Sandhausen - Jürgen Machmeiers Stimme klang verschlafen am Sonntagmorgen. Ja, es sei eine kurze Nacht gewesen, gibt der Präsident des SV Sandhausen zu. Das ist nicht weiter verwunderlich, nach der Erfüllung eines "Traumes, des größten Erfolges der Vereinsgeschichte", wie Machmeier sagt.

Seit 13 Jahren steht der Grundstücks- und Immobilienmakler dem 700-Mitglieder-Club aus der 14.000 Einwohner kleinen Gemeinde in der Nähe von Heidelberg vor. Machmeier ist erster Fan und wichtiger Geldgeber, er hat manchen Rückschlag verdauen müssen, bis sein SV Sandhausen nun endlich zum ersten Mal den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht hat. Umso größer ist jetzt die Freude.

"Haben eine tolle Mannschaft"



Die Mannschaft wurde nach dem 2:1-Erfolg am Samstag bei Preußen Münster noch von einem Fanclub in Westfalen zum Essen eingeladen. Kurz vor Mitternacht empfingen dann rund 700 Fans die Helden vor dem heimischen Stadion am Hardtwald. "Die Leute haben im strömenden Regen ein Feuerwerk abgebrannt. Danach ging die Feier in der Stadiongaststätte weiter", erzählt Machmeier stolz.

Hier ging es früher schon oft rund, besonders nach dem Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaften 1978 und 1993 oder dem Pokalsieg 1995 gegen den VfB Stuttgart. Neben Nationalmannschaftsassistenztrainer Hansi Flick haben auch spätere Bundesligaspieler wie Rainer Zietsch, Stefan Emmerling, Markus Münch oder Heiko Butscher schon das schwarz-weiße SVS-Trikot getragen.

Die bekanntesten Spieler der aktuellen Mannschaft sind Torwart Daniel Ischdonat oder Mittelfeldspieler Roberto Pinto. Den Aufstieg verdanken sie vor allem ihrer Kompaktheit. Präsident Machmeier sagt: "Wir haben eine tolle Mannschaft, aber machen wir uns nichts vor: Wir brauchen schon fünf, sechs Verstärkungen, um unser nächstes Saisonziel zu erreichen."

Stadionausbau steht bevor



Das gibt der selbstbewusste Macher mit einem "gesicherten Mittelfeldplatz" an. Der Gesamtetat steigt von 4,5 Millionen auf neun Millionen Euro, das Stadion wird ausgebaut auf ein Fassungsvermögen von 12.100 Zuschauern (bislang 10.200) und der Zuschauerschnitt soll von rund 2500 auf 5000 wachsen.

Bislang gibt es nur zweieinhalb Vollzeitangestellte in der Geschäftsstelle. Darunter ist Manager Ottmar Schork, der bis vor einem Jahr noch als Schadensbegrenzer bei einer Versicherung gearbeitet hat. "Wir entwickeln uns seit Jahren vorwärts und wollen das auch weiter tun", sagt Machmeier, der manches Frusterlebnis in der Vergangenheit verdauen musste. Er erklärt: "Ich bin froh, durchgehalten zu haben."

Im Herbst 2005 scheiterte eine von SAP-Gründer Dietmar Hopp angedachte Fusion der TSG Hoffenheim mit dem SV Sandhausen und Astoria Walldorf. Hopp startete mit Hoffenheim schließlich alleine durch - nun tritt sieben Jahre später der SV Sandhausen aus dem Schatten.

"Herz, was willst du mehr"



"Wir sind damals nicht zusammengekommen, heute ist es ein freundschaftliches Miteinander. Dietmar Hopp gehörte zu den ersten Gratulanten nach dem Aufstieg", erzählt Machmeier. Sollten die Stadionumbauten nicht zur Verfügung stehen, würde Hopp die Arena in Sinsheim als Austragungsort der SVS-Heimspiele zur Verfügung stellen.

Auch Aufstiegstrainer Gerd Dais feiert bald Premiere in der 2. Bundesliga. Der ehemalige Bundesligaprofi des SV Waldhof Mannheim "hat einen Wahnsinnsanteil am Aufstieg", sagt Jürgen Machmeier. Noch vor zwei Jahren hatte er den 48-Jährigen nach einer Durstrecke entlassen, im vergangenen Jahr holte Machmeier Dais reumütig zurück. Der bodenständige Dais gilt als verlässlich und ehrlich im Umgang mit seinen Spielern. Keine der acht Saisonniederlagen kippte die Truppe aus dem Gleichgewicht.

Bei seinem bereits dritten Engagement in Sandhausen holte Dais in 50 Spielen herausragende 91 Punkte. Beim Klang der Namen der kommenden Gegner wird Präsident Machmeier ganz euphorisch: "Kaiserslautern, 1860 München, Köln oder Berlin - Herz, was willst du mehr." Und Trainer Gerd Dais sagt: "Wir erleben gerade einen Quantensprung für Verein und Gemeinde."

Aus Sandhausen berichtet Tobias Schächter