Nur ein Punkt und ein Tor stehen für den FC Ingolstadt in der Rückrunde der Saison 2008/09 bislang zu Buche. Damit befindet sich der Aufsteiger nach einer guten ersten Saisonhälfte wieder mitten im Abstiegskampf.

Krisenstimmung herrscht deshalb aber keinesfalls in Ingolstadt. Kapitän Stefan Leitl gibt im Interview mit bundesliga.de einen Einblick in die Gefühlslage der Bayern und ist sich sicher, dass seine Mannschaft auch wieder bessere Zeiten erleben wird.

Schon am Sonntag in Osnabrück soll der Knoten endlich platzen. Weiterhin spricht Leitl über seinen ungewöhnlichen Lebenslauf und verrät, dass Fußball für ihn absolute Familiensache ist.

bundesliga.de: Herr Leitl, das Fußballjahr 2009 verlief bislang alles andere als positiv für den FC Ingolstadt. Wie erklären Sie sich den verpatzten Rückrundenstart?

Stefan Leitl: So drastisch würde ich es gar nicht sehen. Zum Auftakt gegen Greuther Fürth waren wir chancenlos, aber schon im nächsten Heimspiel gegen Oberhausen haben wir die Null halten können. In Kaiserslautern haben wir sehr unglücklich verloren und gegen Aachen haben wir sehr gut gespielt, nur leider verpasst, ein Tor zu erzielen. Es ist nicht alles so schlecht, wie es der Punktestand momentan ausdrückt.

bundesliga.de: Das größte Problem scheint die Offensive zu sein. Seit drei Spielen wartet der FCI auf ein Tor und hat in der kompletten Rückrunde erst ein Mal getroffen. Was sind die Ursachen für die Torflaute?

Leitl: Ich glaube ganz einfach, dass uns momentan das nötige Quäntchen Glück fehlt. Außerdem lassen wir in gewissen Situationen den unbedingten Willen vermissen, ein Tor erzielen zu wollen. Aber ich denke, dass wir gegen Aachen sehr gut in der Offensive aufgetreten sind. Wir haben uns viele Torchancen herausgearbeitet. Es fehlt halt die letzte Überzeugung. Wenn der Knoten geplatzt ist, kommt auch das Glück wieder zurück. Dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen.

bundesliga.de: Trainer Thorsten Fink hat in der Winterpause auf Neuzugänge verpflichtet und damit sicher auch der Mannschaft einen deutlichen Vertrauensbeweis erbracht. Stehen die Spieler daher besonders unter Druck?

Leitl: Ich denke nicht. Wenn die Möglichkeit dagewesen wäre, den einen oder anderen wirklich guten Spieler auf dem Markt zu bekommen, hätte der Verein sicher etwas unternommen. Doch das war wohl nicht der Fall. Außerdem ist es nicht garantiert, dass in der Winterpause getätigte Neuzugänge auch gleich einschlagen. Ich denke auch, dass der Verein keinen Grund hatte, etwas zu unternehmen.

bundesliga.de: Sie sind im Sommer 2007 nach Ingolstadt gekommen und verfügen über eine Menge Erfahrung in der 2. Bundesliga. Stehen Sie als "alter Hase" besonders in der Pflicht, das Team nach vorn zu treiben?

Leitl: Ich bin ja nicht der einzige erfahrene Spieler im Kader. Wir haben ja auch noch Leute wie Zecke Neuendorf, Heiko Gerber oder Vratislav Lokvenc. Das sind ja auch sehr erfahrene Profis. In einer Situation wie dieser sind aber einfach alle Spieler gefordert. Wobei sicher die etwas älteren und erfahrenen Spieler vorangehen sollten.

bundesliga.de: In kürzester Zeit hat sich eine Menge im und rund um den FCI getan. Was macht den Verein in Ihren Augen zu etwas Besonderem?

Leitl: Es ist ja schon etwas unheimlich besonderes, wenn ein Verein innerhalb von fünf Jahren von der fünften Liga in die 2. Bundesliga kommt. Der Verein und die Verantwortlichen haben hier wirklich etwas Großartiges aufgebaut. Auch der Stadionumbau ist gut gelungen. Dass ein Verein so schnell so weit nach oben kommt, hat es doch im deutschen Fußball auch noch nicht gegeben.

bundesliga.de: Ihr Fußball-Lebenslauf liest sich sehr interessant. Denn bis auf drei Jahre in Darmstadt haben Sie ausschließlich in Bayern, dem Bundesland, in dem Sie geboren sind, gespielt. Ist das nur Zufall oder steckt da doch eine gewisse Verbundenheit dahinter?

Leitl: Am Anfang meiner Karriere war das eine Verbundenheit zu Bayern. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, woanders hinzugehen. Ich muss aber ehrlich sagen, dass mich die drei Jahre in Darmstadt unheimlich weitergebracht haben. Auch für meine Persönlichkeit war diese Zeit sehr wichtig. Wenn ich jetzt noch einmal 18 Jahre jung wäre, würde ich sicherlich etwas früher weiter weg wechseln.

bundesliga.de: Sie haben fünf Brüder, die allesamt ebenfalls fußballbegeistert sind. Stehen die immer wie eine Eins hinter Ihnen oder bekommen Sie von daheim auch ab und an Kritik zu hören?

Leitl: Das hält sich in Grenzen mit der Kritik. Ich bin der Jüngste und alle meine anderen Brüder haben ihr Geld auch mit Fußball verdient. Es ist klar, dass sie alle hinter mir stehen und auch immer im Stadion sind. Wenn ich dann nach Hause komme, wird natürlich über Fußball gesprochen, aber eher positiv als kritisch.

bundesliga.de: Der nächste Gegner heißt Osnabrück. Schon in der Hinrunde konnte Ingolstadt mit einem Sieg über den VfL eine Durststrecke beenden und tankte Selbstvertrauen für spätere Aufgaben. Ist das ein gutes Omen für Sonntag?

Leitl: Für uns ist einfach nur ganz wichtig, dass wir am Sonntag punkten. Osnabrück ist ein unmittelbarer Tabellennachbar von uns. Wir wollen schnellstmöglich die Wende herbeiführen und das am liebsten schon in Osnabrück.

bundesliga.de: Anschließend warten Spiele gegen 1860 München und Hansa Rostock, zwei Teams, die sich trotz großer Ambitionen auch im unteren Tabellendrittel befinden. Können diese Partien gegen die direkte Konkurrenz schon viel über den weiteren Saisonverlauf aussagen?

Leitl: Auf jeden Fall. Diese beiden Mannschaften stehen sicher nicht da, wo sie sich vor Saisonbeginn gesehen haben, aber Fakt ist, dass auch sie sich in unmittelbarer Nähe von uns befinden. Von daher sind die kommenden drei Spiele unheimlich wichtig. Jetzt zählt erstmal das Spiel in Osnabrück. Da wollen wir den Hebel umsetzen und dann schauen wir weiter. Es werden drei schwere Spiele, da es mehr oder weniger drei Auswärtsspiele für uns sein werden. Denn zum Spiel gegen 1860 werden viele Fans aus München anreisen. Das wird schwierig.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz