Köln - Neun Deutsche und zwei DDR-Meister, zahlreiche EM-Fahrer und sogar ein amtierender Weltmeister - selten konnte die 2. Bundesliga mit mehr Superlativen und großen Namen aufwarten wie vor dem Start ihrer 43. Saison. Auf die Fans wartet ab dem Saisonauftakt am 5. August ein großes Spektakel und reichlich Spannung.

Prominenter könnte die 2. Bundesliga kaum besetzt sein. Denn durch den Abstieg des VfB Stuttgart und von Hannover 96 spielen in der neuen Saison gleich neun Clubs im Unterhaus, die schon mindestens ein Mal Deutscher Meister waren - in der Bundesliga stehen 2016/17 zehn Deutsche Meister. Zusammen kommen der 1. FC Nürnberg (9), Stuttgart (5), der 1. FC Kaiserslautern (4), die SpVgg. Greuther Fürth (3), Hannover (2), Eintracht Braunschweig, der Karlsruher SC, der TSV 1860 München und Fortuna Düsseldorf (je 1) auf 27 Deutsche Meistertitel. Mit Dynamo Dresden (8) und dem FC Erzgebirge Aue (3) sind zudem zwei ehemalige DDR-Meister wieder aufgestiegen, die gemeinsam elf Titel in der DDR-Oberliga einfuhren.

Video: Die Heimat des VfB Stuttgart

Ein amtierender Weltmeister beim VfB

Die Riege der Traditionsclub in der 2. Bundesliga ist lang, auch wenn die großen Triumphe bei den meisten Clubs schon länger her sind. Aber nicht nur die Clubs haben große Namen, auch unter den Spielern finden sich einige Prominente. Und sogar ein amtierender Weltmeister ist dabei. Kevin Großkreutz, der 2014 zum deutschen WM-Kader gehörte, peilt mit dem VfB den sofortigen Wiederaufstieg an. Mit Borussia Dortmund war Großkreutz auch schon zwei Mal Deutscher Meister - genauso wie sein Mitspieler und VfB-Kapitän Christian Gentner, der mit Stuttgart und Wolfsburg den Titel holte. Hinzu kommen zahlreiche EM-Teilnehmer wie Florian Klein (Österreich), Naser Aliji (Albanien), oder Jon Bödvarsson (Island) und etliche weitere aktuelle oder ehemalige Nationalspieler.

Der größte Name unter den Clubs ist sicherlich der VfB. Gerade einmal neun Jahre ist die letzte Deutsche Meisterschaft der Schwaben her, vor drei Jahren stand der VfB noch im DFB-Pokalfinale. Zuletzt hatte Stuttgart 39 Jahre lang ununterbrochen in der Bundesliga gespielt - kein anderer Club stieg zuvor nach so langer Bundesliga-Zugehörigkeit ab. Stuttgart übertraf damit den alten "Rekordhalter" 1. FC Köln, der 1998 nach 35 Bundesliga-Jahren erstmals abstieg. Zuletzt standen die Schwaben vor allem für bedingungslose Offensive und viele Tore. Das war auch bei ihrem letzten Aufstieg 1976/77 der Fall als sie in 38 Meisterschaftsspielen 100 Tore erzielten. Ähnlich treffsicher war auch Hannover 2001/02: die 93 Treffer der Niedersachsen sind noch immer Zweitliga-Saisonrekord für Spielzeiten mit 34 Spielen.

© imago

Fällt die Sechs-Millionen-Marke?

Das Interesse an der 2. Bundesliga ist ungebrochen groß, in der abgelaufenen Saison kamen erstmals durchschnittlich mehr als 18.000 Zuschauer pro Spiel und damit insgesamt annähernd sechs Millionen Menschen in die Stadien. Durch Stuttgart und Hannover kommen zwei große Arenen mit einem treuen Publikum dazu, Dresden kam schon in der 3. Liga auf mehr als 25.000 Zuschauer pro Spiel - die Saison 2015/16 bietet alle Zutaten, um einen Zuschauerrekord aufzustellen und erstmals insgesamt mehr als sechs Millionen Fans anzulocken.

Dabei geht es gleich am ersten Spieltag heiß her. Im Auftaktduell am Freitagabend (5. August) treffen Lautern und Hannover aufeinander - der Deutsche Meister von 1998 und der DFB-Pokalsieger von 1992. Im ersten Montag-Abendspiel empfängt der zweite Bundesliga-Absteiger aus Stuttgart den FC St. Pauli. Vor einem Jahr gab es im ersten Montag-Abendspiel einen 6:3-Heimerfolg des SC Freiburg gegen den 1. FC Nürnberg – das torreichste Spiel der Saison 2015/16! Am Saisonende wurde Freiburg Meister und Nürnberg Dritter.

Kaum ein Club bleibt lang

Ein ganz besonderes Merkmal der 2. Bundesliga ist die hohe Fluktuationsrate. Bis zu sechs Clubs, also ein Drittel der Liga, werden jede Saison durch Auf- und Abstieg ausgetauscht. Nur 1860 München spielt seit mehr als zehn Jahren ununterbrochen in der 2. Bundesliga. Die Löwen sind seit 2004 dabei, retteten sich zuletzt aber zweimal nur ganz knapp. Der 1. FC Union Berlin spielt seit sieben, der VfL Bochum seit sechs Jahren in der Liga. Wie schnell es in der 2. Bundesliga auseinander gehen kann, zeigen die Vorjahres-Absteiger aus der Bundesliga. Während Freiburg gleich wieder aufstieg, wurde der SC Paderborn in die 3. Liga durchgereicht.

Ein ganz besonderer Neuling ist dabei der FC Würzburger Kickers. Die Unterfranken waren zwar 1977/78 schon Mal eine Saison in der zweigleisigen 2. Bundesliga, danach aber lange Zeit in der Versenkung verschwunden. Das Besondere an Würzburg: 2012 war der Club noch in der 6. Liga. Innerhalb eines EM-Zyklus hat sich der Club damit vier Ligen nach oben gearbeitet.

Acht neue Trainer

Alles Neu heißt es auch auf den Trainerbänken. Acht Clubs haben im Sommer ihren Coach ausgetauscht. Zwei weitere Trainer sind erst seit Frühjahr 2016 im Amt. Und überhaupt gibt es nur zwei Chef-Trainer, die länger als zwei Spielzeiten bei ihrem aktuellen Club tätig sind: Thorsten Lieberknecht ist seit 2008 in Braunschweig, Frank Schmidt sogar seit 2007 in Heidenheim unter Vertrag.

Dafür ist der deutsche Rekordtrainer weiterhin am Start. Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf) hat als Spieler und Trainer bis heute 1.164 Spiele in der Bundesliga und 2. Bundesliga bestritten, mehr als jeder andere. Mit 62 Jahren ist er zudem zusammen mit Paulis Ewald Lienen der älteste Coach in der Liga. Der Jüngste aus der Trainerriege sitzt beim SV Sandhausen auf der Bank: Kenan Kocak zählt 35 Lenze und hat erst im März dieses Jahres seinen Fußballlehrer-Lehrgang bestanden.

Von Tobias Schild

Rekorde und Serien

Die meisten Spiele: Willi Landgraf (508)

Die meisten Tore: Dieter Schatzschneider (154)

Der höchste Heimsieg: Arminia Bielefeld gegen Arminia Hannover 11:0 (am 23. Mai 1980)

Der höchste Auswärtssieg: FK Pirmasens gegen VfR Bürstadt 0:9 (am 22. April 1978)

Die meisten Tore: Hertha (123) in 1980/81

Die wenigsten Tore: LR Ahlen (19) in 2009/10

Die wenigsten Gegentore: 1. FC Köln (20) in 2013/14

Die meisten Gegentore: Pirmasens (120) in 1977/78

Siege in Folge: Leverkusen (14) in 1978

Heimsiege in Folge: Homburg (19) von 1976 bis 1977

Spiele in Folge ohne Niederlage: Bielefeld (28) von 1979 bis 1980

Auswärtsspiele in Folge ungeschlagen: Ingolstadt (19) von 2013 bis 2014

Remis in Folge: Unterhaching (7) in 1996

Heimremis in Folge: Leverkusen (8) in 1976

Auswärtsremis in Folge: St. Pauli (8) von 1976 bis 1977

Spiele in Folge sieglos: Pirmasens (33) von 1977 bis 1978

Niederlagen in Folge: Duisburg (14) von 1985 bis 1986 und Spandau (14) in 1975

Heimniederlagen in Folge: Babelsberg (9) von 2001 bis 2002

Auswärtsniederlagen in Folge: Pirmasens (15) von 1977 bis 1978

Spiele in Folge ohne Tor: Mainz (8) in 1995 und Oberhausen (8) in 1988

Heimspiele in Folge ohne Tor: Uerdingen (7) von 1997 bis 1998 und Fürth (7) von 2014 bis 2015

Auswärtsspiele in Folge ohne Tor: Schwenningen (10) von 1976 bis 1977