millerntor am Montagabend eines nicht vorwerfen konnte, dann war es der Einsatzwille. Wie es sich für den Abstiegskampf gehört, rackerten und ackerten die Spieler bis zum Abpfiff. Doch für einen Treffer reichte es am Ende nicht. Trotz einiger nennenswerter Torchancen bleiben die St. Paulianer 2015 in der Liga weiterhin ohne ein selbst erzieltes Tor. Die beste Chance zum Ausgleich hatte John Verhoek, der an eine Flanke von Verteidiger Lasse Sobiech nicht mehr herankam – eine Haaresbreite fehlte (62.). Eine typische Situation für den FC St. Pauli am Montagabend. "Wie viele Dinger wollen wir denn noch haben", raunzte Sportchef Thomas Meggle, "wir müssen unsere Chancen einfach mal reinmachen."

Greuther Fürth bleibt St. Paulis Angstgegner

Nein, ein Lieblingsgegner wird Greuther Fürth beim FC St. Pauli wohl nicht mehr. Die Bilanz der Hamburger in Duellen gegen die Franken bleibt miserabel: St. Pauli kassierte gegen Fürth die meisten Niederlagen (zehn) und Gegentreffer (40) in seiner Zweitliga-Geschichte. Die Franken sind nun zudem seit zehn Duellen beim FC St. Pauli unbesiegt (3 Siege, 7 Remis). "Es war ein intensives und hitziges Spiel. Wir haben von Anfang den Kampf angenommen. Ich bin froh über den Sieg, aber es war nur ein kleiner Schritt, den nächsten wollen wir am Freitagabend gegen Sandhausen machen", erklärte ein zufriedener Fürth-Trainer Frank Kramer.

Besonders ärgerten sich die Kiezkicker über den nicht gegebenen Strafstoß aus der 16. Minute. Waldemar Sobota wollte den Ball in den Fünfmeterraum flanken, dabei flog er dem Fürther Verteidiger Benedikt Röcker an den Ellenbogen und dann ins Toraus.

Zunächst zeigte Schiedsrichter Martin Petersen auf den Punkt, doch nach langem Hin und Her nahm der Unparteiische aus Stuttgart seine Entscheidung zurück und entschied auf Eckball. "Wenn wir 1:0 in Führung gehen, gewinnen wir das Ding zu einhundert Prozent", war sich St. Paulis Kapitän Sören Gonther sicher. "So etwas passt natürlich in unsere derzeitige Situation", erklärte Linksverteidiger Sebastian Schachten frustriert.

St. Pauli fehlt es an Präzision im Angriff

Besorgniserregend ist bei den Hamburgern derzeit aber das Offensivspiel. Im Angriff fehlt den Kiezkickern die nötige Kaltschnäuzigkeit und Präzision. Beispiel gefällig: Von 15 abgegebenen Torschüssen zielte kein Schuss aufs Tor. Für St. Pauli ist das Saison-Minuswert. Von 19 Flanken aus dem Spiel heraus kamen bei Gonther und Co zudem nur zwei (!) beim Mitspieler an. "Das nötige Quäntchen Glück müssen wir noch mehr erzwingen", erklärte Sebastian Schachten. Zu den spielerischen Defiziten fehlt den Hamburgern als Tabellenletzter natürlich auch das nötige Selbstvertrauen. "Wir haben alles in die Waagschale geworfen und waren die klar spielbestimmende Mannschaft. Die vielen Torchancen müssen aber rein, das ist uns klar. Trotzdem werden wir uns auch von diesem Rückschlag nicht unterkriegen lassen", versprach Gonther.

Nächster Abstiegskrimi am Samstag bei 1860 München

Am Samstag reisen die Hamburger nach München, wo sie in der Allianz Arena auf 1860 München treffen. Mehr Abstiegskrimi geht nicht, denn auch die Löwen befinden sich als Tabellensechzehnter in akuter Abstiegsnot und weisen nur einen Punkt (18) mehr auf als der FC St. Pauli. "Wir haben jetzt eine Woche Zeit die Köpfe wieder hoch zu bekommen und dann werden wir in München alles versuchen", so Schachten. Sein Kapitän bemüht die Sportlersprache: "Wir haben jetzt noch 13 Runden und wie beim Boxen geht man auch mal auf die Bretter, aber deswegen hat man den Kampf noch nicht verloren. Die Mannschaft wird  alles für den Verein und seine Fans geben. Wir werden alles dafür tun beim 1860 zu gewinnen." Auswärts blieb das Team von Millerntor diese Saison bisher übrigens ohne dreifachen Punktgewinn…

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage