Köln - Lasse Sobiech und der FC St. Pauli haben in den letzten Tagen beeindruckende Beispiele für einen vorbildlichen Umgang mit Flüchtlinge gesetzt. Der Verein lud 1.000 Flüchtlinge zum Testspiel gegen Borussia Dortmund ein (1:2), bei dem alle Einlaufkinder aus Flüchtlingsfamilien stammten. Und Lasse Sobiech besuchte zusammen mit dem HSV-Kollegen Rene Adler eine Unterkunft und erlebte bewegende Gespräche mit Menschen in Not. Im Interview mit bundesliga.de berichtet der 24-Jährige, wie es zu der Idee kam und welche Momente bei ihm haften geblieben sind.

bundesliga.de: Lasse Sobiech, der FC St. Pauli hat unter der Woche ein Testspiel gegen Borussia Dortmund unter dem Motto "Refugees Welcome" bestritten. Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen? Was war das Besondere an dem Spiel?

Lasse Sobiech: Es war natürlich ein Spiel unter besonderen Voraussetzungen und sehr emotional. Ich finde es richtig und wichtig, dass der Verein und wir als Mannschaft dort klare Botschaften und Zeichen nach außen gesandt haben. Außerdem engagieren sich der Club und unser Team für die Flüchtlinge in Hamburg. Mit den Einlaufkindern auf den Platz zu gehen, ihre strahlenden Augen zu sehen, war ein bewegender Moment, auch wenn nicht alle Kinder genau wussten, was ihnen da eigentlich geschah. Aber wir wissen alle, was diese Kinder bereits durchgemacht haben und da kann es nur ein Anfang sein, ihnen einen angenehmen Abend bei uns im Stadion zu bereiten.

"Haben viel geredet, viel gelacht!"

bundesliga.de: Sie selbst haben in der vergangenen Woche zusammen mit HSV-Keeper Rene Adler in einem Flüchtlingszelt übernachtet. Wie kam es zu der Aktion, wer hatte die Idee?

Sobiech: Zusammen mit der Firma One Lifestyle Management, mit denen ich öfter im Austausch bin, haben wir überlegt, was man für einige der Flüchtlinge machen kann. Am Ende wurde die Aktion zusammen mit der Firma more than shelters und René Adler auf die Beine gestellt. Alle hatten einen richtig schönen Abend und es gibt weiterhin die Möglichkeit, mit einer Übernachtung in der Superbude in Hamburg, in einem der Zelte, die Flüchtlinge zu unterstützen.

bundesliga.de: Wie ist der Besuch abgelaufen? Was haben Sie gemacht?

Sobiech: Wir haben mit der Flüchtlingsgruppe einen sehr netten und entspannten Abend erlebt, es wurde gegrillt, zudem waren noch ein paar Musiker dabei, die für eine gute Atmosphäre gesorgt haben. Wir haben viel geredet, viel gelacht. Es war ein toller Abend und eine tolle Erfahrung.

"War etwas ganz Besonderes"

bundesliga.de: Wie haben Sie die Begegnung mit den Flüchtlingen erlebt? Was hat Sie besonders berührt?

Sobiech: Vor allem die Begegnungen in der Messehalle und der direkte Kontakt in längeren Gesprächen waren natürlich am interessantesten. Einfach mal von Ihnen selbst zu hören, was ihre ganz  persönlichen Hintergründe sind, wie die Zustände in ihren Ländern sind, außerhalb von dem, was man in Deutschland mitbekommt. Das war etwas ganz Besonderes und Berührendes.

bundesliga.de: Wie erleben Sie die Hilfsbereitschaft der Menschen in Hamburg? Wie kann der Fußball helfen?

Sobiech: Der Fußball kann eine gute Plattform sein, um Botschaften zu vermitteln und damit eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Am Ende müssen aber all diese Botschaften mit Leben gefüllt werden. Jeder kann helfen, jeder kann etwas tun. Und ich finde, dass die Hamburgerinnen und Hamburger bisher sehr viel getan haben und dass es hier eine Willkommenskultur für die geflüchteten Menschen gibt.

Von Tobias Gonscherowski

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