Köln - Nach der Hinrunde war der FC St. Pauli noch Tabellenletzter, nun stehen die Kiezkicker bereits auf Platz 11. Zuletzt gelangen drei Siege in Folge. Trotzdem ist das Abstiegsgespenst noch nicht vertrieben. Gegen den 1. FC Heidenheim sollen am Freitag die nächsten drei Punkte einegfahren werden. Vor er wichtigen Partie spricht St. Paulis Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann im Interview mit bundesliga.de über die starke Rückrunde und das Restprogramm.

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bundesliga.de: Christopher Buchtmann, der FC St. Pauli hat seine Siegesserie ausgebaut und sich bereits bis auf Platz 11 hochgearbeitet. Bei Fortuna Düsseldorf hat die Mannschaft in der Schlussviertelstunde noch einen Rückstand gedreht und 3:1 gewonnen. Woher nimmt die Truppe diese mentale Power?

Christopher Buchtmann: Bei uns stimmt es in der Mannschaft. Jeder springt für jeden ein, bügelt die Fehler der anderen aus. Außerdem haben wir durch die letzten Siege Selbstvertrauen gesammelt und lassen uns durch Rückschläge wie das Gegentor in Überzahl nicht mehr verunsichern. Die Mannschaft hat ruhig weitergespielt – was sich letztendlich auch ausgezahlt hat.

bundesliga.de: Trotzdem ist der Relegationsplatz nur zwei Punkte entfernt. Wie bedrohlich ist die Lage immer noch? Wie viele Punkte fehlen vermutlich noch zur Rettung?

Buchtmann: Wir haben noch nichts erreicht. Es ist weiterhin ein knappes Rennen, denn es war selten so eng wie dieses Jahr. Die 40 Punkte-Marke ist nach wie vor unser Ziel und wir wissen, dass wir es schaffen können, wenn wir alle an einem Strang ziehen.

bundesliga.de: Außer den 1. FC Kaiserslautern trifft St. Pauli nur noch auf Gegner, die jenseits von gut und böse sind. Wie bewerten Sie das Restprogramm, das auf den ersten Blick machbar erscheint?

Buchtmann: So gehen wir gar nicht erst an die anstehenden Aufgaben ran. Wir konzentrieren uns komplett auf uns – genau, wie wir es die letzten Spiele auch getan haben.

bundesliga.de: Der Verein hat trotz der schwachen Hinrunde immer an Trainer Ewald Lienen festgehalten. Warum war diese Entscheidung richtig? Warum passt er so gut zum Club?

Buchtmann: Dass die Entscheidung vollkommen richtig war, zeigt allein schon die Rückrunde. Ich finde es gut, dass der Verein sich nicht vom Tabellenplatz beirren ließ und die Ruhe bewahrt hat. Das zahlt sich jetzt aus. Die Mannschaft hat den Turnaround geschafft. Und dass unser Trainer zum Verein passt, liegt auf der Hand. Er lebt und vertritt unsere Werte wie kaum ein anderer.

bundesliga.de: Sie spielen inzwischen schon seit fünf Jahren für St. Pauli und abwechselnd mal um den Aufstieg und mal gegen den Abstieg. Wie sind diese Extreme zu erklären?

Buchtmann: Es klingt nach einer Floskel, aber es stimmt: In der 2. Liga kann jeder jeden schlagen. Wenn du in einem winzigen Moment nicht mit dem nötigen Engagement in die Aktion gehst, dann kippt das Ganze schnell in die andere Richtung. Daran haben wir im Winter gearbeitet. Und das ist auch einer der Gründe, warum wir unseren positiven Trend in der Rückrunde einleiten konnten.

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bundesliga.de: Ihr persönlicher Werdegang ist auch spannend. Mit 16 Jahren wechselten Sie für zwei Jahre nach England. Wie sehr hat sie diese Zeit geprägt? Wie gut wurden Sie auf das Profi-Dasein vorbereitet?

Buchtmann: Die zwei Jahre in England waren definitiv etwas Besonderes für mich. So jung von zu Hause weg zu gehen und dann noch in ein anderes Land – so etwas lässt einen natürlich schnell reifen. Es war eine schöne und vor allem prägende Zeit, in der ich auch mit der DFB-U17 Europameister geworden bin. Mit 17 habe ich schon in der 2. Mannschaft von Liverpool mitgekickt und durfte sogar einige Einheiten bei den Profis mitmachen. Auch das Leben neben dem Platz kann man nicht mit Deutschland vergleichen. Die Leute ticken dann doch noch anders als hier.

bundesliga.de: Für den 1. FC Köln haben Sie danach zwei Bundesliga-Spiele absolviert. Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach der Bundesliga?

Buchtmann: Aktuell gibt es andere Themen, als mir über die Bundesliga Gedanken zu machen. Das nächste Ziel ist der Klassenerhalt. Darauf konzentrieren wir uns alle. Aber grundsätzlich habe ich als Profi natürlich die Sehnsucht nach der Bundesliga – und die traue ich mir auch zu!

bundesliga.de: Zurück zum Liga-Alltag. Am Freitag empfängt St. Pauli den 1. FC Heidenheim, einen Gegner, der ähnlich wie Fortuna Düsseldorf in der Rückrunde stark nachgelassen hat. Wie gefährlich ist der Gegner? Wie ist er zu schlagen?

Buchtmann: Wir lassen uns von der Rückrundenbilanz Heidenheims nicht blenden. Die Mannschaft ist ein starker Gegner. Mit unserem Ex-Spieler John Verhoek und Marc Schnatterer haben sie sehr gefährliche Spieler vorne. Wir müssen das Spiel richtig annehmen, gallig in den Zweikämpfen sein und dann wird es positiv für uns ausgehen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski