München - Der SSV Jahn Regensburg kehrt nach acht Jahren in die 2. Bundesliga zurück und mit ihm auch ein Stück Nostalgie. Wer im Jahnstadion zu Gast ist, fühlt sich ein wenig in die "gute, alte Zeit" des Fußballs zurückversetzt. Nur die Haupttribüne ist überdacht und mit Sitzplätzen ausgestattet. Im restlichen Stadion wird gestanden. Bei Wind und Wetter.

Videowürfel? Fehlanzeige! Der Spielstand wird am sogenannten "Turm" oder "Tower" auf der Gegengeraden angezeigt. Zwei Zahlen. Das reicht. Dort hängt auch die große, analoge Stadionuhr. Um den DFL-Richtlinien für die 2. Bundesliga gerecht zu werden, muss in diesem Sommer eine Rasenheizung sowie eine Extratribüne installiert werden. Dem ursprünglichen Charme der Heimstätte des Jahn wird dies nicht schaden.

Gegengerade ist das Herz des Jahnstadions



Auswärtsfans der 2. Bundesliga dürfen sich in der nächsten Saison auf einen interessanten neuen Spielort freuen. Wie lange die Kicker des SSV ihre Heimspiele noch im Jahnstadion austragen werden, ist ungewiss, denn der Bau eines neuen, modernen Stadions ist bereits beschlossene Sache. In der neuen Saison werden sich die Regensburger Fans aber noch im alten Stadion auf den Stehplätzen der Gegengeraden einfinden und ihre Mannschaft unterstützen. Unter dem "Turm" schlägt das Herz des Jahnstadions.

Die Stimmungslage ist dabei eine völlig andere als noch nach dem letzten Aufstieg in die 2. Bundesliga 2003. Damals wurde einiges in die Mannschaft investiert, der Kader aufgebläht und am Ende trotzdem abgestiegen. Die finanziellen Nachwirkungen waren noch länger zu spüren. Bis in die Bayernliga ging es damals wieder runter, bevor der Weg des Jahns wieder nach oben führte.

Die Gallier der 2. Bundesliga



Diese Fehler sollen nicht wiederholt werden: "Wir haben den kleinsten Etat der Liga, deshalb sind viele Transfers für uns gar nicht machbar. Ziel ist einzig und allein der Klassenerhalt", berichtet Till Müller, beim Jahn für Medien und Kommunikation zuständig. "Wir wollen im nächsten Jahr die Rolle des kleinen gallischen Dorfes übernehmen."

Auch die Fans haben diese Einstellung verinnerlicht. Träume vom direkten Durchmarsch, wie sie 2003 durchaus vorhanden waren, verbieten sich in der Gegenwart. Es wird akzeptiert, dass die Kaderplanung nur langsam voranschreitet, weil sie mit Bedacht ausgeführt werden muss. Diese Erfahrung haben sie in der letzten Saison schon einmal gemacht, als der Jahn sein Team erst spät präsentieren konnte. Damals wurden einige Fans im Vorfeld der Saison unruhig - am Ende stand der Aufstieg.

Längerfristig in der Liga bleiben



In dieser Sommerpause ist es ruhig unter dem "Turm". Man hat Vertrauen in die sportliche Leitung. Eins ist aber auch klar: Es soll nicht nur bei einem einjährigen Gastspiel wie 2003/04 bleiben. Dazu braucht Regensburg die Unterstützung seiner Fans. Während der Heimspiele wird es mit der Ruhe vor dem "Turm" dann vorbei sein.

Florian Reinecke