Heidenheim - Frank Schmidt ist seit 2007 Trainer des 1. FC Heidenheim und hat seinen Heimatverein von der Oberliga Schritt für Schritt hoch in die 2. Bundesliga geführt. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 40-Jährige, der seinen Vertrag nach dem Aufstieg im Mai sogar bis 2020 verlängert hat, über die Euphorie im Umfeld, die Einkaufspolitik und die Saisonziele.

bundesliga.de: Herr Schmidt, Ihr Verein ist als Meister der 3. Liga aufgestiegen und wurde bundesweit gefeiert. Ist es gelungen, die Euphorie in die Saisonvorbereitung hinüberzuretten?

Frank Schmidt: Den Schwung wollen wir schon herüberretten, da braucht man als Trainer aber gar nicht nachzuhelfen. Wir haben über 6.000 Dauerkarten verkauft und hatten in der vergangenen Saison fast 10.000 Zuschauer im Schnitt. Das ist für eine Stadt mit 48.000 Einwohnern sensationell. So viel zur Euphorie. Andererseits habe ich jetzt gleich klargemacht, dass der Aufstieg Vergangenheit ist und wir vor neuen Aufgaben stehen. Und die werden garantiert nicht leicht.

bundesliga.de: Sie rechnen mit einer starken Konkurrenz in der 2. Bundesliga?

Schmidt: Unbedingt. Ich rechne damit, dass gut und gerne zehn Mannschaften aufsteigen wollen - was nicht heißt, dass alle das auch offen so formulieren. Und es wird nur wenige Mannschaften geben, die am Schluss froh sind, wenn sie drei andere Teams hinter sich gelassen haben. Zu denen zähle ich auch uns.

bundesliga.de: Wobei der 1. FC Heidenheim oft mit dem anderen Aufsteiger in einem Atemzug genannt wird...

Schmidt: Dafür fehlt mir ein wenig das Verständnis. Wir wollen uns nicht mit RB Leipzig vergleichen und ich denke, da fehlen auch einfach die Parallelen. Heidenheim ist ein Traditionsverein - wenngleich über viele Jahrzehnte mit einer Tradition im höherklassigen Amateurfußball. Und RB hat ganz sicher auch andere Ziele als wir.

bundesliga.de: Sie haben sich mit einigen jungen Spielern verstärkt, die ganz großen Namen sucht dagegen man vergeblich (Transferbörse).

Schmidt: Eben, wir haben es in den letzten Jahren schon so gehalten, dass wir auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzen. Adriano Grimaldi und Jan Zimmermann haben wir von ambitionierten Drittligisten geholt, Michael Vitzthum und Philipp Riese kamen aus der 2. Bundesliga und wollen sich hier beweisen.

bundesliga.de: Wie alle Aufsteiger stehen auch Sie vor einer Gratwanderung: Der Aufstiegskader will die Früchte seines Erfolges ernten, andererseits muss eine Spielklasse höher die Qualität erhöht werden.

Schmidt: Das stimmt, und wir sind überzeugt, dass wir uns auch punktuell verstärkt haben. Wir haben es allerdings auch schon beim Aufstieg in die 3. Liga so gehalten, dass die Spieler, die aufgestiegen sind, erst mal die Chance bekommen haben zu zeigen, dass sie sich auch eine Spielklasse höher bewähren.

Das Gespräch führte Christoph Ruf

Die Vorschau-Interviews der anderen Zweitligisten:

1. FC Nürnberg | Eintracht Braunschweig | Greuther Fürth | 1. FC Kaiserslautern | Karlsruher SC | Fortuna Düsseldorf | TSV 1860 München | FC St. Pauli | 1. FC Union Berlin | VfR Aalen | FC Ingolstadt | SV Sandhausen | Erzgebirge Aue | FSV Frankfurt | VfL Bochum | RB Leipzig | 1. FC Heidenheim | SV Darmstadt 98