Zusammenfassung

  • Köln schlägt Ingolstadt nach Rückstand dank eines Doppelpacks von Simon Terodde.
  • Der Stürmer hat nun in sieben Spielen zehn Tore erzielt.
  • Der nächste Treffer wird bereits sein 100. Zweitliga-Tor sein.

Köln - Drei Dinge, so erzählt man sich neuerdings in Köln, gibt es, die sind sicher wie das Amen im Kölner Dom: Der Tod, Steuern und dass Simon Terodde für den 1. FC Köln trifft. Auch im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 bewies der Torjäger einmal mehr seine Extraklasse und schoss die „Geißböcke“ durch seine Saisontore neun und zehn zum 2:1-Heimsieg gegen aufmüpfige Oberbayern, die zuvor durch Sonny Kittel in Führung gegangen waren. Vor allem dank Terodde, dessen Torkonto bereits in seinem sechsten Einsatz zweistellige Ausmaße angenommen hat, thront der FC an der Spitze der 2. Bundesliga.

>>> Spielbericht: Köln schlägt Ingolstadt und bleibt Tabellenführer

Deshalb stand der Angreifer der Kölner nach dem fünften Sieg im siebten Saisonspiel wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses: Erst verwandelte er einen Foulelfmeter in souveräner Manier, danach nickte er (wie schon am vergangenen Wochenende in Sandhausen) einen Eckball von der rechten Seite am kurzen Pfosten ein. Das RheinEnergieStadion stand Kopf, der Aufstiegsfavorit hatte eine Partie, die ihm aus den Händen zu glitten drohte, noch drehen können. Ein wichtiger Heimsieg – dank Teroddes drittem Doppelpack in dieser Zweitliga-Saison. Gänzlich zufrieden war der 30-Jährige allerdings nach dem Abpfiff nicht: „Wenn ich mir die ersten 30 Minuten anschaue, da habe ich die Mannschaft ein wenig im Stich gelassen. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich die Chancen hatte, in der Phase schon einen zu machen“, gab sich Terodde selbstkritisch. Gelegenheit, seine Führung in der Torjägerliste auszubauen, hatte er wahrlich genug in der ersten Hälfte. Erst ließ der Stoßstürmer die frühe Führung liegen (10.), danach scheiterte Terodde per Kopf am gut aufgelegten Ingolstädter Schlussmann Marco Knaller.

Sicher vom Punkt: Terodde trifft per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 © gettyimages / Lars Baron

„Dann kriegen wir das 0:1, das war nicht angenehm. Wir haben dann gezeigt, dass wir viel Selbstvertrauen haben und an unsere eigenen Stärken glauben. Wir haben dann viel Druck gemacht und wurden am Ende durch eine Standardsituation belohnt“, schildert der Kölner Matchwinner die Gründe für die Wende in der Partie. Nach dem Rückstand warf der FC alles nach vorne, hatte bei einem Pfostenkopfball des ehemaligen Kölners Marvin Matip das Glück des Tüchtigen und belohnte sich mit einem furiosen Endspurt: „Was hier los war die letzten 20 Minuten haben alle gesehen, da wird es für jeden Gegner schwer. Ich bin froh, dass wir das Spiel zusammen mit unseren Fans noch gedreht haben“, schwärmt Terodde, dessen Bilanz in den vergangenen Wochen kaum besser sein könnte: Im Pokal beim BFC Dynamo erzielte er vier Tore, dann einen Hattrick gegen Aue sowie Doppelpacks beim FC St. Pauli und gegen den SC Paderborn. Es folgten ein Treffer in Sandhausen und die Matchwinner-Rolle gegen Ingolstadt. „TORodde“, wie ihn die FC-Fans nennen, hat einen echten Lauf.

