Köln - Der 1. FC Nürnberg hat nach zwei Niederlagen in Folge ein bisschen den Anschluss an die direkten Aufstiegsplätze verloren. Bei sieben Punkten Vorsprung auf Platz vier scheint den Franken der Relegationsplatz sicher. Vor dem Heimspiel gegen Union Berlin spricht Nürnbergs offensiver Mittelfeldspieler Sebastian Kerk im Interview mit bundesliga.de über den Saisonendspurt und seine eigenen Perspektiven.

bundesliga.de: Sebastian Kerk, der "Club" hat nach der langen Erfolgsserie zuletzt zweimal hintereinander verloren. Was ist gegen Duisburg und in Karlsruhe schief gelaufen?

Sebastian Kerk: Die letzten zwei Spiele waren, wie auch die Partien zuvor, ganz eng, sie standen auf des Messers Schneide. Jetzt war es mal so, dass wir zweimal einen unglücklichen Ausgang erleben mussten. An einigen Spieltagen vorher lief es auch schon mal glücklich für uns. Wir müssen das Glück jetzt wieder erzwingen.

bundesliga.de: Die Nürnberger Fans müssen sich also keine Sorgen machen, dass dem "Club" auf der Zielgeraden der Saison der Sprit ausgeht?

Kerk: Nein, wir sind fit, wir geben Gas. Der Sprit wird uns auf alle Fälle nicht ausgehen.

bundesliga.de: Wenn man sich die Tabelle anguckt, sieht es fast bei sechs Punkten Rückstand auf Platz zwei und sieben Zählern Vorsprung auf Rang vier so aus, als könnte sich der FCN auf die Relegationsspiele einstellen. Wie gehen Sie die letzten vier Spiele an?

Kerk: Wir denken von Spiel zu Spiel. Damit sind wir ganz lange gut gefahren. Wir wollen nach den beiden Niederlagen wieder Punkte einfahren und gute Leistungen abliefern. Das ist unser primäres Ziel. Wir wollen natürlich den 3. Platz festigen. Wir schauen sicherlich auch darauf, was die anderen Mannschaften machen. Aber das liegt nicht unserer Hand. Deshalb ist es besser, dass wir uns nur auf uns konzentrieren.

"Ich kann jetzt befreit aufspielen"

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bundesliga.de: Sie selbst hatten in der Hinrunde keine einfache Zeit, haben aber im Jahr 2016 alle Spiele bestritten. Wie zufrieden sind Sie im Moment? Haben Sie den Durchbruch geschafft?

Kerk: Ich war fast die komplette Hinrunde raus und hatte eine schwere Zeit. Dann fehlt einem die Kraft, der Rhythmus, man fasst nicht sofort Fuß. Zum Glück konnte ich dann die komplette Wintervorbereitung absolvieren. Jetzt bin ich fit. Der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt. Für einen jungen Spieler ist es extrem wichtig, wenn er die Rückendeckung des Trainers spürt. Das ist der Fall, und so kann ich befreit aufspielen.

bundesliga.de: In der Rückrunde sind Sie in die Rolle von Alessandro Schöpf geschlüpft, der im Winter nach Schalke gewechselt ist. Wie leicht ist es Ihnen gefallen, seinen Platz in der Mannschaft zu übernehmen?

Kerk: Wir sind ein geschlossenes Kollektiv. Mir ist es einfach gefallen, mich darin zurecht zu finden. Ich habe mit Miso Brecko einen sehr erfahrenen Mann hinter mir, der mich steuert, lenkt und führt. Man sieht ja auch, wenn bei uns ab und zu mal durchgewechselt wird, dass von der Bank immer frische Kräfte kamen, die sofort Fuß gefasst haben. Das ist sehr positiv.

bundesliga.de: Sie haben in der Rückrunde vier Tore erzielt. Sind Sie mit der Ausbeute zufrieden?

Kerk: Ja, aber ich kann sicher noch ein paar Tore mehr schießen. Ich muss mir den Ball öfter auf meinen linken Fuß, legen und aus der Distanz abziehen. Ich habe keine so schlechten linken Fuß. Vier Tore sind in Ordnung.

"Freiburg will mich womöglich zurückholen"

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bundesliga.de: Hat Ihnen der Wechsel vom SC Freiburg nach Nürnberg vor bald eineinhalb Jahren gut getan?

Kerk: Für mich war er gut. Die Verletzung kam zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Ich bin froh, dass ich in Nürnberg bin, es war die richtige Entscheidung.

bundesliga.de: Sie sind vom Sport-Club an den FCN bis zum Saisonende ausgeliehen. Gibt es Kontakte nach Freiburg oder Signale, ob man Sie wieder zurückholen möchte?

Kerk: Die Signale habe ich mal aus Freiburg bekommen. Sie wollen mich womöglich zurückholen. Aber Genaueres weiß ich auch nicht. Wir sind jetzt in der entscheidenden Phase in der Saison. Für mich sind die Nebenschauplätze uninteressant. Ich konzentriere mich jetzt ganz auf den "Club".

bundesliga.de: In den letzten vier Spielen trifft der "Club" zuhause auf Union Berlin und St. Pauli und auswärts auf Braunschweig und Paderborn. Wie stark schätzen Sie den kommenden Gegner Union ein?

Kerk: Union befindet sich im Aufwind und spielt einen guten Fußball. Aber wir sind in der Bringschuld und wollen die drei Punkte in Nürnberg behalten. Wir werden Druck auf den Gegner ausüben und dann über unsere Stärken im Kampf um den zweiten Ball und unsere Wucht und Kraft vorne einsetzen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski