Bochum - Durch einen 3:1-Heimsieg gegen Pokalfinalist MSV Duisburg hat sich der VfL Bochum am letzten Spieltag Platz 3 gesichert und trifft nun in der in der Relegation auf Borussia Mönchengladbach.

Im Interview spricht Bochums Trainer Friedhelm Funkel über eine außergewöhnliche Rückrunde, Statistiken als Motivationshilfe und den Vorteil, zunächst auswärts antreten zu dürfen.

Frage: Nach dem dramatischen Sieg gegen Osnabrück am vergangenen Spieltag hat sich ihre Mannschaft heute relativ souverän gegen Duisburg durchgesetzt und die Relegation erreicht. Wie groß ist die Erleichterung?

Funkel: Natürlich bin ich froh, dass wir den 3. Tabellenplatz verteidigen konnten und damit unser Ziel erreicht haben. Dass dies ein schweres Stück Arbeit war, hat jeder gesehen. Der MSV hat bis zur letzten Minute versucht, uns das Leben so schwer wie möglich zu machen. Zum Glück haben wir in den richtigen Momenten die Tore gemacht. Erst haben wir schon früh vorgelegt und dann in der Schlussphase das erlösende 2:0 erzielt. Danach war ich mir sicher, dass wir das Spiel auch gewinnen werden. Kompliment an die Mannschaft, die eine überragende Rückrunde mit 37 Punkten gespielt hat. Ich glaube, dass es dies noch nicht so häufig gegeben hat.

Frage: Müssen Sie vor der Relegation nun sogar erst einmal die Euphorie bremsen?

Funkel: Ein bisschen Euphorie kann man schon mit nach Hause nehmen. Das ist überhaupt kein Problem. Dann sprechen wir aber relativ schnell wieder über das erste schwere Spiel im Borussia Park. Wir wissen natürlich, wie hart diese Aufgabe wird. Der Bundesligist ist in der Regel immer Favorit. Das ist er auch dieses Mal. Wir gehen als Außenseiter selbstbewusst in die beiden Spiele, denn auch Außenseiter haben sich schon häufiger mal durchgesetzt. Unser erstes Ziel wird sein, ein Ergebnis aus Gladbach mitzunehmen, das alle Möglichkeiten offen lässt, um im Rückspiel bei uns noch aufzusteigen.

Frage: Bochum hat seit 15 Pflichtspielen gegen Gladbach nicht mehr verloren. Interessieren Sie solche Statistiken?

Funkel: So eine positive Statistik kann man sich vor einer schweren Aufgabe ruhig einmal anschauen. Natürlich kann man sich da nichts für kaufen, aber wir können daraus durchaus ein Stück Selbstbewusstsein mitnehmen. Ich wünsche mir, dass wir zwei Spiele sehen, die dramatisch sind und auf des Messers Schneide stehen. Dann soll am Ende der bessere in der Bundesliga spielen.

Frage: Wie wird die Vorbereitung in den nächsten Tagen aussehen?

Funkel: Wir werden jetzt erst einmal regenerieren und uns dann in Ruhe vorbereiten. Die Spiele zuletzt haben viel Kraft gekostet. Nun brauchen wir erst einmal zwei Tage zum Durchschnaufen. Dann werden wir am Donnerstag zum ersten Spiel wieder topfit sein.

Frage: Mönchengladbach ist nach dem erfolgreichen Saisonendspurt im Aufwind. Wie schwer wird die Aufgabe für Bochum?

Funkel: Ein Gegner, der in den letzten Wochen nicht so erfolgreich gespielt hätte, wäre mir schon lieber gewesen. Aber man kann es sich nicht aussuchen. Gladbach ist seit einiger Zeit sehr gut drauf und spielt sehr diszipliniert. Sie bekommen kaum noch Gegentore und sind vorne immer gefährlich mit ihren Flügelspielern oder den Spitzen Idrissou und Hanke. Wir müssen eine sehr gute Leistung bringen, um bestehen zu können. Was wir bisher erreicht haben, ist schon lobenswert. Auf die grandiose Rückrunde kann die Mannschaft jetzt schon stolz sein. Das I-Tüpfelchen wäre dann, wenn uns der Aufstieg auch gelingen würde.

Frage: Das Hinspiel findet in Mönchengladbach statt. Ein Vorteil für Ihr Team?

Funkel: Grundsätzlich hat man lieber auswärts das erste Spiel. In früheren Jahren war das immer ein sehr großer Vorteil, wobei das zuletzt nicht mehr so eindeutig der Fall war. Ich hoffe, dass es bei uns so läuft, dass wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel verschaffen können.

Frage: Sind Sie vor der Relegation nervös?

Funkel: Momentan bin ich eher erleichtert, dass wir es dahin geschafft haben. Die Nervosität ist bei mir nicht mehr so stark. Vielmehr ist eine Anspannung da, die natürlich in den nächsten Tagen immer größer werden wird, je näher der Anstoß rückt.

Aus Bochum berichtet Markus Hoffmann