"Ich bin keiner, der an drei, vier Mann vorbeigeht, sondern ich brauche die Zuspiele, die derzeit wirklich sensationell kommen." Simon Terodde

Dabei hatte er nach dem 2:1 nicht ausgiebig jubeln können, sondern hielt kurz inne. Kurzfristig kam der Gedanke auf, sein Kopfballtor könnte nicht zählen. Mit verdutztem Gesicht schaute Terodde, während die Torhymne der Kölner bereits lief, Richtung Außenlinie: „Der Schiedsrichter-Assistent hat die Fahne gehoben. Ich habe kurz gezögert, ob hinten noch jemand am Ball war. Aber ich habe den Schiedsrichter-Assistent direkt gefragt – er wollte lediglich signalisieren, dass der Ball drin war. Kurz war aber jeder im Stadion etwas ungläubig“, erklärt der FC-Torjäger mit einem Lächeln im Gesicht. Der Jubel zusammen mit den eigenen Mannschaftskollegen und den Kölner Fans fiel dann zwar ungewöhnlich, aber nicht unbedingt leiser aus: „Das war noch einmal ein schöner Donnerhall im Stadion“, so Terodde, der an diesem Abend seine Zweitliga-Treffer 98 und 99 feierte. In der ewigen Torschützenliste der eingleisigen 2. Bundesliga hat er sich in dieser Saison bereits auf Platz sechs hochgeschossen und will nun noch mehr: „Sicher habe ich die 100 im Kopf. Aber wichtiger war, dass wir gewonnen haben“, sagt der Torschützenkönig der Spielzeiten 2015/16 und 2016/17.

Video: #playerprotest bei FIFA 19

>>>Dominick Drexler im Interview: "Wir werden immer selbstbewusster"

Direkt vor ihm liegt Bruno Labbadia (101), an der Spitze rangiert Sven Demandt mit 121 Treffern. Für einen Terodde in der aktuellen Galaform scheint auch das nicht außer Reichweite zu sein. Das liegt vor allem an zwei Dingen: das Selbstvertrauen des Stürmers und die Spielausrichtung der Kölner Mannschaft. „Ich will nicht sagen, dass ich diese Phasen schon kenne. Aber ich habe meine Qualität schon nachgewiesen in der Vergangenheit und habe an meine Stärken geglaubt“, erklärt Terodde, der zu Beginn der Saison noch auf der Bank gesessen hatte und erst im dritten Spiel von Beginn an in zum Einsatz kam. Dabei freut sich der Goalgetter besonders über die offensive Taktik des neuen Kölner Trainers Markus Anfang: „Die Spielanlage kommt mir sehr entgegen, das habe ich schon oft betont. Jeder sieht, dass ich kein Einzelspieler bin, der an drei, vier Mann vorbeigeht, sondern ich brauche die Zuspiele, die derzeit wirklich sensationell kommen. Deshalb geht ein großes Dankeschön an die Mannschaft!“

"Mir wäre lieb gewesen, er hätte die ersten Chancen genutzt, dann hätten wir 2:0 oder 3:0 geführt." Markus Anfang (Trainer 1. FC Köln)

Etwas, das auch sein Trainer betont: „Mir wäre lieb gewesen, er hätte die ersten Chancen genutzt, dann hätten wir 2:0 oder 3:0 geführt. Das ist aber keine Kritik an ihm: Simon ist immer wieder in den Sechzehner, ist immer wieder gefährlich. Wir wissen um seine Qualitäten, aber er ist auch ein Teil dieser Mannschaft. Wir spielen so, dass er immer wieder gefährlich werden kann. Simon bereitet sich die Chancen ja nicht selber vor, das ist ein Produkt der gesamten Mannschaft“, erklärte Markus Anfang und stellte auch deswegen in seinem Spielfazit das große Ganze in den Vordergrund: „Ich muss meine Mannschaft loben, dass sie sich nie aufgegeben und immer weiter nach vorne gespielt hat. Dieser Sieg tut gut, die Jungs haben sich das hart erarbeitet. Es ist keine Selbstverständlichkeit, in der 2. Bundesliga solche Spiele zu gewinnen“, so der 43-Jährige. Eine Selbstverständlichkeit, Spiele zu gewinnen, gibt es offensichtlich in der 2. Bundesliga nicht. Die Selbstverständlichkeit, mit der Simon Terodde in der Spielklasse regelmäßig trifft, die ist allerdings gegeben. So erzählt man sich jedenfalls in Köln.

Thomas Reinscheid