Früher, als die Fußballstadien noch keine Arenen waren, hielten sich die Baukosten meist noch in bescheidenen Grenzen. So soll das Koblenzer Stadion Oberwerth, das in den Jahren 1935 und 1936 errichtet wurde, damals etwa 1,2 Millionen Mark gekostet haben.

Mehr als 80 Jahre nach dem Bau hat sich die Spielstätte der TuS Koblenz noch viel von ihrer ursprünglichen Form bewahrt. Nur ein gutes Drittel der heute 15.000 Plätze ist erst überdacht, um das Spielfeld führt eine sechsspurige Laufbahn aus Vollkunststoff.

Dieser Laufbahn verdankt Koblenz sportlichen Weltruhm. Denn im Rahmen der internationalen Leichtathletik-Abendsportfeste, die in Oberwerth zwischen 1960 und 1992 vor meist ausverkauften Rängen ausgetragen wurden, fielen dort gleich vier Weltrekorde.

Rekordlauf von Edwin Moses

Zwei vom britischen Mittelstreckler Steve Ovett und einer von Edwin Moses, der am 31. August 1983 die 400 Meter Hürden in 47,02 Sekunden zurücklegte. Das ist bis heute die zweitschnellste je gelaufene Zeit auf der Strecke und wurde erst von Kevin Young 1992 unterboten (46,78).

Doch auch die heimischen Fußballer lockten die Zuschauer in Massen in das Stadion-Oval. Die TuS Neuendorf, der Vorgängerclub der TuS Koblenz aus dem Stadtteil Neuendorf, lockte Ende der sechziger Jahre bis zu 30.000 Fans nach Oberwerth. Seinerzeit nahm Regionalligist TuS Neuendorf an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil.

Größere Sanierungsmaßnahmen fällig

Mit dem Aufstieg der TuS Koblenz in die 2. Bundesliga am Ende der Saison 2005/06 wurden im Stadion Oberwerth größere Sanierungsmaßnahmen fällig. Das Stadion erhielt eine Videowand, Ränge und Stufen wurden renoviert, eine Rasenheizung eingebaut.

Auch wenn das Stadion Oberwerth äußerlich nicht unbedingt einer Festung gleicht, so entwickelte die TuS in der 2. Bundesliga doch eine enorme Heimstärke. Vom 7. Oktober 2007 bis zum 16. November 2008 blieben die Koblenzer in 18 Heimspielen ungeschlagen, ehe der FSV Mainz 05 die Serie mit einem 3:0-Erfolg beendete.

Koblenzer Stadtrat stimmt Stadionneubau zu

"Wir fühlen uns einfach wohl im alten Stadion Oberwerth, die Auswärtsteams eher nicht so. Vielleicht ist es der Geist vom Oberwerth, der uns zuhause immer unterstützt", erklärte TuS-Abwehrspieler Andreas Richter damals augenzwinkernd.

Wohl fühlen sich auch die treuen Fans der TuS, die in den Fansektoren 1 und 2 in der Nordkurve neben der Gegengeraden stehen – trotz oder auch wegen des fehlenden Dachs über dem Kopf.

Wie lange Wind und Wetter für die Besucher des Stadions Oberwerth auch künftig eine spürbare Rolle spielen werden, steht nicht fest. Einem Stadionneubau, der von TuS-Trainer Uwe Rapolder herbeigesehnt wird ("Wir brauchen das neue Stadion unbedingt"), hat der Koblenzer Stadtrat jüngst zugestimmt. Die neue Arena soll auf einem Gelände westlich der A 61 in der Gemarkung Bassenheim entstehen.